Ein Fleck im Heizen

19. März 2009, 17:49
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Rund 800.000 Wohnungen sind in Österreich von Schimmel befallen - Oft ist die Ursache Eigenverschulden

"Heute spart man ja, wo man kann", sagt Herr Teitner. In den vergangenen Wintern hat der 84-jährige Pensionist an der falschen Stelle gespart. Die Heizung blieb meist abgedreht, lieber zog er sich eine zusätzliche Schicht Gewand an. Unter dem Fenster im Schlafzimmer seiner 50 Quadratmeter Wohnung hat sich vergangenen Winter ein Fleck gebildet. Schimmel, meinte ein Handwerker.

Der Winter lässt die Nebenkosten kräftig ansteigen. Wer jedoch bei Energiekosten sparen will, geht ein Risiko ein. In kalten, weniger gelüfteten Räumen ist die Gefahr der Schimmelpilzbildung höher. Herr Teitner ist mit dem Problem nicht allein, wie Architekt Wolfgang Mück, der das Atelier für naturgemäßes Bauen und Wohnen gegründet hat, informiert: "Rund jede vierte Wohnung ist von Schimmel befallen. Das sind in Österreich rund 800.000 Wohnungen."

Feuchte Luft, feuchte Wand

Schimmelbefall steht im direkten Zusammenhang mit Feuchtigkeit. Mück nennt einige Ursachen: "Geringe Wärmedämmung von Außenwänden, Wärmebrücken, Baurestfeuchte bei Neubauten, fehlende oder mangelhafte Feuchteisolierung, Rohrleitungsschäden oder Überflutungen." Oft entstehe hohe Luftfeuchte jedoch durch Eigenverschulden: Falsches Lüftungs- und Heizverhalten könne den Sporenbefall begünstigen.

Es ist ein Irrglaube, dass nur alte Bausubstanz von Schimmel befallen werden kann. In Neubauten sollte in den ersten Jahren nicht bei den Heizkosten gespart werden. Die Baufeuchte in den Wänden trocknet oft erst nach einigen Jahren vollkommen ein.

Problemzonen

"Wir finden Schimmel in allen Wohnräumen, im Badezimmer, sowie hinter Kästen und Betten im Schlafzimmer und besonders um die Fenster", meint Mück. Und der Schimmel muss nicht immer sichtbar sein. "Muffiger, schimmeliger, auch säuerlicher Geruch kann auf Schimmel hinweisen und ist ein wichtiger Warnhinweis", so Mück.

Nur die Klärung der Ursache verhindert einen neuerlichen Befall. Herr Teitner nahm die Tipps eines Experten an. Er hat den Schimmel von einer Fachfirma entfernen lassen und unternimmt nun Gegenmaßnahmen: "Wichtig ist es, die Luftfeuchtigkeit zu verringern, daher mache ich häufiges Trockenlüften. Und die Raumtemperatur habe ich, obwohl ich mit Gas heize, zähneknirschend erhöht." An den Schimmelfleck erinnert nur noch eine leichte Verfärbung an der Wand. (Jus, derStandard.at, März 2009)

Tipp: Entfernung von Schimmel

Bei kleinflächigem Befall kann Schimmel auch selbst entfernt werden. Wichtig ist es, die betroffenen Stellen ohne Staubverwirbelung zu reinigen, da sonst Sporen freigesetzt werden. Schimmelentferner ist in Bau- und Fachmaräkten erhältlich. Die Wirkstoffe sind Natriumhypochlorid und anionische und kationische Tenside. Die gereinigten Stellen sollten mit einem Warmluftgebläse nachgetrocknet werden. Schimmelbekämfung bei größerem Befall sollte erst nach genauer Fachanalyse der Ursache durch Fachfirmen entfernt werden, empfiehlt Architekt Wolfgang Mück.

  • Nach der Schimmelentfernung sieht die Wand nicht mehr gut aus - Im neuen Anstrich sollte ein Schimmelbekämpfungsmittel enthalten sein
    foto: privat

    Nach der Schimmelentfernung sieht die Wand nicht mehr gut aus - Im neuen Anstrich sollte ein Schimmelbekämpfungsmittel enthalten sein

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