Maradona gefeiert, Gratis-Lektion von Spanien

12. Februar 2009, 18:02
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Euphorie in Südamerika nach 2:0 gegen Frankreich: "Diese Leistung motiviert sogar Sterbende" - Eng­land mit Europameister nicht auf Augenhöhe

Marseille/Sevilla - Argentinien liegt Diego Maradona erneut zu Füßen. Auch im zweiten Spiel unter "El Diez" feierten die Südamerikaner mit einem 2:0 gegen Frankreich einen vollen Erfolg und wussten nach dem Sieg in Schottland auch im ersten Vergleich mit einer Fußball-Großmacht zu gefallen. Am Ende animierte Maradona in Marseille sogar die Zuschauer der Heimelf zu anerkennendem Beifall und "Ole"-Rufen. In Buenos Aires fielen Fans und Medien in Ekstase. "Diese Leistung motiviert sogar Sterbende", jubelte die Sportzeitung "Ole".

Tricolore vorgeführt

"Dieguito" selbst nahm wie üblich kein Blatt vor den Mund. "Wir haben die Franzosen zum Teil lächerlich gemacht", wurde Maradona zitiert. Die Vorstellung der "Albiceleste", die durch Tore von Jonas Gutierrez (41.) und Weltstar Lionel Messi (83.) völlig verdient gewann, wurde auch von den französischen Medien in höchsten Tönen gelobt. Weniger stolz durfte nach dem "traurigen Tango" ("Le Figaro") Raymond Domenech sein. Die Franzosen fordern den Kopf des ungeliebten Teamchefs inzwischen so laut wie nie zuvor.

Bei den Argentiniern setzten sich nicht nur die Offensivkünstler Messi und Sergio Aguero in Szene, auch das Mittelfeld mit Fernando Gago und Kapitän Javier Mascherano sowie die Abwehr um Martin Demichelis trugen zur kompakten Mannschaftsleistung bei. "Wir holen uns den Respekt zurück", sagte Liverpool-Profi Mascherano. Barca-Star Messi, der erstmals unter Maradona auflief, widmete den Sieg seiner Mutter und sagte: "Wir haben gegen einen großen Gegner Tolles vollbracht."

Der einstige "Goldjunge" lobte seine Schützlinge in den höchsten Tönen. "Als Coach muss ich sie motivieren, das Beste zu geben. Man darf nicht vergessen, dass es immer an den Spielern liegt. Sie sind diejenigen, welche die Spiele gewinnen", meinte Maradona, auf den im kommenden Monat in der südamerikanischen WM-Qualifikation gegen Venezuela das erste Bewerbsspiel in seiner Ära wartet.

Pfiffe für Domenech

Domenech musste im Stade Velodrome hingegen erneut unüberhörbare Pfiffe über sich ergehen lassen. "Die Spieler wissen, dass nur die WM-Qualifikation wichtig ist. Unser Team hat eine brillante Zukunft vor sich", beteuerte der 57-Jährige, dessen Verbleib als Teamchef wohl von den anstehenden WM-Quali-Spielen gegen Litauen abhängig sein wird. Die "Bleus" reisen in der Österreich-Gruppe 7 am 28. März nach Kaunas, vier Tage später empfangen sie die Balten in Paris. Frankreich liegt zurzeit fünf Punkte hinter Serbien und Litauen unmittelbar vor Österreich auf dem dritten Tabellenrang.

Eine europameisterliche Vorstellung lieferte Spanien. Die Iberer wiesen eine chancenlose englische Elf mit einem 2:0 in Sevilla in die Schranken, EM-Torschützenkönig David Villa (36.) und Fernando Llorente (82.) trafen bei der souveränen Vorstellung. England, das erstmals unter Fabio Capello verlor, musste am Ende noch zufrieden sein. "Es ist wichtig zu wissen, wo wir stehen und was wir tun müssen, um besser zu werden", bemühte sich Capello, die positiven Aspekte hervorzustreichen.

Capello lobt Spanien

Dass die im Rennen um die WM-Teilnahme aussichtsreich platzierten Briten derzeit nicht auf Augenhöhe mit dem seit 29 Partien ungeschlagenen FIFA-Weltranglistenersten und Europameister sind, blieb dem Italiener freilich nicht verborgen. "Wenn sie in Ballbesitz sind warten sie ab und bestrafen dich, sobald du einen Fehler machst", erklärte Capello, der nicht an Lob für die Seleccion unter Vicente del Bosque sparte: "Ohne Zweifel sind sie eines jener Teams, das die Weltmeisterschaft gewinnen kann."

Einziger Lichtblick aus englischer Sicht war der 108. Teameinsatz von David Beckham, der damit die von Bobby Moore, dem Kapitän der siegreichen WM-Elf von 1966, gehaltene Rekordmarke für Feldspieler einstellte. "Ich habe immer gesagt, dass ich mich geehrte fühle, mit Sir Bobby Charlton oder Bobby Moore in einer Reihe zu stehen", meinte der nach seiner Einwechslung zur Pause von den spanischen Fans nicht gerade herzlich empfangene 33-Jährige. Nach dem Testspiel gegen die Slowakei am 28. März im Wembley-Stadion sollte Beckham alleiniger Rekordhalter sein.

Weitaus nüchterner sah Englands Presse die Niederlage als Weckruf. "Die Spanier nahmen den Glanz von Beckhams Rekord und unterstrichen, wie weit Capello noch gehen muss, um es mit den Besten der Welt aufzunehmen", urteilte der "Daily Telegraph", und der "Guardian" stellte trocken fest: "Nur die England-Fans, denen es vor einer David-Beckham-Gala grauste, werden zufrieden sein." Weitaus euphorischer blieben die spanischen Gazetten. "Diese Lektion war gratis, Capello", schrieb die "As" und die "Marca" titelte ganz und gar nicht unbescheiden: "Das Brasilien Europas." (APA/Reuters/AFP/dpa)

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    Maradona konnte seinem Team in Marseille applaudieren.

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