Kometen, die im Dunklen lauern

14. Februar 2009, 20:53
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Neue Studie legt nahe, dass unser Sonnensystem mindestens 3.000 finstere Objekte beherbergt von denen nur 25 bekannt sind

London - Der unmittelbare Weltraum rund um die Erde ist dicht bevölkert von finsteren Gesellen. Zahllose Asteroiden und vor allem sogenannte Dunkle Kometen lauern in der Umgebung, deren Existenz man bestenfalls erahnen kann. Doch schlimmer noch: es könnten bald viel mehr werden.

Laut der jüngsten Ausgabe der Wissenschaftszeitschrift "New Scientist" warnen die britischen Astronomen Bill Napier und David Asherat, dass rund 3.000 dieser Himmelskörper im Sonnensystem unterwegs sind. Lediglich 25 davon sind bekannt.

Zehnfache Gefahr

Napier hat gemeinsam mit seinem Kollegen Janaki Wickramasinghe (Cardiff University) bereits mit einer anderen Theorie für Aufsehen gesorgt. Demnach durchwandert unser Sonnensystem alle 35 bis 40 Millionen Jahre die galaktische Ebene; durch die zunehmenden Gravitationskräfte wird dabei  eine Vielzahl an Kometen aus der Oortschen Wolke in Richtung Sonne getrieben. Dadurch verzehnfacht sich die Gefahr für Kometeneinschläge auf der Erde.

Die Forscher belegen das unter anderem mit nachweisbaren Einschlags-Katastrophen. So soll jener Komet, dem Schuld am Aussterben der Dinosaurier gegeben wird, vor rund 65 Millionen Jahren in einer solchen Periode eingeschlagen sein. Das beunruhigendste an der Theorie: es könnte schon bald wieder soweit sein.

Unsichtbare Kometen

Als Dunkle Kometen bezeichnen die Wissenschafter jene, die ihren Wasser- bzw. Eisvorrat verloren haben und deshalb nicht mehr das typische Aussehen bekommen, wenn sie sich der Sonne nähern. Es bleiben nur Teile des ohnehin kleinen Kerns des Kometen übrig, die aber kaum Licht reflektieren und daher fast nicht zu sehen sind.

Als Beispiel für die Gefahr durch Dunkle Kometen nennen die Forscher "IRAS-Araki-Alcock", der 1983 in der in astronomischen Maßstäben geringen Entfernung von fünf Millionen Kilometern an der Erde vorbeiraste. Er war erst zwei Wochen vor seiner größten Annäherung an die Erde entdeckt worden.

Erst im November 2008 forderten Experten der Association of Space Explorers (ASE) ein weltweites Forschungs-, Informations- und Abwehrnetz für die Erde bedrohende Himmelskörper. Dieses Netz sollte unter der Führung der Vereinten Nationen (UN) aufgebaut werden. Die Wissenschafter gingen allerdings davon aus, dass ein wirklich gefährlicher Einschlag eines Kometen oder Asteroiden "zehn bis 15 Jahre" vorhergesagt werden könne. (APA/red)

Abstracts
+ Astronomy & Geophysics: The Tunguska impact event and beyond
+ Monthly Notices of the Royal Astronomical Society: Impact cratering and the Oort cloud

Link
+ New Scientist: 'Dark' comets may pose threat to Earth

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Wenn Schweifsterne, wie der Komet Hale-Bopp hier, ihr Wasser und Eis verlieren, werden sie praktisch unsichtbar, selbst wenn sie in die Näher der Sonne kommen.

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