Der Gemeindebau der Zukunft

12. Februar 2009, 12:24
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Die Solaranlage am Dach des Hugo-Breitner-Hofs in Penzing versorgt rund 120 Wohnungen mit zwei Dritteln des Warmwasserbedarfs

Gerhard Trautenberg ist zufrieden. "Seit 1998 haben sich die Energiekosten halbiert", sagt der Pensionist. Der Mieter wohnt im Hugo-Breitner-Hof in Penzing, unmittelbar neben dem Hanappi-Stadion. Im Zuge einer Generalsanierung wurde die erste Solaranlage auf einem Wiener Gemeindebau montiert. Das Projekt zeigt: Umbau und Energiesparmaßnahmen lohnen sich auch bei älteren Gebäuden - Mieter und Vermieter profitieren.

Der Gemeindebau wurde vor 60 Jahren errichtet. In insgesamt 24 Wohnblöcken leben 3500 Menschen. Im Jahr 2003 wurde mit einer umfassenden Sanierung begonnen. "Die Generalsanierung beinhaltete eine Wärmedämmung der Fassaden und den Einbau von Wärmeschutzfenstern", informiert Christiane Daxböck, Mediensprecherin der Geschäftsgruppe für Wohnen, Wohnbau und Stadterneuerung der Stadt Wien.

Im Rahmen der Sanierung wurden aber auch die Dachböden ausgebaut und rund 200 neue Wohnungen geschaffen. "„Das kommt vor allem den Leuten in den ehemals oberen Stockwerken zu Gute. Denn die Wohnung kühlt nicht durch den unbeheizten Dachboden ab", sagt Trautenberg. Er selbst wird nicht von der Solaranlage versorgt, die Ersparnisse ergeben sich durch die Renovierung der Fassade und isolierende Verkleidung.

Solaranlage

Der Hugo-Breitner-Hof bietet durch seine großen Dachflächen sehr gute Gegebenheiten für die Installation von Sonnenkollektoren. Diese sorgen auf dem 300 Meter langen Dach - auf einer Fläche von insgesamt 280 Quadratmetern - für die umweltfreundliche Erzeugung von Energie. "In Kombination mit Erdgas werden damit die Dachgeschosswohnungen mit Heizwärme und Warmwasser beliefert", so Daxböck.

Ein gemeinsamer Warmwasserspeicher über den die Solaranlage auf dem Dach und der Heizkessel im Keller miteinander verbunden sind, machen das möglich, berichtet Daxböck: "Die Sonnenkollektoren decken etwa zwei Drittel des Warmwasserbedarfs, den Rest übernimmt das Erdgas-Brennwertgerät, das zugleich Heizwärme liefert." Erdgas-Heizkessel, die mit Brennwerttechnik ausgestattet sind, verwerten einen Großteil der Abwärme, die bei alten Geräten ungenutzt durch den Rauchfang entweichen würde.

Denkmalschutz

Das Sonnenwärmeprojekt entstand aus einee Kooperation von Wienenergie und Wiener Wohnen und wurde gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft Erneuerbare Energie (AEE) aus Gleisdorf geplant. Für zukünftige Projekte werden gleich Erfahrungen gesammelt: Denn die Anlage wurde so konzipiert, dass laufend Messungen durchgeführt werden können.

Ein Problem bei der Errichtung der Solaranlage war, dass der Hugo-Breitner-Hof unter Denkmalschutz steht. Daher durften sie Kollektoren nicht höher als ein Meter sein, um das Erscheinungsbild nicht zu beeinträchtigen.

Kosten

Die Gesamtkosten für die Sanierungsarbeiten betrugen rund 46 Millionen Euro. Rund 33,5 Millionen Euro schoss die Stadt Wien für die Sockelsanierung zu. Zusätzlich wurde die Errichtung der Solaranlage mit 57.000 Euro gefördert, die Gesamtkosten dafür betrugen 350.000 Euro. (jus, derStandard.at, März 2009)

Wien fördert die Errichtung thermischer Solaranlagen

Die Stadt übernimmt für die Errichtung einer Solaranlage bei mehrgeschossigen Wohnbauten bis zu 25 Prozent der Kosten. Die Höhe der Förderung ist abhängig von der Wohnungsanzahl und der Größe der Sonnenkollektorfläche. Bei Ein- und Zweifamilienhäusern können es bis zu 40 Prozent der Kosten in Form eines nicht rückzahlbaren Zuschusses sein.


Im Rahmen der Neubauverordnung 2007 wurde ein weiterer Schritt für eine verstärkte Nutzung der Sonnenenergie im geförderten, großvolumigen Wohnbau gesetzt. Neubauprojekte erhalten für den Einsatz von erneuerbarer Energie - also auch für die Errichtung von solarthermischen Anlagen - zusätzlich einen nicht rückzahlbaren Zuschuss von 20 Euro pro Quadratmeter Wohnnutzfläche.

 

  • Sie Sonneneinstrahlung wird durch eine Solaranlage am Dach genutzt
    stadt wien/fotograf: gerry frank

    Sie Sonneneinstrahlung wird durch eine Solaranlage am Dach genutzt

  • Der Dachboden wurde zu Wohnungen ausgebaut - davon profitieren auch die Mieter darunter, bei denen die Heizkosten dadurch schrumpfen
    stadt wien/fotograf: gerry frank

    Der Dachboden wurde zu Wohnungen ausgebaut - davon profitieren auch die Mieter darunter, bei denen die Heizkosten dadurch schrumpfen

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