Zertifikate sind kein Selbstläufer mehr

12. Februar 2009, 16:08
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Investoren wegen Kursturbulenzen vorsichtiger – In Deutschland ordnet die Abgeltungssteuer den Markt neu

Die Finanzkrise ist für die Zertifikate-Branche eine echte Herausforderung. In den vergangenen Jahren hat die recht junge Anlageklasse einen wahren Boom erlebt, jetzt ist die Phase der Feuertaufe eingeleitet worden, heißt es.
In Österreich ist von einem wirklichen Einbruch noch nicht die Rede. 2008 wurde ein Rückgang von "nur" 5,9 Prozent bzw. 353 Millionen Euro beim investierten Volumen (Open Interest) registriert. Der Grund für den relativ geringen Verlust ist, dass Herr und Frau Österreicher vor allem Zertifikate mit Kapitalgarantie gekauft haben. Mehr als 80 Prozent des veranlagten Volumens sind in diese Produktgruppe investiert. Für diese Zertifikate gilt: Werden keine Gewinne erzielt, bekommt man im schlechtesten Fall sein eingesetztes Kapital zurück. Von daher hat es kaum ein Bestreben gegeben, diese Papiere abzustoßen.

Massiver Einbruch

Anders sieht es aber an der Wiener Börse aus, wo der Handel mit Zertifikaten massiv eingebrochen ist. Hintergrund ist, dass an der Börse vor allem Hebel- und Risikozertifikate gehandelt werden. Und diese Papiere werden von den Investoren derzeit stark gemieden. Im Vorjahr hat das investierte Volumen bei Hebelprodukten (Optionsscheine, Turbo- bzw. Knock-Out-Zertifikate) um 75 Prozent bzw. 115 Millionen Euro verloren.
Ursache dafür sind vor allem negative Preiseffekte. Da ein Großteil des veranlagten Volumens auf Aktienbasiswerte investiert ist, schlagen sich die beträchtlichen Kursverluste aufgrund des höheren Hebels stärker auf diese Produktgruppe nieder. Auch im Dezember (neuere Daten liegen noch nicht vor) ist das investierte Volumen bei Hebelprodukten deutlich zurückgegangen. Sie verloren 7,3 Prozent bzw. 3,0 Millionen Euro.
Zertifikate seien aber bereits ein fixer Bestandteil im Veranlagungsuniversum geworden, von daher rechnet die Branche auch heuer mit einer stabilen Entwicklung.

Abgeltungssteuer

In Deutschland ist der Zertifikate-Markt hingegen stark eingebrochen. Das liegt nicht nur am schlechter gewordenen Umfeld, sondern hat auch mit der Abgeltungssteuer zu tun, die seit 1. Jänner gilt. Damit hat sich die Besteuerung von Zertifikaten grundsätzlich geändert - weswegen viele Anleger ihr Geld vor dem Jahreswechsel noch in Fonds gesteckt haben.
Kommt hinzu, dass deutsche Anleger von der Lehman-Pleite stark getroffen wurden und der Ausfall eines Emittenten erstmals Realität geworden ist - und das gleich im großen Stil. Das in Zertifikaten veranlagte Geld ist bei einer Pleite des Emittenten nämlich nicht gesichert.
Mit der 25-prozentigen Abgeltungssteuer werden einige Finanzanlagen besser gestellt als bisher, etwa Garantiezertifikate. Diese wurden bisher - wie Zertifikate auf Renten - als "Finanzinnovation" angesehen und wurden deutlich höher besteuert als andere Produkte. Hintergrund ist, dass in Deutschland die Einkünfte aus Finanzinnovationen bisher mit dem individuellen Steuersatz versteuert wurden. Dieser kann auch deutlich mehr betragen als 25 Prozent.
Durch diese Veränderung werden jetzt mehr Garantiezertifikate gekauft, worunter andere Produktgruppen leiden. Auch von Bonuszertifikaten lassen Investoren derzeit die Hände, weil durch die Kursturbulenzen viele Schwellen erreicht und damit die Gewinne reduziert wurden. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.2.2008)

 

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