Naturschutz gegen Klimaschutz

12. Februar 2009, 17:41
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Debatte um Kraftwerke im Salzachtal, Solar- und Windkraft ebenfalls umstritten

Salzburg - Fünf Laufkraftwerke hat der Verbund an der Salzach im Salzburger Pongau seit 1982 errichtet - ein sechstes, das bei der Ortschaft Stegenwald entstehen soll, sorgt für heftige Diskussionen. Während SPÖ und ÖVP für den Bau eintreten und darin einen Beitrag zum Klimaschutz sehen, wollen die Grünen und die Landesumweltanwaltschaft das Projekt verhindern: Sie sehen darin eine Gefahr für die Flusslandschaft.

Die rot-schwarze Landesregierung argumentiert mit dem Klimaschutz: Mehr als 40.000 Tonnen Kohlendioxid könnten durch das neue Kraftwerk jährlich eingespart werden, sagt Umweltlandesrat Walter Blachfellner (SPÖ). Das Projekt sichere außerdem an die 300 Arbeitsplätze.

Der Abschnitt zwischen Werfen und Golling sei der einzige "halbwegs naturnahe" im ganzen Flussverlauf, sagt dagegen Landesumweltanwalt Wolfgang Wiener. "Das ist der einzige Abschnitt, wo man immer gesagt hat, dort kann kein Kraftwerk hinkommen." Wiener hat deshalb bei der Bezirkshauptmannschaft um eine "rasche Ausweisung als geschützter Landschaftsteil oder Naturdenkmal" ersucht. Die Grünen unterstützen ihn dabei.

Anders gelagert sind die Konfliktlinien bei Solar- und Windkraftprojekten. So versuchte die Umweltanwaltschaft im Dezember gegen ein geplantes Solarkraftwerk auf den Almen des Wildkogels im Pinzgau in 2200 Meter Seehöhe mobil zu machen - ohne Erfolg. Begründung: Die Landschaft werde zerstört. Gegen die Sonnenkollektoren, die auf einer Fläche so groß wie vier Fußballfelder aufgestellt werden sollen, hat die Umweltanwaltschaft aber keine Einspruchsmöglichkeit: "Solaranlagen sind im Naturschutzrecht nicht vorgesehen" , bedauert Wiener.

Gegen Windräder

Politisch gibt es für das Vorhaben breite Unterstützung. Grünen-Chef Cyriak Schwaighofer hofft eigenen Angaben zufolge, "dass man die Anlage gut sieht. Das wäre dann ein Zeichen, dass Salzburg die Zukunft der erneuerbaren Energien nicht völlig verschläft." Auch bei den seit Jahren diskutierten Windkraftprojekten im Flachgau und Lungau sind Schwaighofer und Wiener einander nicht grün: Während der Grünen-Chef nicht müde wird zu beklagen, dass sich im ganzen Bundesland noch kein Windrad drehe, war Wiener vor einem Jahr selbst daran beteiligt, das Projekt auf dem Flachgauer Lehmberg im Namen des Landschaftsschutzes zu Fall zu bringen. (Markus Peherstorfer, DER STANDARD - Printausgabe, 13. Februar 2009)

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