"Oberflächlich betrachtet muss man für Microsoft-Produkte mehr bezahlen"

12. Februar 2009, 18:57
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Petra Jenner schmerzt, dass ihr neues Unternehmen oft sehr einseitig wahrgenommen wird

Standard: Hat es bei Ihrer Bestellung zur Geschäftsführerin von Microsoft Österreich eine Rolle gespielt, dass Sie eine Frau sind?

Jenner: Nicht dass ich wüsste. Zwar gibt es bei Microsoft eine Diversity-Initiative, bei der Frauen gute Chancen bei gleicher oder besserer Qualifikation haben, wenn jemand eine gute Leistung bringt, ist das Geschlecht jedoch unwichtig. Wer bereit ist, den Preis dafür zu zahlen, wird auch dorthin kommen, wohin er will.

Standard: Was reizt Sie an der Aufgabe?

Jenner: Microsoft hat ein sehr großes Produktportfolio. Allein das ist eine Herausforderung. Ich habe das Unternehmen immer schon beäugt, weil mir die Philosophie im Umgang mit den Mitarbeitern, Kunden und Partnern gefällt.

Standard: Sie kommen aus Deutschland. Wie sieht es mit Ihren österreichischen Marktkenntnissen aus?

Jenner: Als Geschäftsführerin von Check Point Software war ich viel in Österreich unterwegs. Ich kenne das IT-Security-Umfeld hier sehr gut, viele der großen Kunden Microsofts und die Besonderheiten des Marktes. Österreich verfügt über eine gute Wirtschaftskraft. Das Land fährt vielleicht nicht im Highspeed-Fünfgang, dafür im stabileren vierten Gang und hat eine hohe Innovationskraft.

Standard: Im Internet habe ich ein Interview mit Ihnen gefunden, in dem es darum ging, mit weniger Budget und Personal mehr zu erreichen. Wird das von Ihnen erwartet?

Jenner: Bei dem Interview ging es um ein Marketingaktivierungstool. Und das ist gerade in der heutigen Zeit das Thema: mithilfe der IT die Produktivität eines Unternehmens zu steigern. Microsoft hat dazu erst vor kurzem die Plattform „Unruhige Zeiten - geradliniger Kurs" online gestellt. Kosten zu sparen heißt, davon abgesehen, aber nicht automatisch Personal zu sparen.

Standard: Microsoft tut es soeben dennoch. 5000 Mitarbeiter sollen abgebaut werden.

Jenner: Was Österreich anbelangt, kann ich sagen, dass es nicht unmittelbar davon betroffen ist. Natürlich habe ich keine Glaskugel, mit der sich die Zukunft voraus sagen lässt. Aber wir haben im vergangenen Jahr gute Geschäfte hier gemacht.

Standard: Wie wollen Sie weiterhin gute Geschäfte machen, wenn krisenbedingt viele Unternehmen auf die Ausgabenbremse drücken?

Jenner: Sicher wird jetzt in vielen IT-Budgets der Rotstift angesetzt. Deshalb müssen wir uns noch mehr anstrengen, gemeinsam mit unseren Partnern, unseren Kunden Möglichkeiten aufzuzeigen, wie sich Investitionen optimieren lassen bzw. sich IT-Betriebskosten reduzieren lassen.

Standard: Wie lassen sich denn sinnvoll Kosten einsparen?

Jenner: Zum Beispiel durch Virtualisierung.

Standard: Das verstehen Techniker, nicht aber die Entscheider.

Jenner: Vereinfacht ausgedrückt: Virtualisierung ermöglicht, dass man nur noch einen Bruchteil an Servern braucht, um Geschäftsprozesse abzubilden. Noch simpler: Aus zehn mach eins.

Standard: Microsoft hat ein sehr auf Desktops und Server orientiertes Portfolio. Der Trend geht aber zu Anwendungen im Internet. Stichwort Cloud-Computing.

Jenner: Selbst unsere Marktbegleiter haben erkannt, dass „Cloud only" Grenzen hat und sind zu Software plus Services übergegangen. Sowohl im Unternehmenskontext als auch im Bereich für Privatanwender bieten wir etwa mit Windows Live längst Ähnliches.

Standard: Die Alternativen zu Microsoft sind dennoch vielseitig. Ich denke zum Beispiel an das Betriebssystem Linux.

Jenner: Linux ist sicher technologisch ein Mitbewerb, aber per se kein Unternehmen. In der oberflächlichen Betrachtung muss der Kunde für Microsoft-Produkte mehr bezahlen. Wer genau hinschaut, stellt jedoch fest, dass nur ein geringer Teil der Softwarekosten auf Microsoft-Lizenzen entfallen. Man muss schon genau anschauen, was die alternativen Produkte noch an nachgelagerten Leistungen wie Beratung benötigen. Dann erkennt man die Schieflage.

Standard: Wie geht es Ihnen damit, dass Microsoft ein Unternehmen mit monopolistischen Zügen ist?

Jenner: Ich persönlich habe Microsoft nie als Monopol wahrgenommen. Microsoft hat viele Seiten. Ich finde es fast schmerzlich, dass eine davon, nämlich die soziale, viel zu wenig wahrgenommen wird. Trotz Krise werden wir auch hier in Österreich unser soziales Engagement im Bereich der Ausbildung, für Menschen mit Behinderung etc. auf dem gleichen Niveau fortsetzen. Dafür werde ich mich persönlich starkmachen.  (Das Gespräch führte Karin Tzschentke, DER STANDARD Printausgabe, 13. 2. 2009)

  • Petra Jenner (44) ist seit 1. Februar Chefin von 340 Mitarbeitern der
heimischen Microsoft-Niederlassung. Die Betriebswirtin und
Wirtschaftsinformatikern war zuletzt DACH-Geschäftsführerin bei Check
Point Software.

    Petra Jenner (44) ist seit 1. Februar Chefin von 340 Mitarbeitern der heimischen Microsoft-Niederlassung. Die Betriebswirtin und Wirtschaftsinformatikern war zuletzt DACH-Geschäftsführerin bei Check Point Software.

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