"Ich war ein Tollpatsch"

13. Februar 2009, 16:17
30 Postings

Doppel-Weltmeisterin Lindsay Vonn entscheidet nach missglückter Party am Frei­tag über Antreten im Slalom

Val d'Isere - Lindsey Vonn hat am Donnerstagabend in Val d'Isere erstmals öffentlich über ihre missglückte Goldmedaillen-Party in der Nacht von Montag auf Dienstag berichtet. "Ich war ein Tollpatsch. Anstelle einer wunderschönen Feier und einer tollen Nacht endete der Tag im totalen Chaos", meinte die US-Amerikanerin, die sich am Glas einer Champagnerflasche die Beugesehne im rechten Daumen durchtrennt hatte und deshalb am Dienstag in Tirol operiert worden war.

Vonn, für die Spezialschienen für Freizeit, Training und Rennen angefertigt worden sind, hat aufgrund ihrer Verletzung den WM-Riesentorlauf am Donnerstag auslassen müssen, ihr Antreten im Slalom am Samstag ist weiter offen. Die 24-Jährige, die seit Mittwoch wieder in Val d'Isere verweilt, ist am Donnerstag erstmals nach dem Zwischenfall wieder frei skigefahren, für Freitag war mit dem ersten rennmäßigen Training (mit Torstangen) der entscheidende Härtetest geplant.

"Ich hoffe, dass wir eine Lösung finden, mit der ich ohne extreme Schmerzen fahren kann. Ich werde nicht starten, wenn ich nicht mein Bestes geben kann. Für einen 15. Platz fahre ich nicht mit", so Vonn, die sich im Freitag-Training auch wichtige Aufschlüsse bezüglich ihrer Rennschiene erwartet. Aufgrund der Kippstangen sei gerade der Slalom eine denkbar ungünstige Herausforderung für Vonn und ihren lädierten Daumen. "Der Slalom ist in dieser Situation die härteste Disziplin für mich."

Ein vorzeitiges Saisonende und somit eine Gefährdung ihrer aktuell komfortablen Gesamt-Weltcup-Führung erscheint unwahrscheinlich. "Mir wurde gesagt, dass so etwas drei Monate ausheilen muss. Aber das ist keine Option für mich. Ich werde mit dem Skifahren nicht aufhören. Ich bin Skirennfahrerin, und das ist nur ein Daumen", so Vonn, die sich jedoch im Klaren zeigte, dass dadurch ein Zwischenfall Langzeitfolgen haben könnte.

Nicht nur das Skifahren, auch der Alltag ist durch die Verletzung stark beeinträchtigt. Der rechte Daumen darf keinesfalls belastet, also nur passiv bewegt werden. Am Donnerstag habe sie fürs Anziehen ihrer Skiausrüstung trotz tatkräftiger Hilfe ihres Ehemanns Thomas 45 Minuten gebraucht. "Normal brauche ich dafür fünf Minuten."

Befragt nach den Details des schmerzhaften Hoppalas berichtete Vonn: "Ich habe noch nie in meinem Leben eine Champagner-Flasche geöffnet, normalerweise trinke ich ihn nur. Ein Rossignol-Servicemann und ich haben probiert, die Flasche zu öffnen. Doch der Korken wollte nicht raus. Darauf hat der Servicemann die Flasche mit einem Ski geköpft. Als er dann mit dem Champagner herumgespritzt hat, wollte ich das auch machen. Und da habe ich aufs Glas gegriffen und mich verletzt."

Der Beistand durch ihren Betreuerstab - Red Bull organisierte u.a. einen Privatjet von Genf nach Innsbruck - und die Behandlungen durch Dr. Christian Fink in der Privatklinik Hochrum seien perfekt verlaufen. "Für das, wie schlecht die Situation war, war sie gut", meinte Vonn, die sich ihre Laune nicht so schnell verderben lässt. (APA)

 

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Lindsey Vonn mit ihrer Spezialschiene.

Share if you care.