Unglaublich teuer - Grüne fordern Erklärung

11. Februar 2009, 21:32
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Das Museum Moderner Kunst hat ein jährliches Budget von maximal 1,2 Millionen Euro - die kleine Ausstellung im Parlament kostete 1,4 Millionen Euro

 
Die Ausstellung über die Republik Österreich 1918-2008, die bis 11. April im Parlament zu sehen ist, kostete 1,4 Millionen Euro. Den Grünen erscheint der Betrag "überproportional und unglaublich hoch".
Thomas Trenkler
Wien - Die durchaus überschaubare, seit Mitte November laufende Republik-Ausstellung 1918-2008 in der Säulenhalle des Parlaments wartet nicht mit wertvollen Exponaten auf, für die hohe Versicherungsprämien bezahlt werden müssten: Zu sehen sind in der Regel Videos, Kopien und Faksimiles.

Parlamentarischen Anfrage

Dennoch betragen die Gesamtkosten 1,4 Millionen Euro; allein für die Ausstellungsarchitektur (Pulte, Schautafeln) und die Grafik wurden 330.000 Euro verwendet. Diese bisher gerne verschwiegenen Summen gab Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) in der Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage bekannt, die Wolfgang Zinggl, Kultursprecher der Grünen, eingebracht hatte.

Keine Leihgebühren

Er bezeichnet die Kosten als "unglaublich und überproportional hoch". Zinggl: "Weder wurden für die Ausstellung neue wissenschaftliche Erkenntnisse erarbeitet, noch mussten Leihgebühren für originale Exponate bezahlt werden. Vielmehr handelt es sich um die kleine und konzentrierte Version der Ausstellung zum Gedenkjahr 2005 auf der Schallaburg. Mit all ihren inhaltlichen Lücken und ideologischen Verzerrungen."

Kein detailliertes Konzept

Wie aus der Anfragebeantwortung hervorgeht, hat es für die von Stefan Karner (Leiter des Ludwig Boltzmann-Instituts für Kriegsfolgen-Forschung) und Lorenz Mikoletzky (Generaldirektor des Staatsarchivs) zusammengestellte Ausstellung kein detailliertes Konzept gegeben: Es deckt sich "praktisch mit der Ausstellung selbst", wie Faymann schreibt.

Kosten wurden falsch eingeschätzt

Völlig falsch eingeschätzt wurden daher die Kosten: Erst "im Zuge der konkreten Planung hat sich gezeigt, dass die Personalaufwendungen ursprünglich zu gering geschätzt wurden". Die Ausgaben für das wissenschaftliche Personal mussten von ursprünglich 251.000 auf 420.000 Euro angehoben werden. Das bedeutet eine Kostenexplosion von 67 Prozent.

Vergleich

Zum Vergleich: Das Museum Moderner Kunst hat ein jährliches Ausstellungsbudget von maximal 1,2 Millionen Euro; die teuerste Ausstellung in der Geschichte des Mumok war mit 700.000 Euro eine Yves-Klein-Retrospektive. Und im Wien Museum, spezialisiert auf die Darstellung der Stadtgeschichte, kosten die Ausstellungen zwischen 200.000 und 600.000 Euro, wie Direktor Wolfgang Kos erklärt. Für die sehr umfangreiche Schau über 2000 Jahre Karlsplatz (auf einer Fläche von 750 Quadratmetern) im Jahr 2008 standen inklusive Katalog gerade einmal 500.000 Euro zur Verfügung.

Eigenregie als Notlösung

Wolfgang Zinggl mutmaßt, dass die Gesamtausgaben für die Republik-Ausstellung - ein Projekt der vorigen Regierung - sogar noch höher als die einbekannten 1,4 Millionen Euro seien. Denn das Parlament, das die Kosten für die Eröffnung bestritt, stellt die Säulenhalle kostenlos zu Verfügung und verlangt auch nichts für die Infrastruktur (Strom, Sanitäranlagen). Zudem wurde die Öffentlichkeitsarbeit dem Bundespressedienst übertragen, und den Aufstellungsaufbau besorgten die Mitarbeiter des Bundeskanzleramts zum Teil in der Dienstzeit, was eine Ersparnis von mindestens 40.000 Euro zur Folge gehabt hätte.

"Unprofessionellen" Vorgangsweise

Gegenüber dem Standard übt Zinggl Kritik an der seiner Meinung nach "unprofessionellen" Vorgangsweise - und stellt neue Fragen. So möchte er wissen, "was die Ausstellungsorganisatoren vom Kuchen erhalten haben". Im Gegensatz zu Faymann, der die Besucherentwicklung als "überaus erfreulich" bezeichnet (er erwartet "über 70.000 Besucher"), sieht Zinggl keinen Grund zum Jubeln: Die Laufzeit beträgt volle fünf Monate (bis 11. 4.). Der Tagesschnitt an Besuchern ist daher eher gering. (DER STANDARD Printausgabe 12.2.1009

 

 

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    Viele Schautafeln, ein paar interaktive Spielereien und nur wenige Originaldokumente: Die Republik- Ausstellung lässt manche keinen Blick darauf werfen. Andere wundern sich über die Kosten

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