Immer mehr Gentechnik am Acker

12. Februar 2009, 18:00

Das österreichische Anbauverbot für die beiden Maislinien MON810 und T25 steht im März auf dem Prüfstand

Nairobi - Weltweit bauten im vergangenen Jahr 13,3 Millionen Landwirte in 25 Ländern gentechnisch veränderte Pflanzen an. Die Anbaufläche betrug 125 Millionen Hektar, sie ist damit rund 3,5-mal so groß wie Deutschland. Diese Daten stellte der International Service for the Acquisition of Agri-Biotech Applications (ISAAA) am Mittwoch in Nairobi vor. Mit weitem Abstand führen demnach die USA, die auf 62,5 Millionen Hektar gentechnisch veränderte Pflanzen anbauen. Es folgen Argentinien (21 Millionen Hektar), Brasilien (15,8 Millionen Hektar) sowie Indien, Kanada und China. Deutschland belegt mit 50.000 Hektar den Listenplatz 22.
Bei den gentechnisch veränderten Pflanzen stehen Sojabohnen an erster Stelle gefolgt von Mais und Baumwolle. Im Jahr 2008 wurde weltweit erstmals eine Zuckerrübe angebaut, die gegen ein Unkrautvernichtungsmittel resistent ist und zwar in den USA und Kanada. Die veränderten Pflanzen finden immer größere Verbreitung.

Steigerung der Fläche

"2008 haben weitere 1,3 Millionen Landwirte gentechnisch veränderte Pflanzen auf zusätzlichen 10,7 Millionen Hektar ausgesät" , heißt es in dem ISAAA-Jahresreport - eine Steigerung der Fläche um 9,7 Prozent.
Umweltschutzorganisation wie Greenpeace üben schon des längeren scharfe Kritik am Vorhaben der EU-Kommission, das österreichische Anbauverbot für die beiden Maislinien MON810 und T25 aufzuheben. Bei einem Ministerrat am 2. März soll die Aufhebung der österreichischen Schutzklauseln beantragt werden, heißt es von Seiten Global2000. Österreich müsse sich im Fall der Fälle an den Obersten Gerichtshof wenden, heißt es dazu. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.2.2009)

 

Kommentar posten
25 Postings
Norbert Müller
 
01
13.2.2009, 15:20
wir wollens nicht, wir brauchen es nicht...und dennoch wird uns aufgezwungen es zu machen? Bei wem es immer noch nicht klingelt, dem ist nicht zu helfen.

Eine Staatengemeinschaft die so
funktioniert, dass man von oben etwas aufgezwungen bekommt, was mehrheitlich das volk u. die bauern nicht wollen, was die industrie und wirtschaft nicht benötigt und wodurch auch andere mitgliedstaaten keinen nachteil erfahren wenn man es unterlässt (die wollen es ja auch mehrheitlich nicht) und wobei die einzigen nutznieser ausländische grosskonzerne sind welche in eurpoa nichteinmal steuernzahlen,
kann ja niemand ernsthaft für gesund und richtig halten!!!
Leute, das ist eine Grundfrage, wollen wir so ein europa? Ein europa welches nicht zum vorteil der europäer sondern zum vorteil
von US-Konzerne arbeitet und die eigene bevölkerung in gefahr bringt, kann niemand wollen, oder?

diamant
00
13.2.2009, 16:02
Was ist aber wenn das meiste falsch ist was sie sagen?

Dann kann man so ein Europa sehr wohl 'wollen'!

Brücke
02
13.2.2009, 15:06

Der Einsatz von Gentechnik
hat eine Gesundheitsfrage ,
aber auch eine Sicherheitsfrage .
Die Sicherheitsfrage betrifft die zunehmende Abhängigkeit auch der Grundversorgung von Konzerninteressen .
Konzerne haben wie Banken andere Interessen als Volksgemeinschaften .
Die Nahrungsmittelgrundversorgung muß einem demokratisch legitimierten Souverän vorbehalten sein , d,h. der Staat hat die Unabhängigkeit von Konzern/Monopol-Interessen zu sichern

Enrico Furioso
01
13.2.2009, 11:47
da die EU die Gentechnik will

wird sich Ö. nicht mehr lange dagegen wehren können. Aber die Grünen haben dazu nicht viel zu sagen, sonst könnte ja jemand sagen, sie wären nicht für die EU, ohne wenn und aber.

NONE
00
13.2.2009, 13:15

Das ist aber ein Dilemma der Grünen, nicht der Thematik an sich. Warum muss das durch Parteien immer verwässert werden?

Enrico Furioso
00
13.2.2009, 15:48
was ist denn die Thematik an sich?

Ich muss bei einer solchen Formulierung immer an Kant denken.

lordderringe
19
13.2.2009, 11:28
es geht ja doch immer nur um die Profitgier

Zum Beispiel gibt es immer weniger Saatgut, das Pflanzen hervorbringt, die selbst wieder Saatgut für Pflanzen produzieren. D.h. einmal ernten und nächste Saison muss das Saatgut wieder gekauft werden.
Und wenn dann die Firmen pleite gehen, stehen die Bauern ohne Saatgut da. Die Folgen kann sich dann jeder selbst vorstellen.

