Im Jänner nur jeder vierte Fall geklärt

11. Februar 2009, 22:15
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Kriminalität stieg deutlich - Rein rechnerisch gab es alle zwei Minuten eine Anzeige - Aber es war alles schon einmal viel schlimmer - Schwere Raubüberfälle sind zurückgegangen

Wien - Mathematik ist eigentlich eine recht nüchterne Wissenschaft, die bei der numerischen Erfassung der Wirklichkeit unerlässlich ist. Allerdings kann der Anwender die Wirklichkeit damit auch darstellen, wie er sie gern hätte. Danach schaut es bei der Präsentation der österreichischen Kriminalstatistik für Jänner aus. Da gibt es ein Plus der Anzeigen - aber in Wahrheit einen Rückgang, sagt das Innenministerium.

Es war alles schon einmal viel schlimmer

Exakt 46.635 Delikte wurden im Jänner 2009 bei den Staatsanwaltschaften angezeigt. Im Jänner 2008 waren es um 3092 Stück weniger - der Laie sieht hier einen Anstieg um 7,1 Prozent. In Niederösterreich ging es gar um 20 Prozent nach oben. Beim Bundeskriminalamt (BK), das für die Erstellung der Statistik zuständig ist, sieht man das anders. Das Kriminalitätsplus wird zwar nicht verschwiegen. Aber es war alles schon einmal viel schlimmer, betont man.

Denn, so wird vorgerechnet: Nimmt man die Verbrechenszahlen für das gesamte Vorjahr und dividiert die durch zwölf, erhält man ein durchschnittliches Monat. Und im Vergleich zu diesem liegt der Jänner um 2,3 Prozent darunter. Dieser Vergleich wurde heuer übrigens erstmals angewandt. In Jahren, in denen ein Kriminalitätsrückgang zu vermelden war, hat man darauf verzichtet. Gar 4,9 Prozent Minus gibt es, wenn man den Jänner '09 mit dem Dezember '08 vergleicht, frohlockt man im BK.

Aufklärungsquote auf 25 Prozent gefallen

In Wien bemüht sich die Kriminalpolizei ebenso, die positiven Seiten der Statistik zu betonen: der schwere Raub und der "Handyraub" sind deutlich zurückgegangen. Auf allzu große Rechenkunststücke verzichtet man aber. Denn die Gesamtsituation schaut schlecht aus: Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Jännerkriminalität um fünf Prozent auf 17.479 Delikte. Was rein rechnerisch bedeutet, dass es alle zwei Minuten eine Anzeige gab. Die Gewaltkriminalität stieg gleich um zehn Prozent. Für Täter gibt es aber zusehends seltener Konsequenzen. Die Aufklärungsquote ist auf 25 Prozent gefallen. Von vier angezeigten Fällen wird also nur einer geklärt.

Krise und Verbrechen

Wie sich die aktuelle Wirtschaftskrise auf die Kriminalitätslage auswirkt, wagt Christof Hetzmannseder, der Leiter der Kriminalpolizeilichen Abteilung, nicht zu sagen. "Man muss davon ausgehen, dass sich derartige Krisen in mehr Delikten niederschlagen werden. Es ist aber unseriös zu sagen, welche das sein werden."(Michael Möseneder, DER STANDARD Printausgabe 12.2.2009)

 

 

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