Swiss-Re-Chef tritt zurück

12. Februar 2009, 12:50
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Interne Nachbesetzung: Stefan Lippe übernimmt Posten von Jacques Aigrain - Rückversicherer musste wegen riskanter Finanzgeschäfte hohe Abschreibungen vornehmen

Zürich - Der krisengeschüttelte Rückversicherungskonzern Swiss Re trennt sich von seinem Chef Jacques Aigrain und ersetzt ihn durch den bisherigen operativen Chef Stefan Lippe. Hintergrund des Führungswechsels sind die angehäuften Milliardenverluste.

Swiss Re teilte Donnerstag lediglich mit, der Verwaltungsrat habe Aigrains Rücktritt "angenommen". Der 1954 geborene Aigrain ist schweizerischer und französischer Staatsbürger und arbeitete unter anderem als Investment-Chef für JP Morgan. Seit 2001 ist er bei Swiss Re, seit 2006 führt er die Konzernleitung.

Die bisherige Nummer zwei des Unternehmens, der 53-jährige Deutsche Stefan Lippe, wird nun neuer CEO. Er sei "der Architekt, der Swiss Re konsequent auf die Qualität im Underwriting (Risikoeinschätzung) des Rückversicherungsgeschäftes fokussiert" habe, heißt es in der Mitteilung.

Stellvertreter

Lippe ist seit 25 Jahren bei Swiss Re, zuletzt als Stellvertreter des Konzernchefs und operativer Chef (COO). Vor seiner Zeit bei Swiss Re war er zehn Jahre lang Chef der Bayerischen Rück. Der Chefwechsel bei Swiss Re soll schon nächste Woche erfolgen.

Vor einer Woche musste Swiss Re überraschend einen Verlust von einer Milliarde Franken (668 Mio. Euro) für 2008 bekanntgeben. Schuld an den tiefroten Zahlen sind Milliardenabschreibungen auf Finanzanlagen.

Zum Verhängnis wurde der Swiss Re, dass sie unter der Leitung von Aigrain neben dem traditionellen Rückversicherungsgeschäft, das immer noch gut läuft, auch risikoreiche Finanzgeschäfte tätigte. Nach vorläufigen Angaben schreibt Swiss Re für 2008 etwa sechs Milliarden Franken ab.

Allein auf verbrieften Kreditausfallversicherungen (Structured Credit Default Swaps) muss Swiss Re wohl zwei Milliarden Franken abschreiben. Das Eigenkapital dürfte auf 19 bis 20 Mrd. Franken geschrumpft sein, nachdem es Ende September noch 24,1 Mrd. Franken betragen hatte. Pro Aktie schüttet Swiss Re noch 10 Rappen aus, nachdem Aktionäre im Vorjahr 4 Franken pro Wertpapier erhalten hatten.

Swiss Re muss nun bis zu fünf Milliarden Franken frisches Kapital aufzunehmen. Davon übernimmt der legendäre US-Investor Warren Buffett drei Milliarden. Der Besitzer der Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway und wird so wichtigster Einzelaktionär des Schweizer Rückversicherers.

Positive Reaktionen

Der Wechsel an der Konzernspitze wurde von Händlern und Anlegern positiv aufgenommen, auch wenn er nicht überraschend komme. Die Swiss-Re-Aktie eröffnete 6,2 Prozent fester auf 20.12 Franken. Allerdings bemängelten Analysten, hin, dass Lippe in der Ära Aigrain ebenfalls schon in der Geschäftsleitung war.

"Der scheidende CEO hinterlässt eine Giftmülldeponie sondergleichen", kommentierte die Privatbank Wegelin. Mit einem neuen Lenker könne ein neues Vertrauensfundament gelegt werden "doch bis die Investoren dieses Fundament als tragfähig erachten, braucht es mehr - vielmehr", schreibt Wegelin.

Im deutlich schwächeren Blue-Chips-Index SMI glänzte das Swiss-Re-Papier am Donnerstag an der Börse im frühen Geschäft mit einem Kursgewinn von bis 7,2 Prozent auf 20,30 Franken. (APA/sda)

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    Jacques Aigrain muss gehen.

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