Spekulant
00
13.2.2009, 21:57

Saatgut wird aber nicht von den Zuchanstalten vermehrt, die die Sorte gezüchtet haben, sondern von einer Vielzahl freier Bauern, die neben ihren Marktfrüchten auch mal Saatgut vermehren.

Daher juckt's auch niemanden, wenn der die Zuchtanstalt in Konkurs geht, weil's eben gar keine Auswirkung hat (außer für die Beschäftigten).

Die Wirklichkeit schaut halt anders aus, als der Sturm im pseudogrünen Wasserglas ;-))

aga brabbell
00
27.2.2009, 09:21
meine antwort kommt zwar wochen zu spät

trotzdem will ich sie schreiben:
gentechnisch verändertes saatgut wird von firmen wie monsanto erzeugt. die bauern sind verplichtet, alles saatgut auszusähen und keines für kommende jahre aufzuheben. von den pflanzen, die aus diesem saatgut wachsen, kann man kein saatgut gewinnen, ausserdem haben die bauern, um gentechnisch verändertes saatgut zu bekommen, einen mehrere jahre laufenden vertrag zu unterschreiben, in dem sie sich verplichten die kommenden jahre eben nur dieses saatgut zu kaufen und anzubauen. die frage ist wollen wir das wirklich? ich nicht.

Flosip
00
13.2.2009, 18:09

Deine Argumente sind gut, aber warum sollten die Firmen pleite gehen?

diamant
10
13.2.2009, 11:38
Nein, kann ich nicht!

Helfen sie mir nach!

Dr. B
05
13.2.2009, 10:28
Wozu die Gentechnik

Gleich im Voraus, ich bin kein strikter Gegner der Gentechnik.

Die Art der Anwendung beim Saatgut sehe ich aber sehr wohl als kritisch an aus mehreren Gruenden:

1) Patentrecht: Wenn Fremdbestaeubung zu einer Uebertragung des Erbgutes auf benachbarte Felder fuehrt, dann liegt die Beweislast auf dem "Patentbrecher".

2) Hybridpflanzen: Die Samen der Pflanzen koennen nicht erneut ausgesaet werden. Damit ist man vom Saatguthersteller abhaengig.

3) Pestizidresistenz: Die meisten Genpflanzen sind auf Pestizidresistenz getrimmt. Damit kann mehr Pestizid aufgebracht werden, ohne dass die Saatpflanze daran zu Grunde geht. Dies fuehrt zu vermehrter Umweltverschmutzung und zu einer Ausweitung von Monokulturen.

diamant
21
13.2.2009, 11:44
Hybridpflanzen gibts seit 50 Jahren!

Auch ganz ohne 'Gentechnik' sind die Pflanzen auf des Bauern Feldern nicht mehr fortpflanzungsfaehig.

Ganz im Gegenteil soll die Pestizit-Resistenz den Einsatz von Pestiziden REDUZIEREN, weil man die Gen-Saat und den Pestizideinsatz aufeinander abstimmen kann.

Was sie mit 'Monokultur' meinen verstehe ich sowieso nicht ganz.
Ich meine auf einem Erdaepfel- Acker stehen NUR Erdaepfel, auf einem Roggenfeld nur Roggen und in einem Weingarten nur Weinreben. Das sind perfekte MONOkulturen auch ganz ohne Gentechnik.....

Dr. B
01
13.2.2009, 12:35

1) Ich weisz nicht, woher Sie ihre Behauptung haben, dass die normalen Nutzpflanzen nicht fortpflanzungsfaehig sind.

2) Die Pestizide richten sich, nomen est omen, nach den Schaedlingen. Dementsprechend fuehrt eine Erhoehung der Resistenz der Stammpflanze nicht zu einem abgestimmten Pestizideinsatz. Stattdessen wird erhoehte Resistenz der Schaedlinge durch erhoehte Pestizidmengen bekaempft.

3) Großflaechiger Anbau einer Nutzpflanze fuehrt zu erhoehter Anfaelligkeit gegen Schaedlinge (groszes Nahrungsangebot). Dafuer bedarf es Pestizide und pestizidresistenter Pflanzen. Dementsprechend ist eine groszflaechige Monokultur (z.B. in den USA) die natuerliche Entwicklung im Vergleich zu kleinflaechigem Anbau in Oesterreich.

Laín Coubert
02
13.2.2009, 15:09
Eine Katastrophe #2

Es ist einfach schrecklich, wie kapitalhungrige Großkonzerne (Monsanto etc.) und finanzgetriebene Wissenschaftler hier mit einer RIIIEEEEESEN Naivität glauben, man könne in so einem komplexen System wie dem Ökosystem eine Stellschaube verdrehen, ohne Auswirkungen zu erwarten. s. Butterfly Effekt!

