Martinz: "Haider würde sich im Grab umdrehen"

12. Februar 2009, 18:00
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VP-Chef Josef Martinz kann sich nach der Kärntner Landtagswahl eine Koalition mit BZÖ und FPÖ vorstellen

STANDARD: Die Kärntner Volkspartei will im Kärntner Wahlkampf als Wirtschaftspartei punkten. Sie kommt damit bisher aber kaum vom Fleck.

Martinz: Die ÖVP wirtschaftet einfach besser und nachhaltiger. BZÖ und SPÖ haben in Kärnten eine katastrophale Schuldenpolitik gemacht. Im Kärntner Landeshaushalt steht es fünf nach zwölf. Wir stehen vor riesigen Herausforderungen bei der Gemeinde- und bei der Spitalsfinanzierung. Letztere läuft komplett aus dem Ruder. Hätten wir nicht Geld aus dem Hypoverkauf im Zukunftsfonds, man würde 2009 kein Budget mehr zusammenbringen.

STANDARD: Nach dem Platzen der orange-roten Koalition gab es das freie Spiel der Kräfte im Landtag, bei dem sich die ÖVP an den Meistbietenden, nämlich an das BZÖ, verkauft hat. Was soll nach der Wahl anders werden?

Martinz: Wir wollen eine solide Koalition auf die Beine stellen, die während der nächsten zehn Jahre einen Sanierungskurs durchzieht.

STANDARD: Die ÖVP hätte nach dem Tod Jörg Haiders die Möglichkeit gehabt, einen SPÖ-Landeshauptmann zu wählen und selbst das Finanzressort zu übernehmen?

Martinz: Drei Monate vor der Wahl wäre nichts wirklich umsetzbar gewesen. Wir haben uns daher entschieden, die Periode mit einem BZÖ-Landeshauptmann auslaufen zu lassen. Ab dem 2. März ist alles offen. Wenn die ÖVP stärkster Wahlgewinner wird, fordern wir das Finanzressort.

STANDARD: Würde die ÖVP Witze-Erzähler Gerhard Dörfler wieder zum Landeshauptmann wählen?

Martinz: Wenn Dörfler verliert, wird es ihn nicht mehr geben. Ebenso, wenn es der SP-Kandidat Reinhart Rohr nicht schafft, Erster zu werden. Deshalb mache ich mir über Personen derzeit keine Gedanken.

STANDARD: Soll die stärkste Partei den Landeshauptmann stellen ?

Martinz: Absolut nicht. In einer Demokratie sind alle möglichen Varianten zulässig.

STANDARD: Wenn die blaue FPÖ dazugewinnt, könnte es auch eine Dreierkoalition geben. Wäre eine solche Rechtskoalition mit der ÖVP nach Ihrem Geschmack?

Martinz: Selbstverständlich könnte es auch dazu kommen, wenn man sich auf ein gemeinsames Programm einigt. Ich glaube aber, dass sich eine Zweierkoalition ausgeht.

STANDARD: Die ÖVP versucht rechts zu überholen. Rechts herrscht in Kärnten aber bereits heftiges Gedränge.

Martinz: Die ÖVP ist Mitte rechts. Auch die Sozialisten und Freiheitlichen sind sich sehr nahe, 2004 reichte ein bisserl Chianti und schon lagen sie im Koalitionsbett.

STANDARD: Die ÖVP hat bei den Landtagswahlen 2004 fast die Hälfte ihrer Stimmen verloren und sackte auf elf Prozent ab. Die meisten wanderten zu Jörg Haider. Wie wollen Sie die zurückgewinnen?

Martinz: Es war ja nicht alles schlecht, was wir mit Haider gemeinsam umgesetzt haben. Ich habe Haider oft gesagt, du bist ein glänzender Selbstdarsteller und Verkäufer, aber du kannst nicht rechnen. Ich möchte diesen Wählern sagen, kommt zurück, wir können es besser.

STANDARD: Um den verstorbenen Landeshauptmann Haider herrscht ein posthumer Personenkult, wie sonst nur unter diktatorischen Regimen.

Martinz: Es ist teilweise abstoßend, was da passiert. Wenn Haider nicht schon zu Staub verbrannt worden wäre, ich glaube, er würde sich im Grab umdrehen. (Elisabeth Steiner/DER STANDARD-Printausgabe, 13. Feber 2009)

Zur Person

Josef Martinz (50) ist Spitzenkandidat der ÖVP bei den Kärntner Landtagswahlen. Der Unternehmer ist seit 2004 Obmann der Kärntner Volkspartei.

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    Josef Martinz findet den Personenkult um Jörg Haider abstoßend.

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