Fischerei verändert Fischentwicklung

12. Februar 2009, 16:53
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Nordatlantik-Dorsche werden früher geschlechtsreif und bleiben klein

Wien - Durch die Überfischung werden nicht nur die absoluten Zahlen einzelner Arten teils dramatisch dezimiert. Die Fischerei löst nachweislich auch "unnatürliche Evolutionsvorgänge" bei Fischen aus - darauf hat der Ökosystemforscher Ulf Dieckmann vom Internationalen Institut für angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg (NÖ) anlässlich des Darwin-Jahres erneut hingewiesen.

Genauso wie die Natur die Arten verändert hat und bis heute verändert, macht das auch der Mensch durch Eingriffe in die Natur. Im Fall der Fischerei führt das etwa dazu, dass Nordatlantik-Dorsche immer früher geschlechtsreif werden. Durch die massive Befischung sinkt die Wahrscheinlichkeit für die Tiere, alt zu werden. Damit setzen sich jene zufälligen genetischen Varianten durch, die besonders früh geschlechtsreif werden und jung Nachwuchs bekommen.

Damit verbundene Probleme

"Vor 40 Jahren erreichte der Nordatlantische Dorsch - einer der wichtigsten europäischen Fischbestände - die Geschlechtsreife mit einem Alter von neun bis zehn Jahren, heute wird der Fisch mit sechs bis sieben Jahren geschlechtsreif", so Dieckmann. Das Problem dabei ist, dass die Tiere in diesem Alter nur etwa das halbe Gewicht haben und dementsprechend weniger Eier legen, durchschnittlich weniger als die Hälfte.

Die Entwicklung bedeutet aber auch, dass die Fische in einem vergleichsweise frühen Lebensstadium viel Energie in eine ineffiziente Fortpflanzung pumpen müssen. Das macht sie anfälliger gegen Umweltveränderungen und verzögert für die Bestände auch Erholungsphasen nach der Übernutzung.

Kabeljau

Das Problem des menschlichen Eingriffs hatte ein Forschungsteam (u.a. mit Dieckmann) im November 2007 im Journal "Science" am Beispiel des Kabeljaus erläutert: "Ein halb so großes Weibchen produziert nur ein Achtel der Zahl an Eiern", so Dieckmann. Die Fischerei schädigt sich durch die Überfischung damit mittel- und langfristig selbst. Denn durch diese Veränderungen ist mit einem noch viel stärkeren Rückgang der Bestände zu rechnen - und zwar auf lange Sicht: Die innerhalb von wenigen Jahrzehnten herbeigeführten Veränderungen lassen sich nämlich nicht ebenso rasch rückgängig machen. (APA/red)

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