Offener Rassismus bei Schwedens Polizei

12. Februar 2009, 19:33
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Skandal um ausländerfeindliche Äußerungen auf Video und eine Feier mit nackt posierenden Polizisten

Stockholm - Schwedens Landespolizeichef Bengt Svenson hatte eine harte Woche. In zahlreichen Fernsehauftritten und Zeitungsinterviews musste er sich gleich zu drei Polizeiskandalen um Rassismus und Beamte mit fragwürdiger Berufseignung rechtfertigen.

So tauchte ein offizielles Polizeivideo in den Medien auf, in dem Polizisten rassistische Kommentare abgeben, während sie im Dezember des Vorjahres die Krawalle im Einwandererstadtteil Rosengard in Malmö filmen. "Soll ich ihn steril machen, wenn ich ihn in die Hände bekomme?", fragt dabei ein Beamter. Ein anderer antwortet: "Ja, er muss ordentlich zusammengeschlagen werden, so dass er nicht mehr auf den Beinen stehen kann." Während vor dem Wagen der Polizei, aus dem die Beamten filmten, jugendliche Einwanderer Mülltonnen anzuzünden, hört man einen weiteren der Beamten sagen: "Ihr seid in der falschen Kommune gelandet, Scheißausländer."

Der Polizeichef von Malmö, Ulf Sempert, verurteilte die Aussprüche der Beamten: "Ich kann nur um Verzeihung bitten. Es ist skandalös, dass Polizisten sich so äußern." Doch die Anklage gegen die nun strafversetzten Beamten wurde fallen gelassen. Da sie an jenem Tag nur die Krawalle dokumentieren sollten und nicht direkt in Kontakt mit Jugendlichen kamen, könnten sie nicht strafverfolgt werden, lautete die Begründung. In Rosengard wurde daraufhin mit weiteren Ausschreitungen gerechnet, die allerdings ausblieben.

Rassistische Rollennamen

In derselben Woche machte auch die Polizei im südschwedischen Schonen von sich reden, einer der Regionen in Schweden die auch für die massiven Wahlerfolge der ausländerfeindlichen Partei "Schweden Demokraten" bekannt ist. Bei einer offiziellen Polizeiübung, an der vergangenen Frühling 50 Polizeibeamte teilnahmen, gaben die Polizei-Ausbildner den Teilnehmern Namen, die sie während der Übung benutzen sollten. Zwei der fiktiven Täter hießen "Neger Niggersson" und "Oskar Neger". Einige teilnehmenden Polizisten beschwerten sich später. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Und selbst wenn die schwedische Polizei dieser Tage etwas zu feiern hatte, konnte auch das für Aufruhr sorgen: So feierten 15 Beamte in einem Lokal bei Göteborg, das Ende ihrer Zusatzausbildung für den Einsatz in Sonderkommandos. Deftige Sexwitze, ein männlicher Stripper und mit nackten Unterleibern posierende frisch gekürten Sonderkommandobeamten schockten die eingeladenen Ausbildner, die den Vorfall meldeten. Nun solle - meinen Kritiker - auch die Ausbildung der Sonderkommandanten überdacht werden. Die Beamten wurden zunächst wieder zu ihren früheren Aufgabenbereichen degradiert.

Neben dem Landespolizeichef Bengt Svenson hat sich auch die bürgerliche Justizministerin Beatrice Ask entsetzt über die Missstände gezeigt, denen unbedingt nachzugehen sei. (André Anwar aus Stockholm, DER STANDARD - Printausgabe, 13. Februar 2009)

 

 

  • Schwedens Polizei sorgt derzeit für Skandale.
    foto: epa/drago prvulovic

    Schwedens Polizei sorgt derzeit für Skandale.

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