Netanyahu lotet große Koalition aus

12. Februar 2009, 20:45
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Der Likud-Chef wirbt um Livni – In Livnis Kadima befürchtet man, dass die Partei in der Opposition zerfallen könnte

Noch ohne offiziellen Auftrag ist Benjamin Netanyahu schon voll damit beschäftigt, zumindest auf dem Papier jene Koalition zusammenzustellen, die ihn zum Premierminister machen soll. Netanyahus rechtskonservativer Likud durfte dabei am Donnerstag darauf hoffen, dass die Auszählung der Stimmen von Soldaten, Matrosen und Sträflingen ihm ein weiteres Mandat bringen würde. Die Hoffnung blieb allerdings vergebens: Laut Endergebnis der Wahl kommt Livnis Kadima auf 28 Mandate, Netanyahu stellt demnach 27 Abgeordnete.

So interessant wie möglich machte sich weiterhin der als "Königsmacher" geltende Avigdor Lieberman. Er habe sowohl mit Netanyahu als auch mit Livni gesprochen. "Ich weiß schon genau, was ich dem Präsidenten sagen werde" , meinte der Rechtspopulist am Donnerstag, er wolle aber noch nicht verraten, wen er als Regierungschef empfehlen werde. Ein Parteifreund meinte sogar, dass Lieberman sich selbst empfehlen könnte. Gerüchten zufolge wollte Lieberman in den Verhandlungen mit dem Likud hoch pokern und für sich das Außenministerium fordern, was aber Netanyahu nur noch stärker motivieren würde, sich um eine große Koalition mit Livni zu bemühen.

Beim Likud hieß es, man wolle Livni noch einige Tage Zeit geben, um sich "von der Illusion zu befreien" , dass sie Premierministerin werden könne.

Sogar bei der kleinen linken Meretz-Partei hieß es, dass man Livni nicht empfehlen werde, weil sie nur gemeinsam mit Lieberman regieren könnte.

Angst vor Zerfall

Um Livni in seine Regierung zu locken, könnte Netanyahu der Kadima eine Rolle als "gleichberechtigte Partnerin" samt Außen- und Verteidigungsressort anbieten. Viele Stimmen in der Kadima raten Livni allerdings jetzt, in die Opposition zu gehen - von dort aus könnte man Netanyahu das Leben so schwierig wie möglich machen und ihn dann nach ein, zwei Jahren bei vorgezogenen Neuwahlen überzeugend schlagen. Andere Parteigranden fürchten aber offenbar, dass die von Expremier Ariel Sharon gegründete Kadima in der Opposition zerfallen könnte, denn rechtsgesinnte, vor Jahren vom Likud übergelaufene Abgeordnete könnten versucht sein, zu ihrer wiedererstarkten Stammpartei zurückzupendeln. (Ben Segenreich aus Tel Aviv/red/STANDARD,Printausgabe, 13.2.2009)

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    Die Stimmen sind ausgezählt, am Mandatsstand ändert sich nichts mehr: 28 Abgeordnete für die Kadima, 27 für den Likud.

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