"Hallo, hier spricht Hugo Chávez"

12. Februar 2009, 18:22
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Er tritt täglich im TV auf, schickt seine Beamten auf Wahlkampftour und ruft die Wähler sogar an: Der Präsident kämpft verbissen für ein "Ja" am Sonntag

Der Präsident ist in seinem Element. "Hallo, hier spricht Hugo Chávez, geht ihr am Sonntag auch zur Wahl?" , wollte er von Juan José Belmonte und seiner Frau Emma wissen. Das Ehepaar hielt den Telefonanruf - live im Staatsfernsehen übertragen - erst für einen Witz, dann entlockten sie dem Staatschef aber gleich das Versprechen eines neuen Hauses und einer Pension. Seit Wochen befindet sich Chávez im Wahlkampf.

"Wir müssen auch den letzten Wähler aufsuchen und überzeugen" , hat er die Parole ausgegeben. Nahezu täglich ist er im Fernsehen auf Sendung, einmal die Woche veröffentlicht er in verschiedenen Zeitungen einen Artikel Marke Eigenwerbung. Die Staatsangestellten haben frei, um im ganzen Land Hausbesuche abzustatten und Meetings zu organisieren.

Denn am Sonntag steht dem charismatischen Staatschef eine, wie er sagt, "entscheidende Schlacht" bevor: Dann sollen die Venezolaner darüber abstimmen, ob er unbegrenzt wiedergewählt werden darf - und Umfragen sagen ein Patt voraus. Per Referendum will Chávez damit die Verfassung ändern, die er 1999 hat ausarbeiten lassen. Ihr zufolge ist nur eine Wiederwahl möglich. Der Staatschef aber hat kein Hehl daraus gemacht, dass er am liebsten bis 2021 regieren möchte. "Ohne mich ist das Überleben der sozialistischen Revolution nicht garantiert" , sagt er.

So sieht das auch José González aus Caracas, deswegen ist er mit seinen Kommilitonen ins Stadtzentrum gekommen, um Chávez seine Unterstützung zu demonstrieren. "Nur Chávez kümmert sich um die Armen," sagt der 34-Jährige. Immer schon wollte er Medizin studieren, doch seine Eltern konnten ihm keine Privat-Uni zahlen, die Aufnahmeprüfung an die staatliche Uni schaffte er nicht.

Nun drückt er die Schulbank auf der bolivarischen Universität und bekommt ein Stipendium. Stolz hält er auf der Plaza Bolívar im Stadtzentrum von Caracas das Plakat mit dem weißen "Ja" auf rotem Grund in die Höhe. Aus überdimensionalen Lautsprechern beschallen Politgesänge im Salsarhythmus den Platz. Das Zentrum von Caracas ist fest in der Hand der "chavistas" , wie die Anhänger des Präsidenten genannt werden. Seit Wochen halten sie das Rathaus besetzt, das sie in der Kommunalwahl im November überraschend an die Opposition verloren haben.

Doch der neue Bürgermeister ist hier nicht willkommen. "Ledesma raus" steht auf den Mauern des Kolonialgebäudes. "Er hat 7000 der 9000 Angestellten entlassen, dagegen protestieren wir" , erklärt Yvone Mijaris, die mit ihrem roten T-Shirt klarmacht, zu welcher Seite sie gehört.

Warnung vor Totalitarismus

Bürgermeister Ledesma ist in ein anderes Gebäude umgezogen und spricht von "fiktiven Angestellten, die nur wegen ihrer Loyalität zum "chavismo" auf den Lohnrollen standen. "Er ist ein Despot" , echauffiert sich Mijaris. "Das Volk schreit nach einer Alternative zu Chávez" , ist auch der Studentenführer Yon Goicochea überzeugt. Er ist einer der Protagonisten der Opposition und hat sein Wahlkampfquartier im gutbürgerlichen Stadtteil Chacao. Hier überwiegen blaue Plakate für das "Nein" am Sonntag. "Die Wiederwahl in einem derart zentralistischen, militarisierten Regime würde bedeuten, dem Totalitarismus die Tür zu öffnen" , argumentiert der 24-Jährige.

2007 hat das Volk in einer Abstimmung die Möglichkeit einer Wiederwahl abgelehnt, und eigentlich verbietet die Verfassung ein zweites Referendum zum gleichen Thema. Doch das sind für Chávez juristische Spitzfindigkeiten. Im Gegensatz zu 2007 hat er diesmal die Wiederwahlmöglichkeit auch für Gouverneure und Bürgermeister zugelassen - und sich damit deren Unterstützung gesichert. (Sandra Weiss aus Caracas/ STANDARD,Printausgabe, 13.2.2009)

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    Eines ist sicher: Amtsmüde ist Staatspräsident Hugo Chávez nicht. Darum möchte er sich das Recht auf einen neuerlichen Antritt bei den Präsidentenwahlen sichern.

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