"Zweifel an Freundschaft zum Judentum ausgeräumt"

12. Februar 2009, 17:33
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Jüdische Gemeinde-Vertreter begrüßten Benedikts Shoah-Verurteilung - Auch Israel-Besuch des Papstes willkommen geheißen

Rom/Tel Aviv/Wien - Vertreter der jüdischen Gemeinde haben die deutliche Zurückweisung jeder Leugnung des Holocausts durch Papst Benedikt XVI. am Donnerstag begrüßt. Die Leiter der "Conference of Major American Jewish Organizations" sprachen nach dem Treffen mit dem Papst im Vatikan laut Kathpress von einem "historischen Tag". Man sehe jegliche Zweifel an der Freundschaft von Benedikt XVI. zum Judentum ausgeräumt. Auch die israelische Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem begrüßte laut dpa die Worte des Papstes.

Benedikt XVI. habe "seine persönliche Abscheu gegenüber jeder Leugnung des Holocaust klargemacht", erklärte der Präsident des Dachverbands der jüdischen US-Organisationen, Alan Solow. Die Absage des Papstes an Judenhass und sein Bekenntnis zu den Dialogaussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-65) ebneten den Weg für Versöhnung.

Gestärkte katholisch-jüdischen Beziehungen

Zur Williamson-Affäre sagte Solow, der Papst habe "die Gelegenheit genutzt, seine persönliche Haltung sehr deutlich zu machen". Vizepräsident Malcolm Hoenlein unterstrich, die katholisch-jüdischen Beziehungen könnten aus dem Zwischenfall noch gestärkt hervorgehen. Williamson spiele im Übrigen keine Hauptrolle. Entscheidend sei das grundsätzliche Eintreten der katholischen Kirche gegen jeden Antisemitismus, wie es Benedikt XVI. bekräftigt habe, unterstrich Hoenlein.

Der New Yorker Rabbiner und Holocaust-Überlebende Arthur Schneier, ein gebürtiger Wiener, lobte Benedikt XVI. für sein "klares Bekenntnis" zum Konzilsdokument "Nostra aetate", das eine Leitlinie für interreligiösen Dialog und Religionsfreiheit als Menschenrecht darstelle. Die katholisch-jüdischen Beziehungen seien weiter auf einem guten Weg.

"Der Dialog zwischen Juden und Katholiken kann jetzt in gegenseitigem Respekt fortgesetzt werden", sagte der Vizepräsident der Vereinigung der amerikanischen Holocaustüberlebenden und deren Angehöriger, Elan Steinberg, laut AP. Der Generaldirektor des israelischen Großrabbinats, Oded Weiner, sagte, der zwischenzeitlich ausgesetzte institutionelle Dialog mit dem Vatikan werde im März wieder aufgenommen. "Wir hatten nie ein Problem mit dem Papst, sondern mit dem Bischof, der den Holocaust herabgesetzt hat", sagte Weiner.

Yad Vashem begrüßt päpstliche Aussagen

Auch die israelische Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem begrüßte laut dpa die Worte des Papstes. Yad Vashem messe der unmissverständlichen Erklärung, die das Leugnen des Holocausts und sowie anderer Versuche, dessen Ausmaß herunterzuspielen, verurteilt, große Bedeutung bei, hießt es in einer am Donnerstag verbreiteten Erklärung. "Die klare öffentliche Verurteilung der Kirche von allen Formen von Antisemitismus" werde begrüßt.

Zugleich wird die Hoffnung ausgedrückt, dass der Papst bei einem Besuch der Gedenkstätte während seiner für Mai geplanten Reise ins Heilige Land seine klare Haltung zum Holocaust bekräftigt. Ende Jänner hatte sich Yad Vashem über die Aufhebung der Exkommunikation des erzkonservativen Bischofs und Holocaust-Leugners Richard Williamson durch den Papst empört.

"Bedeutender Besuch in Israel"

Im Blick auf die am Donnerstag offiziell angekündigte Reise des Papstes ins Heilige Land sprach Solow von einem "bedeutenden Besuch für die katholische Kirche und das jüdische Volk". Benedikts Reise nach Israel wäre der zweite offizielle Besuch eines Papstes der Neuzeit im Heiligen Land. Details zu den Reiseplänen Benedikts wurden zunächst noch nicht bekanntgegeben. Im Jahr 2000 war Benedikts Vorgänger, Papst Johannes Paul II., nach Israel gereist. Der Pole galt als Wegbereiter der offiziellen Aussöhnung der katholischen Kirche mit den Juden. (APA)

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    Die Vertreter der "Conference of Major American Jewish Organizations" sprachen nach dem Treffen mit dem Papst im Vatikan  von einem "historischen Tag".

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