Immer mehr Betriebe melden Kurzarbeit an

12. Februar 2009, 14:10
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Ab Montag arbeiten 1700 Mitarbeiter bei Böhler Edelstahl und 320 beim Autozulieferer Miba weniger. In Österreich arbeiten 24.000 Mitarbeiter kurz

Wien/Graz - Der Wirtschaftsabschwung erfasst immer mehr Unternehmen und zwingt Betriebe zunehmend in Kurzarbeit. Anfang Februar wurde österreichweit in 113 Unternehmen kurzgearbeitet. Davon betroffen waren 22.411 Mitarbeiter, wie das Arbeitsmarktservice (AMS) mitteilt. Am Montag, 16. Februar, kommen 2020 dazu.
Bei Böhler Edelstahl in Kapfenberg (Steiermark) sind 1700 Personen von Kurzarbeit betroffen, beim Autozulieferer Miba in Vorchdorf (OÖ) sind es 320. Und das Ende der Fahnenstange dürfte noch lange nicht erreicht sein. Nach Angaben des AMS kommen bis Ende Februar noch elf weitere Betriebe fix dazu, womit sich die Zahl der Kurzarbeiter auf gut 24.000 erhöhen dürfte.

Zahl der Kurzarbeiter soll sich weiter erhöhen

Auch im Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) geht man davon aus, dass sich die Zahl der Kurzarbeiter noch deutlich erhöhen wird. Auf Spekulationen, wie hoch die Zahl im Herbst sein werde, wollte sich Wifo-Arbeitsmarktexperte Helmut Mahringer im Standard-Gespräch nicht einlassen. "Der Dienstleistungs- und Gewerbebereich ist von der Wirtschaftskrise noch halbwegs verschont geblieben. Wenn die Krise dort ankommt, wird es nochmals einen Schub geben."

Bei Böhler in Kapfenberg wurde laut Geschäftsführer Johann Weigand Kurzarbeit für sechs Monate beantragt. Grund sei ein massiver Auftragseinbruch, der alle Abnehmersegmente umfasse. Zum Teil liege man um bis zu 60 Prozent unter den budgetierten Werten. Ausgenommen von der Kurzarbeit sind die Bereiche Erlachhammer und Mechanische Werkstätte. In diesen beiden Betrieben wirke sich laut Weigand der noch gut gehende Energiemaschinenbau positiv auf die Beschäftigung aus.

Auftragsrückgänge auch bei Miba

Auftragsrückgänge werden auch bei Miba Sinter Austria in Vorchdorf als Grund für die Kurzarbeit genannt. Die betroffenen 320 Mitarbeiter werden vier Wochen lang im Schnitt 25 Prozent kürzer arbeiten und dafür eine Bezugsverringerung von rund zehn Prozent hinnehmen müssen. Am betroffenen Standort, der zu 100 Prozent für die Automobilindustrie produziert, liege man derzeit 50 Prozent hinter den Erwartungen.

Vor der Entscheidung für die Kurzarbeit wurde bereits ein umfangreiches Personalpaket umgesetzt. Die Stammbelegschaft musste Urlaub, Überstunden und Zeitkonten abbauen, auch Bildungskarenz wurde angeboten. Mitarbeiter in Österreich werden standortübergreifend eingesetzt. Der Miba- Vorstandsvorsitzende Peter Mitterbauer stellt sich auf "schwierige Monate" ein. Kurzarbeit bereits eingeführt oder beantragt haben etwa AT&S, Amag oder Magna.

Auf Schiene gebracht wurde indes das arbeitsmarktpolitische Sofortpaket mit den Schwerpunkten Kurzarbeit, Qualifizierungsmaßnahmen und Erweiterungen bei Arbeitsstiftungen. Firmen können künftig bis zu 18 Monate kurzarbeiten. Der Mittelbedarf für dieses Sofortpaket wird mit 222 Mio. Euro angegeben.

Die Behaltefrist für Kurzarbeiter wird nicht gesetzlich geregelt. Bisher war die Behaltedauer so lange wie die Kurzarbeit gedauert hat. Die Behaltefrist soll künftig zwischen den Betrieben und den Sozialpartnern verhandelt werden, erklärte der Sprecher von Sozialminister Rudolf Hundstorfer. (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.2.2009)

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