Um unsere Nahrungsversorgung und damit unser Überleben nicht von solchen Idioten und lebensverachtenden Profitjägern abhängig zu machen müssen wir umso mehr biologisch-dynamische Erzeuger/ Bauern unterstützen und Lebensmittel aus kontrolliert biologischem, regionalem Anbau kaufen!!

Wir geben sonst unsere Freiheit, ja überhaupt unsere Souveränität als Lebewesen ab!

Spekulant
10
13.2.2009, 22:56

Dem Ökosystem ist es ziemlich egal, wie die Neukombination von Genen von statten geht.

Aber das Ökosystem wird durch leicht abbaubare Totalherbizide verhältnismäßig wenig belastet und freut sich darüber sehr.

Laín Coubert
00
13.2.2009, 15:01
Eine Katastrophe #1

Hinzu kommt noch eine der am meisten übersehenen Auswirkungen, die längerfristig fatale Folgen fürs Ökosystem hat.

4.) Aus dem veränderten Genom entstehen logischerweise auch andere, neue Genprodukte, sprich großteils Proteine, die völlig unbekannte Auswirkungen auf sie nachfolgende Nahrungskette haben!

Gifte können so über die vielfältigen Wege des Ökosystems auch in die menschliche Nahrung gelangen.

z.b. werden in Deutschland Bienen von einer Genmaissorte krank, der Honig wird verunreinigt und mit toxischen Verbindungen angereichert.

... in den USA gibts Fälle, bei denen Rinder unfruchtbar werden, durch Genmaisfütterung.

Auch gibt es Studien, die belegen, daß die menschliche Fruchtbarkeit durch GVO-Nahrung abnimmt.

diamant
00
13.2.2009, 14:39

1) das trifft ja nicht auf alle Nutzpflanzen zu!
Trotzdem, Bauern kaufen sich jedes Jahr neues Saatgut, sie pflanzen nicht das an was sie im letzten Jahr nicht verkauft haben.
2) Wenn durch Gentechnik Schaedlinge vorerst vollstaendig ausgeschaltet werden, dann eruebrigt sich jedweder andere Chemieangriff!
Das der 'Kampf' gegen Schaedlinge niemals entgueltig gewonnen werden kann liegt ja sowieso auf der Hand. Mit oder ohne Gentechnik.
3) Wo liegt der Zusammenhang zwischen Gentechnik und der Bewirtschaftungsmethode? Ich sehe keinen!

Orjares
07
12.2.2009, 22:43
Interessant wäre es, die Hersteller zu kennen

Meines Wissens nach hat Monsanto ein de-facto-Monopol.

Man überlege sich - 3,5-mal die Fläche Deutschlands und Nahrungsversorgung im Besitz eines Konzerns. Das sollte schonmal Sorgen auslösen.

Spekulant
81
12.2.2009, 23:04

Gönnen Sie doch einfach den Landwirten, daß sie selbst entscheiden können, welche Sorte sie anbauen.
Die neuen Sorten haben eben ihre Vorteile. Und das wissen die Bauen eben zu schätzen.

Regis 1
00
13.2.2009, 15:31
Gönnen Sie doch einfach den Landwirten, daß sie selbst entscheiden können ....

rofl

Werner FROELICH
03
13.2.2009, 11:02
welcher Landwirt entscheidet frei?

Er bekommt Kredit bei der Pferderl-Bank
aber nur wenn die Genossenschaft ja sagt!
sonst ist er weg vom Fenster und vom Markt.

fprands
03
13.2.2009, 01:53
Sehe ich auch so

ABER nur solange der Landwirt seine Insekten und Vögel im Griff hat und auf Pollenflug verzichtet.

Andernfalls wäre es unfair seinen ökologisch witschaftenden Nachbarn gegenüber.

Orjares
06
12.2.2009, 23:11
Mein Problem sind Patente und Verbot der Weiterverwendung der Samen

Dritte-Welt-Länder begaben sich in eine Abhängigkeit Monsantos: zunächst wird Getreidegut von Monsanto gekauft. Zwar höhere Erträge, allerdings dürfen die Samen nicht weiter verwendet werden. Nachdem sie kaum mehr "freie" Samen haben, müssen sie weiter bei Monsanto kaufen und können sich nicht mehr aus diesem Kreislauf befreien. Knechtschaft. Da passt schon die sogenannte westliche Wertegemeinschaft auf, dass sich da nichts ändert.

Das Patentrecht ist eine heilige Kuh. Und solange das Terminatorgen noch rumspukt ist Gentechnik gefährlich. Man überlege sich, das Terminatorgen zusammen mit einem Zusammenbruch der Erdölversorgung - eine Anbaufläche 3,5x Deutschland fällt aus.

Jetzt gibt es kein solches Gen, allerdings gibts die Salamitaktik.

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