Raich-Comeback mit neuem Elan

12. Februar 2009, 11:33
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Tiroler nach Kurztrip in die Heimat wieder zurück in Val d'Isere und größte ÖSV-Hoffnung auf eine Medaille im Riesentorlauf

Val d'Isere - Schön langsam wird es eng für die österreichischen Ski-Herren. Nach dem schlechtesten WM-Start der Nachkriegsgeschichte bietet sich für das ÖSV-Team am Freitag (10.00 und 13.30 Uhr/live ORF1) in Val d'Isere die vierte und vorletzte Chance auf eine Medaille. Die Hoffnungen ruhen einmal mehr auf Benjamin Raich, dem aktuellen Leader im Riesentorlauf-Weltcup und potenziellen Retter der ÖSV-Herren.

Nach seinem bitteren Ausfall in der Super-Kombination ist Raich am Montag kurzerhand aus Val d'Isere abgereist, um sich am Dienstag und Mittwoch mit Trainingseinheiten in Österreich (Jerzens) fürs WM-Finale in Schwung zu bringen. "Es hat sich auf jeden Fall ausgezahlt. Wir haben auf steilen und eisigen Verhältnissen trainiert, die denen in Val d'Isere sehr ähnlich sein sollten", meinte der Tiroler nach seiner Rückkehr am späten Mittwochabend.

Schüler zur Pistenpräparierung eingespannt

Raich hatte bei seinem Solo-Training seine engsten Ski-Vertrauten um sich, nämlich seinen Bruder Florian und Florian Patsch. Dafür gesorgt, dass die Trainingspiste im Pitztal vom Neuschnee befreit wird, haben vor allem zahlreiche Schüler der Benni-Raich-Rennschule. Raichs Rückreise zur WM war dann verhältnismäßig unkompliziert, denn der ÖSV-Star düste per Privatjet nach Chambery, von wo aus die Autofahrt hinauf nach Val d'Isere nicht einmal mehr zwei Stunden dauert.

Raich hat beim Training punkto Material einiges probiert und seiner Ansicht nach das richtige Gefühl für das Rennen auf der Bellevarde-Piste gefunden. Die verpassten Medaillenchancen im Super-G (Fünfter) und in der Super-Kombi hat der 30-Jährige abgehakt. "Das ist schon lange verdaut. Die Chancen waren groß, aber ich habe ja noch zwei weitere", weiß Raich, der im Riesentorlauf und Slalom nach seiner 13. bzw. vielleicht sogar 14. Medaille bei einem Großereignis greift.

Die Diskussionen, dass aufgrund der Medaillenflaute noch mehr Last als sonst auf seinen Schultern ruhen würde, prallen bei Raich wie gewohnt ab. "Ich lasse mich nach wie vor nicht zum Retter der Nation abstempeln. Wenn ich das an mich ranlassen würde, wäre das ein unnötiger riesiger Druck. Ich lasse mir von Medien, Kollegen und Fans keinen Druck auferlegen. Wenn, dann mache ich mir selbst einen Druck, den kann ich dann auch kontrollieren."

Raich sieht sich selbst als "Mitfavorit" im Medaillenrennen, die größten Favoriten sind für ihn aber Carlo Janka, Didier Cuche, Aksel Lund Svindal, Manfred Mölgg und Massimiliano Blardone. Im Vergleich zum Slalom sieht Raich für ihn persönlich größere Medaillenchancen im Riesentorlauf, aber auch zum WM-Abschluss am Sonntag rechnet er sich einiges aus. Nicht zuletzt, weil Atomic extra für die WM einen neuen Slalom-Ski produzieren ließ.

Reichelt, Hirscher, Schörghofer

Im Schatten von Österreichs großer Hoffnung Benjamin Raich wollen am Freitag in Val d'Isere Hannes Reichelt, Marcel Hirscher und Philipp Schörghofer auf eine Medaille im WM-Riesentorlauf losgehen. Reichelt hat bisher eine Saison voller körperlicher Rückschläge erlebt und wegen einer Sprunggelenkblessur den WM-Super-G auslassen müssen. Nun fühlt sich der Salzburger bereit, das Ruder herumzureißen und die Saison zu retten.

"Ich habe die Probleme mit dem Sprunggelenk voll im Griff", versicherte Reichelt, der in den vergangenen Tagen auch mit einer Grippeerkrankung zu kämpfen hatte. Deshalb war die Wehmut am Tag des WM-Super-G nicht ganz so groß. "Da hatte mich die Grippe schon erwischt. Aber ein bisschen hat mir das Zuschauen schon im Bauch wehgetan."

Für Training und WM-Rennen erhält der 28-Jährige nach wie vor einen speziellen Tapeverband. "So etwas wie in Kitzbühel passiert mir aber sicher nicht mehr", so Reichelt, der den Kitz-Super-G wegen stechender Schmerzen abbrechen hatte müssen.

"Haarscharf an einem Kreuzbandriss vorbei"

Sollte Reichelt, der amtierende Super-G-Weltcup-Sieger, die erste Medaille seiner Karriere holen, "dann würde das sehr viel Pech dieser Saison zudecken". Aber der Radstädter will nicht nur von Pech sprechen. "Denn bei meinem Sturz in Bormio hatte ich sehr viel Glück, da bin ich haarscharf an einem Kreuzbandriss vorbei."

Hirscher freut sich auf die schwierige Aufgabe auf der Bellevarde-Strecke. "Normal helfen mir schwierige Hänge, um schnell zu sein." Die Tücken der Piste dürften es gemäß Hirschers Schilderungen richtig in sich haben: "Auf dieser Piste fühlt man sich unglaublich schlecht und langsam. Man kennt sich hinten und vorne nicht mehr aus und ist nur mit sich selbst beschäftigt."

Auch der 19-Jährige weiß bereits sehr gut, dass bei einem Großereignis wie einer WM sehr viel passieren kann. "Ich bin ein Außenseiter. Aber Außenseiter können bei einer WM verdammt weit vorne landen." Für Hirscher zählt aber nach wie vor, in Val d'Isere viel Erfahrung und Routine zu sammeln.

"Geil, dass ich dabei sein darf", fieberte Schörghofer seinem WM-Debüt entgegen. Der Salzburger hat zuletzt zwei Europacup-Riesentorläufe gewonnen und damit starke Form bewiesen. "Auch Europacup-Rennen sind schwierig zu gewinnen. Ich habe gut trainiert und fühle mich körperlich topfit." Mental fühlt sich Schörghofer gerüstet: "Das wird eine ganz neue Situation für mich. Aber ich bin mental sehr stark und gehe davon aus, dass das kein Problem für mich wird."

Gedanken über eine mögliche Nichtnominierung hatte Schörghofer im Vorfeld ausgeblendet. "Ich habe mir keinen Kopf gemacht und mich voll auf meine eigenen Leistungen konzentriert." Nach den kritischen Worten des nicht aufgestellten Romed Baumann wollte Alpinchef Hans Pum keine Diskussionen über Schörghofers Nominierung aufkommen lassen: "Schörghofer fährt, weil wir überzeugt sind, dass er imstande ist, eine gute Leistung zu bringen." (APA)

 

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Herr Raich ist wieder nach Val d'Isere zurückgekehrt.

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