Alarmstimmung bei Renault

12. Februar 2009, 09:12
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Der Gewinn des Autobauers bricht 2008 stärker ein als erwartet, die Prognosen für das laufende Jahr sehen verhalten aus

Paris - Trotz der Milliardenhilfen vom Staat will Renault in diesem Jahr 9.000 seiner 129.000 Stellen abbauen. Davon entfällt rund die Hälfte auf Frankreich. Es werde aber keine Sozialpläne geben, sagte Konzernchef Carlos Ghosn am Donnerstag bei der Vorstellung der Jahreszahlen für 2008 in Boulogne-Billancourt bei Paris. Der Stellenabbau geschehe wie geplant über Aufhebungsverträge und natürliche Fluktuation. "Derzeit ist es nicht nötig, mehr zu tun - ich spreche von 2009." Der französische Präsident Nicolas Sarkozy hatte die Kredithilfen an den Verzicht auf Kündigungen geknüpft.

Ghosn nannte es einen "Vorteil, heute den Staat als Aktionär zu haben". Die Kritik an den französischen Staatshilfen wies er zurück. "Europa muss die Führung übernehmen" und nicht nur Maßnahmen kritisieren, sagte er. "Koordiniert, ergreift die Initiative!". Die Industrie brauche "keine Geschenke", sondern Finanzierung und Stimulierung der Nachfrage. "Bisher haben sieben EU-Staaten die Initiative ergriffen. Und das funktioniert." Protektionismus werde es "überall" geben, sagte Ghosn. "Sie werden sehen, dass andere Staaten folgen werden, und das erscheint mir normal." Die Furcht vor Protektionismus sei aber größer als der reale Protektionismus.

Milliarden-Stütze

Frankreich gewähre (Renault und PSA Peugeot Citroën jeweils drei Milliarden Euro) Darlehen für sechs Prozent Zinsen, die bei steigenden Gewinnen bis auf neun Prozent klettern könnten. "Früher hatten wir 3,4 Prozent am Markt bezahlt. Jetzt zahlen wir sechs. Am Markt würden wir vielleicht neun Prozent zahlen. Das ist sicherlich eine Hilfe, wenn man die Umstände ansieht. Aber wir zahlen mehr als früher. Das ist ein Darlehen zu vernünftigen Bedingungen", sagte Ghosn.

Renault hat 2008 einen deutlich stärkeren Gewinnrückgang als von Experten erwartet hinnehmen müssen und geht für 2009 von einer weiteren Verschlechterung der Marktbedingungen aus. Vor Zinsen und Steuern verdiente der Konzern nach eigenen Angaben vom Donnerstag 212 Mio. Euro. Analysten hatten im Schnitt 794 Mio. erwartet. Der Nettogewinn brach auf 599 Mio. Euro ein. 2007 hatte Renault noch 2,7 Mrd. Euro verdient. Beim Umsatz gab es auf vergleichbarer Basis einen Rückgang von sieben Prozent auf 37,79 Mrd. Euro, was ebenfalls unter den Erwartungen lag.

Eine Dividende für 2008 soll nicht gezahlt werden, und die Investitionen im laufenden Jahr werden um mindestens 20 Prozent zurückgefahren. Die ursprünglichen Ziele für 2009 bei der operativen Gewinnmarge und beim Absatz seien nicht erreichbar, erklärte Renault. (APA/dpa)

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