Der Greenspan war's ...

12. Februar 2009, 19:30
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... und nicht der Lehman: Warum die gängigen Krisendeutungen, wonach "es" die Banker verbockt hätten, falschliegen - Von Franz R. Hahn

In einem Punkt herrscht Einigkeit im Blätterwald, und zwar weltweit: Die Banken waren es, die uns die globale Finanzkrise eingebrockt haben. Zusammen mit Neoliberalismus (was immer das ist) und Deregulierung (was immer das heißt) sind die Banker als Hauptverursacher der finanziellen Kernschmelze eindeutig identifiziert und vielfach (vor-)verurteilt. Wenig überraschend daran ist, dass dieses (Vor-)Urteil bereits feststeht, bevor überhaupt mit einer profunden (wissenschaftlichen) Aufarbeitung der Ursachen dieser Krise begonnen worden ist.

Im Gegensatz zu den Unmengen an apodiktischen Ad-hoc-Analysen, Kommentaren aller Art und der unvermeidlichen "Senflawine" von Guru-Ökonomen, die es schon immer gewusst haben wollen, gibt es zurzeit wenig gesicherte Erkenntnisse zu Ursachen und Ausmaß der Krise. Die wenigen seriösen Befunde, die vorliegen, deuten eher darauf hin, dass "es" nicht die Banker, sondern vielmehr die Zentralbanker verbockt haben, indem vor allem die US-Zentralbank Fed unter ihrem "charismatischen" Gouverneur Greenspan durch ihre hyperaktivistische Interventionspolitik den "financial boom-bust-cycle" angeheizt und die inhärente Prozyklizität des globalen Finanzsystems exzessiv verstärkt hat. Vor allem die Asymmetrie ihrer Zinspolitik dürfte folgenschwer sein, wurden doch alle drohenden "bust-phases" (Wachstumsabschwächungen) durch rabiate Leitzinssenkungen bekämpft, alle Boom-Phasen aber großzügig toleriert und wohlwollend abgenickt.

Billiges fremdes Geld blieb so im System und heizte die Inflation der Vermögenspreise global an (Stichwort "Immobilien-Bubble"), während die ach so hässliche Globalisierung lange Zeit half, die Inflation der Güterpreise in den USA (und in den meisten OECD-Ländern) im Zaum zu halten.

Verhängnisvoller Fehler

Die Fed kümmerte Ersteres wenig, so lange Letzteres keine Probleme verursachte (hierin waren sich alle führenden Zentralbanken einig). Ein verhängnisvoller Fehler, wie sich nunmehr herausstellt. Dieser stabilitätspolitische "blunder" hat den letzten, primär kredit- finanzierten Boom in den USA überstrapaziert und überdehnt (Stichwort "Subprime Crisis"). Exzessives Risikoverhalten vieler Finanzakteure und extreme Überschuldung der privaten US-Haushalte dürften in einem engen Zusammenhang mit diesem verhängnisvollen Versuch einer geldpolitischen Rundum-Airbag-Lösung stehen. Angesteckt vom "Fed-Virus" haben die Notenbanken nahezu aller Industriestaaten ihre Stabilitätskompetenz weit überschätzt. Banken und andere Finanzakteure, vertrauend auf die Stabilitätskraft ihrer Leitbanken, tappten in die Renditenfalle wie Lemminge und bekommen dafür nun den schwarzen Peter zugeschoben. Die Zentralbanker, ganz Biedermänner, lassen sich derweil allenthalben als "Helden der Krise" feiern.

Die Finanzkrise hat demnach vor allem eines deutlich gemacht: Es besteht dringender Bedarf an neuen Grundlagen für eine effiziente Makro-Steuerung moderner Volkswirtschaften. Der Neuorientierung der Geldpolitik (Stichwort "Eigenkapitalbestimmungen") wird dabei eine zentrale Rolle zukommen.(Franz R. Hahn, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.2.2009)

 

Franz R. Hahn ist Wirtschaftsforscher in Wien

  • Oder steckt hinter der Wirtschaftskrise ein geheimer Schöpfungsplan?
    karikatur: stephane peray

    Oder steckt hinter der Wirtschaftskrise ein geheimer Schöpfungsplan?

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