Schwere Zeiten liegen in der Luft

12. Februar 2009, 12:55
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Der Halbleiterhersteller Infineon stimmt seine Aktionäre auf weiter schwierige Zeiten ein

"2009 ist und bleibt ein hartes Jahr", sagte Vorstandschef Peter Bauer am Donnerstag bei der Hauptversammlung in München. "Ich verstehe, dass Sie kritisch sind und verärgert", betonte er und verwies unter anderem auf die Pleite der Speicherchiptochter Qimonda. Die aktuelle Branchenkrise hat Infineon tief in die roten Zahlen gezogen, die Aussichten sind düster.

Bauers Prognose fiel noch einen Tick pessimistischer aus als zuletzt. Zwar bekräftigte er, im laufenden Geschäftsjahr 2008/09 (per Ende September) werde der Umsatz mindestens um 15 Prozent zurückgehen. Zugleich ergänzte Bauer aber, Analysten hätten zuletzt sogar einen Rückgang von etwas mehr als 20 Prozent erwartet, "was unserer Einschätzung nach nicht auszuschließen ist". Das werde sich entsprechend im Ergebnis niederschlagen. Im Startquartal hatte Infineon unterm Strich einen Verlust von 404 Millionen Euro verbucht.

Bauer sagte, er hoffe dass das laufende Quartal den Tiefpunkt der Krise markiere. Wettbewerber berichteten teils von noch stärkeren Umsatzeinbrüchen. "Wir schlagen uns im Markt und bei unseren Kunden gut", beteuerte der Vorstandschef. "An unseren Halbleitern kommt auch in der Krise niemand vorbei." Infineon ist in Europa der größte Chip-Zulieferer der Autoindustrie. Die Pkw-Flaute und die schwache Nachfrage der Handy-Hersteller machen Infineon schwer zu schaffen. Bauer verwies darauf, dass der Konzern auch Halbleiter für Zukunftsmärkte wie Energieeffizienz und Sicherheit biete.

Sparen, sparen, sparen

Der Sparkurs sei verschärft worden, erläuterte der Vorstandschef, der die Kosten künftig pro Jahr um 600 Millionen Euro senken will. Der Konzern streicht etwa jede zehnte der 30.000 Stellen und schließt weiteren Personalabbau nicht aus. Bei den Gehältern fährt Infineon dieses Jahr eine Nullrunde. Die Kurzarbeit an den deutschen Standorten wird ausgeweitet. Mit Beifall quittierten die Aktionäre die Ankündigung, dass Bauer auf 20 Prozent seines Fixgehalts verzichtet und seine Vorstandskollegen auf zehn Prozent.

Der Vorstandschef versicherte, Infineon verfüge über genügend Barmittel fürs laufende Geschäft. "Und wir können kämpfen", betonte Bauer. So habe es Infineon nach der Pleite des ehemals größten Mobilfunkkunden, der einstigen Siemens-Handysparte BenQ, geschafft, das Geschäft wieder auf solide Füße zu stellen.

Bauer räumte Misserfolge ein: Die in der Vergangenheit immer wieder angekündigte Besserung sei nicht eingetreten. Die Insolvenz der Tochter Qimonda berge Risiken für Infineon. Sollte die Speicherchiptochter den Betrieb einstellen, "müssen wir kurzfristig mit gewissen Zahlungsausfällen rechnen".

Der Aktienkurs schmerze ihn auch persönlich, sagte Bauer. Das Papier hat binnen Jahresfrist rund 90 Prozent an Wert verloren. Im Dezember wurde Infineon zum ersten sogenannten Penny Stock im Leitindex Dax, also die erste Aktie, die nur noch im Cent-Bereich notiert. Am Donnerstag gab der Kurs um vier Prozent auf 73 Cent nach.(APA)

 

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