Wiens Kaffeehäuser leiden unter "Raucher-Krise"

12. Februar 2009, 18:44
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Tausende steirische Wirte wollen indessen - laut Befragung - das Gesetz wieder kippen

Es ist weniger die angespannte Weltwirtschaftslage als der neue Nichtraucherschutz, der Wiener Cafetiers zu schaffen macht.

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Wien/Graz - Es wird wieder einmal ein glanzvoller Abend sein, wenn Wiens Cafetiers heute, Freitag, das p.t. Ballpublikum zu ihrem 52. Kaffeesiederball in die Wiener Hofburg bitten. Volksopernsängerin Daniela Fally und die Wiener Sängerknaben werden mit Johann Strauß "Frühlingsstimmenwalzer" eröffnen, das Staatsopernballett wird tanzen. "L'ésprit francais" soll durch die Redoutensäle wehen, weil das Café "Les Deux Garcons" aus Aix en Provence, auf dem Ball zu Gast ist und niemand Geringerer als Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy (neben Bundespräsident Heinz Fischer) den Ehrenschutz übernommen hat. Kurz: An diesem Freitag feiert sich die Branche selbst.

Die Frage ist nur: Gibt es überhaupt etwas zu feiern oder fröstelt Wiens Sieder eher, wenn sie an ihre momentanen Umsätze denken? "Ballvater" Maximilian Platzer, Berufsgruppenobmann der Kaffeehäuser Österreichs in der Wirtschaftskammer und Besitzer des Café Weimar, ist selbst nicht ganz sicher, ob die Wirtschaftskrise bereits in den Kaffeehäusern angekommen ist. "Der Dezember war eigenartig" , sagt Platzer, "wir hatten noch nie so viele Leute im Kaffeehaus und noch nie so wenig Geld in der Kassa." Freilich geht es einigen in der Branche immer noch so gut, dass sie ans Expandieren denken. Etwa Berndt Querfeld, Inhaber von Café Landtmann, Café Residenz und Café Hofburg, will ein "Sommer-Café" im Schlosspark von Schönbrunn, beim Tiergarten, eröffnen. Mit dem "Krisengerede" mache sich die Branche nur selbst fertig, "der Jänner war nie ein besonders guter Monat".

2690 Kaffeehausbetriebe gibt es allein in Wien. Mehr als ein Drittel aller Kaffeehausbesucher geht zwei- bis dreimal pro Woche ins Stammcafé, 19 Prozent sind, laut einer Umfrage der Wiener Wirtschaftskammer, sogar täglich dort. Für 87 Prozent der Wien-Touristen ist ein Kaffeehausbesuch fix eingeplant. Jeder Österreicher konsumiert im Schnitt acht Kilo Kaffee im Jahr. Das entspricht 2,6 Tassen täglich. Kaffee ist nach Wasser das zweitbeliebteste Getränk, gefolgt von Bier (109 Liter/Kopf).

So meint denn auch "Florianihof" -Besitzer Markus Rühl, er glaube weniger an eine Wirtschafts- denn an eine "Raucherkrise". Rühl: "Wir mussten aufgrund unserer Größe in einen Raucher- und Nichtraucherbereich teilen." Während der Hauptraum des "Florianihof" nun Nichtraucherbereich ist, seien die rauchenden Stammgäste von der Aussicht, ins Hinterzimmer komplimentiert zu werden, weniger begeistert. "Es kommen weniger Leute, und die, die kommen, bleiben kürzer." Obmann Platzer assistiert: "Dieser Kompromiss ging voll in die Hose. Eine klare Regelung wäre besser gewesen." Viele Cafetiers klagten wegen der Einführung der Nichtraucherzonen über Umsatzeinbußen.

Dieses Problem hat das "Café Griensteidl" am Michaelerplatz in der Wiener City nicht: Dort hat man sich bereits im Dezember 2007 entschieden, aus dem gesamten Kaffeehaus eine Nichtraucherzone zu machen. Laut Geschäftsführerin Gabriele Haslauer habe sich das auch "voll ausgezahlt" - über Umsatzeinbußen könne man nicht klagen, ganz im Gegenteil.

7000 Wirte gegen Gesetz

Diese Wahlfreiheit, die das Griensteidl nützte, wollen Wirte im Allgemeinen wieder als Prinzip erhalten. Das ist der Sukkus der bisher größten Wirte-Befragung Österreichs zum Thema "Rauchen" . Die steirische Wirtschaftskammer befragte in den vergangenen Wochen alle rund 7000 Wirte des Bundeslandes, was sie vom Rauchergesetz halten. Ein kleiner Teil plädierte zwar sogar für ein totales Rauchverbot, die überwiegende Mehrheit wolle das Gesetz aber sofort wieder kippen, sagte Spartenobmann Gerhard Kienzl zum Standard. Kienzl: "Der Großteil verlangt wieder die Wahlfreiheit." Die Gastronomie wolle wieder zurück zum Zustand vor dem Gesetz. "Weil es nicht exekutierbar ist." (Petra Stuiber/Walter Müller, DER STANDARD - Printausgabe, 13. Februar 2009)

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    Der neue Nichtraucherschutz macht Wiens Kaffeehäusern zu schaffen.

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