"Lehrer stehen hier massiv unter Druck"

13. Februar 2009, 15:01
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Lisa Leitner unterrichtet in einer Volksschule in Atlanta "mit schiefen Plastiksesseln" - Trotzdem will sie bleiben

"In Österreich haben die Lehrer mehr Freiheiten", sagt Lisa Leitner. Seit Herbst 2008 unterrichtet sie in einer Volksschule in Atlanta. In ihrer Heimat bekommen Lehrkräfte auch ihre Vorbereitungszeit bezahlt, hier muss sie das abends oder am Wochenende erleben. 

"Reizüberflutung"

Leitner ist eine der ersten LehrerInnen, die im Rahmen des Austauschprogramms "Vienna International Exchange" nach Atlanta zum Unterrichten gingen. In den nächsten Wochen erfährt sie, ob sie noch ein zweites Jahr hier bleiben kann.

Ihr Schuljahr begann damit, sich das Klassenzimmer einzurichten, denn jeder Lehrer hat hier seinen eigenen Raum. "Meine Kinder sitzen auf alten, schiefen Plastiksesseln, das ganze Gebäude ist sehr alt", beschreibt Leitner ihren Arbeitsplatz. Dafür gebe es in jeder Klasse einen Computer. Die Ausstattung sei sicher schlechter als in Österreich, dafür "wird hier mehr Wert auf Dekoration gelegt. Reizüberflutung ist hier kein Begriff".

Standardisierte Tests

Auch der Unterricht selbst hat gute und schlechte Seiten. „Lehrer stehen hier massiv unter Druck. Die Qualität der Lehrer wird hier großteils am Abschneiden der Kinder bei den Tests gemessen", berichtet Leitner. Andererseits haben die standardisierten Tests und das Leistungsmonitoring auch Vorteile: "Als LehrerIn muss man sich somit sehr genau mit jedem einzelnen Schüler und seinen Zielen, Stärken und Schwächen, für das jeweilige Schuljahr beschäftigen."

Gewalttaten, für die US-Schulen immer wieder in den Schlagzeilen sind, habe sie noch nicht erlebt. "Ich unterrichte ja auch in der Volksschule. Allerdings gibt es hier regelmäßig und sicher öfter als in Österreich Fights unter den Kindern", meint Leitner. Das könne aber auch daran liegen, dass ihre Schule in einem urbanen Bezirk liegt, "und unsere SchülerInnen aus dementsprechend schwachen, armen sozialen Verhältnissen kommen."

Vergleiche zum Unterricht in Österreich kann Leitner nur begrenzt ziehen, weil sie nach ihrem Bachelor an der Pädagogischen Hochschule Linz gleich nach Atlanta ging. Was sie macht, wenn sie wieder in die Heimat zurückkehrt? "Auf einen Job hoffen!" (lis/derStandard.at, 12. Februar 2009)

  • Leitner unterrichtet in Atlanta Zweit- bis Fünftklassler.
    foto: leitner

    Leitner unterrichtet in Atlanta Zweit- bis Fünftklassler.

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