Madoff zahlte eine Art Gehalt für Sonja Kohn

12. Februar 2009, 18:18
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Madoff Investments überwies für die Medici-Bankerin Jahr für Jahr 87.792 Dollar an den US-Broker Cohmad. Sonja Kohn weist das zurück

Wien - Am Freitag findet in der Wiener Bank Medici wieder eine Aufsichtsratssitzung statt. Wie stets geht es um Vergangenheitsbewältigung der in die Causa Madoff involvierten Privatbank (hat über Fonds wie Herald oder Thema mehr als drei Milliarden Dollar an Bernard Madoff vermittelt; gehört zu fast 75 Prozent Sonja Kohn, die Sperrminorität hält die Bank Austria, BA) und um ihre Zukunft.

Thema Zukunft

Das Thema Zukunft wird rasch abgehandelt sein. Aufsichtsratspräsidentin Sonja Kohn (gegen die es nun auch in Österreich Anzeigen gibt) will die vom Fondsgeschäft lebende Bank weiterführen. In der BA (sie hat die Primeo Fonds vertrieben) will man das weniger, wartet aber noch den Business-Plan der neuen Medici-Chefs ab. Diskutiert wird auch, die Banklizenz zurückzulegen, die Depots werden ausgelagert. Angeblich führt Kohn aber auch Verkaufsgespräche mit ausländischen Interessenten.
Ausgiebiger wird wohl die Vergangenheit debattiert werden. Wie in einem Teil der Mittwoch-Ausgabe berichtet, sind in den USA Dokumente für Zahlungen von Madoffs Brokergesellschaft Cohmad (gehört der Familie Maurice Cohn; Madoff und sein Bruder Peter sind minderheitlich beteiligt; aus der Namenskombination erklärt sich der Name des Unternehmens) an Sonja (Sonya) Kohn aufgetaucht.
Cohmad wurde 1970 gegründet, ist einer der Feeder-Funds für Madoff und soll nun im Rahmen einer Anzeige des Staatssekretärs von Massachusetts, William Galvin, erfolgten Anzeige die Konzession verlieren. Laut dieser Anzeige sei Cohmad von Geschädigten als Vehikel genannt worden, über das sie bei Madoff investiert hätten.

Monatliche Zahlungen

Allein zwischen 2000 und 2008 hätte Madoff Investments über monatliche Zahlungen 67 Mio. Dollar an Cohmad überwiesen. Und, auf Seite 4 der Anzeige nachzulesen: "Die Zahlungen von Madoff Investments an Cohmad beinhalteten Zahlungen von rund 526.000 Dollar an Sonya Kohn, eine europäische Bankerin, die Kunden an Madoff Investments vermittelte" (siehe Faksimile). Kohn sei weder Angestellte noch sonst wie in der Gesellschaft registriert gewesen, "trotzdem wurden Madoffs Zahlungen an sie durch Cohmad geschleust und wurden vom Unternehmen als Teil seiner Einkünfte genannt" . Für welche Leistungen Madoff Geld (406.000 Euro in den vergangenen Jahren) über Cohmad an Kohn überwies, ist nicht überliefert. Kohn selbst hat sich dazu am Donnerstagabend gemeldet:"Ich habe das nicht bekommen, dieser Geldfluss an mich hat nicht stattgefunden."

Anaxo legt Lizenz zurück

In den EDV-Aufstellungen von Cohmad, in denen einzelnen Mitarbeitern neben dem von ihnen verwalteten Vermögen Zahlungen in verschiedener Höhe zugeordnet werden, wird Sonja Kohn (manchmal als "SK" ) jedenfalls handschriftlich geführt. Demnach wurden für sie jedes Jahr ganz unverändert und in vier Raten à 21.948 Dollar in Summe 87.792 Dollar überwiesen. Das wären heute 68.320 Euro.
Inzwischen hat der Madoff-Skandal auch Folgen für den Wiener Vermögensverwalter Anaxo. Die Gesellschaft, die Ex-Bank-Austria-Managern und einem ehemaligen Erste-Bank-Chef gehört, hat Gelder für den Alpha Fonds gesammelt - und nun die Lizenz als Wertpapierdienstleister zurückgelegt.(Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.2.2009)

 

  • Viermal pro Jahr überwies Madoff über Cohmad jeweils 21.984 Dollar (heute: 17.108 Euro) für Medici-Bankerin Sonja Kohn.

    Viermal pro Jahr überwies Madoff über Cohmad jeweils 21.984 Dollar (heute: 17.108 Euro) für Medici-Bankerin Sonja Kohn.

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