Schneid statt Scheinheiligkeit

12. Februar 2009, 19:40
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Schakfeh wiegelt den Fall ab und spielt ein womöglich noch gröberes Problem herunter - Von Nina Weißensteiner

Unlängst hat Anas Schakfeh noch das zum Besten gegeben: "Antisemitismus", erklärte der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft resolut, "kennen wir überhaupt nicht." So, als ob es da nicht eine einzige Ausnahme unter den Muslimen geben könnte.

Nun hat ein Islam-Lehrer aus der Mitte der Religionsgemeinde ein schauriges Gegenindiz zu Schakfehs realitätsfremden Aussagen geliefert: Dem Pädagogen wurde - dank Druck von Bildungsministerin Claudia Schmied (SPÖ) - Unterrichtsverbot erteilt, weil er seine Schüler aufgefordert haben soll, nicht bei "jüdischen" Unternehmen einzukaufen.

Und was fällt Schakfeh heute dazu ein? Das muslimische Oberhaupt spricht von einem Einzelfall, von einer Ausnahme, verweist beschwichtigend auf das eingeleitete Disziplinarverfahren. Damit wiegelt Schakfeh den Fall ab, spielt ein womöglich noch gröberes Problem herunter, obwohl die Vorwürfe gegen den Pädagogen schon lange bekannt sind.

Und auch der rote Wiener Stadtschulrat hat die Causa offenbar wegen falsch verstandener Toleranz oder mangelnder Courage niedrig gehalten. Mit Verlaub, aber es ist keine Kleinigkeit, wenn ein Lehrer im Verdacht steht, Klassen aufzurufen, mit Dreißigerjahre-Methoden gegen jüdische Mitbürger vorzugehen. Abgesehen von einer staatlichen Aufsicht des konfessionellen Unterrichts braucht es in Österreich auch 70 Jahre danach endlich mehr politisch wie religiös Verantwortliche vom Zuschnitt der Unterrichtsministerin, die bei solchen Zuständen handelt anstatt wegzusehen. (Nina Weißensteiner, DER STANDARD-Printausgabe, 13. Feber 2009)

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