Bei Fonds winken wieder Gewinne

12. Februar 2009, 16:14
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Mit Aktien und Anleihen aus Asien und Lateinamerika konnte man zuletzt verdienen - die Märkte bleiben aber riskant

Der Schatten der Finanzkrise liegt auch über dem neuen Investorenjahr. Im Jänner haben sich zwar einige Märkte, etwa für zahlreiche Aktien aus Schwellenländern, entspannt, aber von einer Erholung auf breiter Front ist noch wenig zu spüren. Über alle Anlagekategorien hinweg konnten Fondsinvestoren im Jänner knapp 2,9 Prozent verdienen. Seit dem zweiten Halbjahr 2008 haben sie aber trotzdem 11,6 Prozent verloren.

Im ersten Monat des neuen Investorenjahres 2009 konnten Anleger etwa vom Tauwetter an den bislang eingefrorenen Märkten für hochriskante Unternehmensanleihen profitieren. Fonds, die in High- Yield-Anleihen - sogenannten Schrottanleihen - investierten, brachten ihren Anlegern immerhin 13 Prozent Rendite ein.

Asien und Lateinamerika top

Doch abseits der Industrieländer zeichnete sich im Jänner ebenfalls ein gehöriger Aufwärtstrend ab. Bis auf Osteuropa konnten alle Schwellenländer-Fonds, insbesondere mit Fokus auf Asien und Lateinamerika, hohe Renditen erwirtschaften - und das unabhängig davon, ob in Anleihen oder Aktien investiert wurde. So führt Lateinamerika die Schwellenländer gemessen an der Rendite an (siehe Tabelle). Mit Anleihenfonds konnten Anleger im Durchschnitt 11,9 Prozent verdienen. Aktienfonds mit einem Fokus auf Brasilien erzielten 11,7 Prozent.

Zahlreiche asiatische Kapitalmärkte erlebten eine ähnliche Erholung. So brachten China-Aktienfonds 7,0 Prozent, chinesische Anleihenfonds 7,6 Prozent. Auch mit breiter gestreuten Asien-Aktienfonds waren positive Erträge möglich, nämlich knapp 3,5 Prozent.

Im Jänner konnten sich damit einige Anlageklassen von der Finanzkrise emanzipieren, doch jene Sektoren und Länder, die am Epizentrum der Krise liegen, wurden im Jänner erneut von einem Nachbeben erwischt.

Am schlimmsten hat es dabei Deutschland-Aktienfonds getroffen. Sie haben einen Verlust von 8,6 Prozent verzeichnet. Der deutsche Aktienindex Dax hat im Jänner sogar 10,7 Prozent verloren. Zahlreiche schlechte Unternehmensnachrichten, etwa von der Deutschen Bank, haben den Index im Jänner belastet.

Doch auch die breiter gestreute Anlageklasse der Europa-Aktienfonds haben knapp sechs Prozent verloren. Schlechte Bankennachrichten waren auch dafür verantwortlich, dass Finanz-Sektorfonds 6,9 Prozent verloren haben.

Im Jänner haben insbesondere schlechte Nachrichten aus Osteuropa die Märkte belastet. Osteuropa-Aktienfonds haben im Schnitt daher 7,6 Prozent abgeben müssen. In den vergangenen zwölf Monaten haben damit Osteuropa-Fonds heimischer Gesellschaften 62,79 Prozent verloren.
Auch die globalen Immobilienaktien kommen nicht zur Ruhe. Die Immobilien-Aktienfonds haben im Berichtszeitraum quer über den Globus Verluste erzielt, global gesehen 4,5 Prozent. Einzelne Regionen haben unterschiedlich verloren. In den USA lag das Minus bei 6,9 Prozent, in Europa bei 2,4 Prozent.

Branche kämpft mit Abflüssen

In Summe hat die Fondsbranche aber noch immer mit Volumensabflüssen zu kämpfen. 2008 betrug der Volumensrückgang in Österreich 37,7 Milliarden Euro (23 Prozent) auf 126,04 Milliarden Euro (2007: 163,76 Mrd. Euro). Damit liegen die Investments in Fonds nur knapp über dem Jahresergebnis von 2004.

Dafür ausschlaggebend waren vor allem Ausschüttungen in der Höhe von 2,9 Milliarden Euro, Nettoabflüsse von 15,3 Milliarden Euro und Kursverluste von 19,6 Milliarden Euro.

In Deutschland haben Anleger 2008 mit 27,8 Milliarden Euro so viel Geld aus Publikumsfonds abgezogen wie noch nie zuvor. Die stärksten Abflüsse gab es bei Renten- und Geldmarktfonds, wie der Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) erhoben hat. "Das Gesamtjahr war - ohne Wenn und Aber - das schlechteste Jahr der Investmentgeschichte in Deutschland" , sagte BVI-Präsident Wolfgang Mansfeld. Bei den Spezialfonds wurden 2008 zwar Mittelzuflüsse von 19,9 Milliarden Euro erzielt, allerdings ist auch das deutlich weniger als 2007.

Pharma als Hoffnung
Pharma- und Biotech-Aktien haben sich zuletzt als stabil gezeigt und gelten daher als Hoffnung für 2009. "Der direkte Einfluss der Kreditkrise auf den Bereich Pharma und Biotech hat sich stark in Grenzen gehalten" , sagte Noushin Irani, Managerin des DWS Zürich Invest Life Science, kürzlich.

Der Absatz von Medikamenten sei von der Konjunkturentwicklung bisher nicht wirklich beeinflusst worden. Profitiert habe die Assetklasse auch von der traditionellen Klassifizierung als defensiv und nichtzyklisch.  (Lukas Sustala, Bettina Pfluger, DER STANDARD, Printausgabe, 13.2.2009)

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