NA sieht rot

12. Februar 2009, 09:35
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Gedämpfter Ausblick von Europas größter Kupferhütte - Ausweitung der Kurzarbeit nicht ausgeschlossen

Hamburg - Europas größte Kupferhütte Norddeutsche Affinerie (NA) hat nach dem ersten Quartalsverlust seit fünf Jahren wegen des scharfen Kupferpreiseinbruchs Ende 2008 die Erwartungen für das laufende Geschäftsjahr stark gedämpft. Eine kurzfristige deutliche Absatzerholung sei angesichts des "schwierigen Umfelds" nicht zu erwarten, teilte die im MDAX gelistete Gesellschaft am Donnerstag in Hamburg mit. Das operative Ergebnis dürfte im laufenden Geschäftsjahr "deutlich unter den Rekordergebnissen des Vorjahres liegen". Insbesondere wegen hoher Belastungen durch die Neubewertung der Kupferbestände rutschte der Konzern im ersten Quartal mit 98 (Vorjahr +60) Mio. Euro tief in die Verlustzone. Der Verlust war aber nicht so hoch wie von Analysten befürchtet.

Während sich der Umsatz in den ersten drei Monaten des laufenden Geschäftsjahres 2008/09 (Ende September) wegen der Vollkonsolidierung des belgischen Kupferproduzenten Cumerio um sechs Prozent auf 1,493 Mrd. Euro erhöhte, schlug der Preisrückgang auch beim Vorsteuerergebnis (EBT) mit einem Verlust von 124 (Vorjahr: +88) Mio. Euro negativ zu Buche. Der Konzern übertraf damit dennoch die Ertragserwartungen der Analysten. Vor Bewertungseffekten von minus 143 Mio. Euro ergab sich den Angaben zufolge ein EBT von plus 19 (41) Mio. Euro. Grund für den Rückgang sei die Abschwächung des Produktgeschäftes und geplante Wartungsstillstände in Hamburg, Lünen und Pirdop. Die negativen Bewertungseffekte haben laut NA-Chef Bernd Drouven keinen Einfluss auf den Cash-Flow und die Dividendenhöhe für das laufende Geschäftsjahr.

"Erhebliche Unsicherheiten"

Nachdem das erste Halbjahr 2008/09 noch von "erheblichen Unsicherheiten" begleitet sein werde, sollte im weiteren Verlauf des Jahres eine "langsame Erholung" einsetzen, hieß es. Allerdings seien derzeit alle Prognosen mit "erheblichen Unsicherheiten" behaftet. Die verabschiedeten Konjunkturprogramme dürften aber zunehmend positive Impulse auf die Kupfernachfrage auslösen. Insgesamt dürfte sich die Absatzlage im zweiten Halbjahr wieder erholen. Das Absatzniveau des laufenden Geschäftsjahres werde aber deutlich unter dem Vorjahreswert erwartet. Dies könnte auch weitere Folgen für die Mitarbeiter haben.

"Kurzarbeit, wie bereits für Prymetall vereinbart, kann auch für einzelne andere Teilbereiche nicht ausgeschlossen werden", hieß es. Die Tochter Prymetall aus Stolberg hatte Anfang Februar Kurzarbeit angemeldet und dies mit einem spürbaren Nachfragerückgang insbesondere bei Walzprodukten begründet. Betriebsbedingte Kündigungen und Personalabbau wollte Drouven dabei zu diesem Zeitpunkt jedoch vermeiden. Die NA stellt mit 4.759 (3.284) Mitarbeitern aus Kupfererz reines Kupfer her und verarbeitet es weiter zu Produkten, die zum Beispiel in der Auto-, Elektro- und Bauindustrie zum Einsatz kommen. Der Konzern soll auf der Hauptversammlung Ende Februar wegen der Cumerio-Übernahme in Aurubis umbenannt werden.

Schwacher Kuperpreis

An den Rohstoffmärkten sei zunächst eine Fortsetzung der im ersten Quartal beobachteten Trends zu erwarten. Bei Kupferkonzentraten seien die Schmelzlöhne erheblich gestiegen. Vor diesem Hintergrund dürften sich die Bedingungen der langfristigen Verträge deutlich verbessern, hieß es. Der Markt für Altkupfer leide weiter unter dem schwachen Kupferpreis - dadurch falle das Angebot sehr niedrig aus. Deshalb sei in den nächsten Monaten keine Vollauslastung der Verarbeitungskapazitäten zu erwarten. Der Kupferpreis scheine nach der scharfen Korrektur im zweiten Halbjahr 2008 bei etwas über 3.000 Dollar je Tonne einen Boden gefunden zu haben. Der Kupferpreis ist im vergangenen Quartal im Durchschnitt auf 3.940 (7.239) Dollar je Tonne eingebrochen.

Am Finanzmarkt stießen die Zahlen und der Ausblick auf ein gemischtes Echo. Laut einer ersten Händlerreaktion sind die Quartalsergebnisse nicht "so schlimm wie erwartet" ausgefallen. Der "sehr pessimistische Ausblick" sei zwar nicht wirklich überraschend, dürfte aber die Aktie weiter belasten. Auch ein weiterer Börsianer erwartet, dass "der unsichere Ausblick die nicht ganz so schlimmen Zahlen überschattet". Die Aktie stand vorbörslich mit einem Abschlag von 1,57 Prozent auf 24,50 Euro nach dem kräftigen Kursrückgang vom Vortag erneut unter Druck. (APA/dpa-AFX)

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