Der Gitarrist und der Pfeifer

12. Februar 2009, 19:15
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Zwei Kanadier, ein Franzose, ein Österreicher

So zwischen zehn und zwölf Uhr in der Nacht ist der Himmel über Val d'Isère nahezu wolkenlos, und der Wind schläft. Später vielleicht auch, aber da befindet man sich natürlich schon im Land der Träume. Abgesehen davon gibt die Band Roofstone im Moris Pub wirklich ansprechenden Rock, und wenn man sich wegwendet von der Bühne, sieht man im Fernseher die Spanier in Sevilla Tiki-Taka spielen und die Engländer keinen Ball sehen (2:0).

Man dreht sich nur kurz um, und der Gitarrist und nicht wenige der Lauscher tragen eine Skihaube. Das ist draußen am Berg praktisch und drinnen im Pub schick.

Boubou, der Franzose, war früher Rugby-Spieler. Viel früher, denn seit vielen Jahren besitzt er eine Bar in Val d'Isère, in der einschlägige Bilder hängen und in der sich die Skilehrer treffen. Ein Ziehharmonikaspieler und ein Klarinettist geben Chansons zum Besten. Instrumental, nicht vokal. Wie das Leben so spült, spült es drei Männer an den kleinen Tisch, und schon werden drinnen in der Bar die Erfahrungen ausgetauscht, die draußen in der großen Welt gemacht worden sind.

Es handelt sich um zwei Kanadier und einen Franzosen. Die Kanadier gehören dem Organisationskomitee der Olympischen Winterspiele 2010 in Vancouver an. Der Franzose war jahrelang Trainer in Spanien und lebt in Kanada, hüben und wie drüben hatte er seine Probleme mit Separatisten. Die Kanadier schwärmen von Whistler Mountain, wo 2010 die alpinen Bewerbe gegeben werden. Whistler, das ist der Pfeifer, und der Pfeifer auf diesem Berg, das ist der Wind. Der hat früher schon so manchen Weltcupbewerb verpfiffen.

Tut er das bei Olympia, hat der Österreicher größere Schmerzen als der Kanadier, auch wenn der den amtierenden Abfahrtsweltmeister sein Eigen nennt. Eishockey pflegen sie sowieso in der Halle zu spielen. (bez, DER STANDARD Printausgabe 13.02.2009)

 

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