Business-Hotellerie sieht schwarz

12. Februar 2009, 12:19
posten

Navarra-Hoteles-Chef Burgio rechnet mit sehr schlechten Geschäften für die europäischen Geschäftsreise-Hotels

Madrid/Wien  - Ein "sehr schlechtes erstes Quartal 2009" für die europäische Geschäftsreise-Hotellerie erwartet Gabriele Burgio, CEO der "Navarra Hoteles" (NH). Derzeit würden sogar bereits bezahlte Kongresse und Meetings abgesagt. Die spanische NH-Gruppe ist eine der größten Business-Hotelunternehmen des Kontinents und mit sieben Häusern in Österreich vertreten. "Die Alpenrepublik zählt dabei noch zu jenen Märkten, die derzeit am besten reüssieren", erklärte Burgio vor Journalisten in Madrid, ohne jedoch genaue Zahlen für das schwache letzte Quartal 2008 zu nennen.

In den ersten drei Quartalen des Vorjahres hatten die NH-Hotels der organisatorisch zusammengefassten Länder Österreich, Schweiz, Ungarn und Rumänien noch ein Umsatzplus von 9,5 Prozent zum Vorjahr erzielt. Daten zu den restlichen Monaten des Jahres wollte der Hotelier im Gespräch mit der APA aber nicht bekanntgeben. Der November sei jedenfalls "ein Desaster für die gesamte Wirtschaft" gewesen. Dabei habe sich aber gezeigt, dass gerade kleinere Märkte in Krisenzeiten besser geschützt seien, sagte Burgio.

Die NH-Diversifikationsanstrengungen der vergangenen Jahre in weniger großen Staaten dürften sich nun demnach als Segen herausstellen: Noch vor zehn Jahren agierte die Gruppe nahezu ausschließlich im heute wirtschaftlich schwer gebeutelten Spanien. Mittlerweile werden 70 Prozent des Umsatzes außerhalb Spaniens gemacht, Tendenz steigend.

Neben Spanien seien die meisten Schwierigkeiten in den kommenden Jahren in Italien zu erwarten, prognostizierte Burgio. Die Vorzeichen für die Business-Hotellerie stünden jedoch in sämtlichen Ländern schlecht: "Einerseits treffen die Unternehmen in dieser Phase keine Entscheidungen, andererseits wollen sich Firmenverantwortliche jetzt nicht in einem Luxus-Veranstaltungsumfeld sehen lassen", so der NH-CEO. Man stehe derzeit sogar vor der Situation, dass bereits bezahlte Kongresse und Meetings abgesagt werden.

"Viele Stornos"

Aus NH-Sicht könnte das zweite Quartal wieder etwas besser werden. "Wir haben bereits zahlreiche Order", so Burgio. Er bleibt angesichts der wirtschaftlich gespannten Lage dennoch zurückhaltend: "Wenn es so weit ist, gibt es möglicherweise wieder viele Stornos."

Auch für die Investoren dürfte das angelaufene Jahr einigermaßen spannend werden: Die an der Madrider Börse notierte Hotelgruppe musste dort laut Burgio seit März 2008 einen Kursverlust von 60 Prozent einstecken. Wenigstens in einem Punkt müsse man sich in der aktuellen Situation jedoch keine Sorgen machen: "Es wird in dieser Phase der Geldknappheit wohl auch keine neuen Wettbewerber beziehungsweise größere Neuzukäufe bei der Konkurrenz geben", so Burgio.

Zu der 1978 gegründeten NH-Gruppe gehören den Unternehmensangaben zufolge 346 Hotels (51.740 Zimmer) in 22 Ländern in Europa, Latein- und Nordamerika, sowie Afrika. Das Unternehmen beschäftigt 20.000 Arbeitnehmer. Der Umsatz belief sich 2007 auf rund 1,5 Mrd. Euro, das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) auf 283 Mio. Euro.

In den ersten neun Monaten 2008 lag der Umsatz bei 1,113 Mrd. Euro, das EBITDA bei 175 Mio. Euro. Der Raum Österreich, Schweiz, Ungarn, Rumänien steuerte Ende 2007 rund vier Prozent zu den Konzerneinnahmen bei. In Österreich gehören fünf Hotels in Wien und zwei in Salzburg zur Gruppe. (APA)

Share if you care.