Online-Banken sind in der Zinsbredouille

12. Februar 2009, 16:08
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Niedrige Leitzinsen zwingen auch Online-Banken zu Anpassungen bei Konditionen. Zu schnelle Zinssenkungen sind aber riskant, weil Online-Sparer Geld auch schnell wieder abziehen

Das derzeitige Niedrigzinsniveau macht es mittlerweile auch den Online-Banken schwer, ihre bisher recht hohen Zinsversprechen zu halten. Beim Absenken der Zinsen wagen die Direktbanken aber unterschiedlich große Schritte:

  • Die Allianz hat beim "Top-Cash" für täglich fälliges Geld seit November einen recht ordentlichen Rückgang eingelegt und von 4,25 (im November 2008) auf derzeit zwei Prozent gesenkt. Bei zwei Prozent liegt derzeit auch der Leitzins der Eurozone, welcher der Allianz als Orientierung dient.
  • Die Denizbank hat ihr Zinsniveau nur leicht angepasst - von 3,5 auf 3,25 Prozent.
  • Die Ing-Diba musste auf das derzeitige Zinsumfeld ebenfalls reagieren und hat die Zinsen von 3,5 Prozent auf drei Prozent zurückgeschraubt. Als Lockmittel läuft derzeit noch die "Jubiläumsaktion", mit der man bis zum 31. März 4,5 Prozent für täglich fällige Einlagen lukrieren kann.
  • Die Livebank hat indes eine Berg- und-Tal-Fahrt auf das Zinsparkett gelegt. Seit langem durfte sich der Direktservice der Volksbank Kufstein mit 4,88 Prozent mit dem höchsten Zinssatz unter den Online-Banken rühmen. Umso überraschender war es für die Kunden von livebank.at, als sie zum Jahreswechsel erfuhren, dass die Zinsen massiv auf 2,49 Prozent zurückgeschraubt werden. Grund dafür ist der starke Rückgang beim Drei-Monats-Euribor, an dem sich die Bank orientiert.

Lange hat dieses niedrige Zinsniveau nicht gehalten, schon am 9. Jänner wurden die Zinsen wieder angehoben: auf 3,125 Prozent. Die Erhöhung geht auf einen "freiwilligen Bonus" zurück, den die Bank für ihre Kunden bezahlt - und somit konkurrenzfähig bleibt. Ende des Quartals, also Anfang April, werden die Zinsen neu berechnet, einen Bonus soll es weiterhin geben - je nachdem, wie stark die EZB an der Zinsschraube dreht und sich die Marktzinsen dadurch verändern.

Für Online-Banken stellt die derzeitige Zinslandschaft auch deswegen eine Herausforderung dar, weil bisher oft damit geworben wurde, ob der straffen Personalstruktur bessere Konditionen bieten zu können. Dass das Hochhalten der Zinsen auch daran liegen könnte, dass Online-Kunden ihr Erspartes schnell wieder abziehen, wenn die Konditionen nicht mehr gefallen, wird in der Branche bestritten. Online-Kunden seien zwar kritischer - aber keine Zinshopper. Denn auch der Wechsel zu einer anderen Direktbank verursache Gebühren. Es gibt jedoch eine "bewegliche Masse" , die bei größeren Zinsschritten rasch reagiert, heißt es bei der Livebank. Der Großteil der Kunden warte aber ab, ein schneller Wechsel wegen minimaler Zinsunterschiede sei selten. (Bettina Pfluger, Printausgabe, 13.2.2009)

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