Berlusconi will strenges Euthanasie-Verbot

12. Februar 2009, 11:31
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Auch der Patient selbst dürfte sich dann für keinen Abbruch der künstlichen Ernährung entscheiden

Rom - Nach dem Tod der italienischen Koma-Patientin Eluana Englaro will Ministerpräsident Silvio Berlusconi dem Parlament einen Gesetzentwurf vorlegen, der jegliche Form von Euthanasie strengstens ablehnt und eine Patientenverfügung einführt. "Damit wollen wir einen Tod durch den unannehmbaren Entzug der künstlichen Ernährung, wie im Fall Eluana, verhindern", sagte Berlusconi in einem TV-Interview am Donnerstag.

Staatschef Giorgio Napolitano weigerte sich

Die Regierung Berlusconi hatte am vergangenen Freitag eine Eilverordnung erlassen, um den Abbruch der künstlichen Ernährung für die dann am Montag gestorbene Eluana Englaro aufzuhalten. Staatschef Giorgio Napolitano weigerte sich, die Verordnung zu unterzeichnen. Berlusconi stellte sich mit seinem Gesetzesentwurf frontal gegen das Justizsystem. Die Familie Englaro hatte im November 2008 vom Höchstgericht in Rom das Recht zugesprochen bekommen, die künstliche Ernährung für die 38-jährige Patientin zu beenden.

Patient ohne Recht

Das von Premier Berlusconi angekündigte Gesetzprojekt zur Einführung einer Patientenverfügung in Italien nimmt im Senat bereits Formen an. Die Italiener werden dem Entwurf zufolge künftig eine Patientenverfügung vor einem Notar unterschreiben können, die drei Jahre lang gültig sein wird. Sie soll aber für den behandelnden Arzt nicht verbindlich sein, sondern nur zur Orientierung dienen. Der Patient darf sich laut dem Gesetzentwurf nicht für einen Abbruch der künstlichen Ernährung und Hydrierung aussprechen, da dies "Formen vitaler Unterstützung" seien, die aus ethischen Gründen nicht verweigert werden dürfen.

Der Gesetzesentwurf wurde vom Ex-Gesundheitsminister und Onkologen Umberto Veronesi scharf kritisiert. "De facto respektiert man die individuelle Freiheit nicht, weil man dem Patienten nicht erlauben will, die künstliche Ernährung abzulehnen. Deswegen behaupte ich, lieber kein Gesetz, als ein schlechtes", erklärte Veronesi.

Vatikan drängt

Der Vatikan drängt Italien seit Monaten, ein klares Verbot der Sterbehilfe zu verabschieden. Der wissenschaftliche Fortschritt werfe neue, schwerwiegende moralische und soziale Fragen auf. Dabei wachse die Verantwortung von Politikern, Gesetzgebung und Richtern, hieß es in einem Kommentar der vatikanischen Tageszeitung "L´Ossservatore Romano" am Mittwoch.

Eltern werden an Trauerfeier nicht teilnmehen

Eluana Englaro wird am Donnerstagnachmittag in der friaulischen Ortschaft Paluzza beerdigt, aus der ihre Familie stammt. Der Ort liegt keine 20 Kilometer von der österreichischen Grenze (Plöckenpass) entfernt. Dort sind auch ihre Großeltern begraben. Geplant ist eine Trauerzeremonie im engsten Kreis. Die Eltern wollen nicht an der Zeremonie teilnehmen, weil sie nicht mehr in der Öffentlichkeit auftreten wollen. Die Mutter Saturnia ist seit Jahren schwer krank.

Eine Autopsie ergab, dass Eluana Englaro, die nach einem Autounfall 17 Jahre lang im Koma gelegen war, aufgrund von Flüssigkeitsmangel einem Herz-Kreislauf-Versagen erlag. Aus diesen ersten Resultaten schließen die Gesundheitsbehörden der Region Friaul-Julisch-Venetien vorerst aus, dass ihr Tod "beschleunigt" worden sei, wie einige Politiker in Rom den Eltern vorgeworfen haben. (APA)

 

 

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    Präsident Giorgio Napolitano hat sich geweigert Berlusconis Eil-Verordnung zu unterzeichnen. Das machte es der Familie Englaro möglich die künstliche Ernährung für ihre Tochter, die seit 17 Jahren im Koma liegt zu beenden.Berlusconi stellte sich mit seinem Gesetzesentwurf frontal gegen das Justizsystem

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