Solidarität mit Plünderern?

12. Februar 2009, 19:37
110 Postings

Die Redlichen zahlen drauf - Zwischenruf eines empörten Unternehmers - Von David Gulda

Immer kurioser werden die Maßnahmen, die gegen den Einbruch der Weltwirtschaft ergriffen oder vorgeschlagen werden - und je abstruser, desto unbegreiflicher und unbezahlbarer werden die Summen, die der Staat dafür einsetzen soll. Der ist aber das Gemeinwesen seiner Bürger und Bürgerinnen. Sein Vermögen ist unseres. Und seine Schulden auch.

Wir wollten weder eine exklusive Privatbank vor dem Konkurs retten, noch möchten wir jetzt für den "irrationalen Überschwang" (© Greenspan) der österreichischen Bankprominenz in Osteuropa aufkommen. Wir wollen nicht für Spekulationsverluste haften, die irgendwer in Island angehäuft hat, und nicht dafür spenden, dass ein Energieversorger oder Verkehrsbetrieb aus US-Steuersparmodellen Nutzen ziehen wollte. Von unserer Bahn erwarten wir perfekte Beförderungsleistung, und wir verstehen nicht, wie man dort mit "Finanzprodukten" zig Millionen aufs Spiel setzen konnte. Und jetzt sollen wir auch noch für Anleihen privater Großunternehmen haften und, sagt ein Ex- Finanzminister, über eine "schlechte Bank" (bad bank) "Wertpapiere" aufkaufen, deren Wert bei null liegt, und was immer dennoch dafür bezahlt wird, mögen wir, bitteschön, über Jahre abstottern.

Wir verstehen, dass der Staat als Ganzes in dieser Lage nur überlebt, wenn wir dazu beitragen, dass der Kollaps vermieden wird. Aber der Staat ist vor allem dann bedroht, wenn er sich mit den Schirmen überfordert, die er für jene aufspannt, die sich vergaloppiert haben. Längst ist es an der Zeit, den Staat vor den Antragstellern zu schützen, und nicht diese. Sonst geht er pleite, also wir, und nicht sie.

Man besinne sich darauf, dass die allermeisten Betriebe solide und seriös wirtschaften. Und als Lohn für ihre Vernunft sollen die Redlichen nun die Zeche zahlen? Mit solcher Politik macht man sich zum Komplizen der Spieler und Plünderer. Nicht Pragmatismus ist das Fundament des Gemeinwesens, sondern Gerechtigkeit! (David Gulda, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.2.2009)

 

David Gulda ist Leiter einer Logistik-Firma in Tirol

Share if you care.