Geldfluss von Madoff zu Sonja Kohn

11. Februar 2009, 21:20
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Dokumente einer US-Brokerfirma belegen erstmals, dass Gelder aus dem Imperium vom Milliardenbetrüger Bernard Madoff zur Bank-Medici-Eigentümerin Sonja Kohn geflossen sind - Die Rede ist von 500.000 Dollar

Wien/Boston - Zum ersten Mal sind Belege für eine direkte finanzielle Verbindung zwischen dem mutmaßlichen Milliardenbetrüger Bernard Madoff und der Mehrheitseigentümerin der Wiener Bank Medici, Sonja Kohn, aufgetaucht. Die Finanzmarktaufsicht im US-Bundesstaat Massachusetts hat am Mittwoch ein Verfahren gegen die US-Brokerfirma Cohmad Securities, an der Madoff beteiligt ist, eingeleitet. Die Behörde in Boston wirft Cohmad vor, bei den staatlichen Ermittlungen zur Aufklärung der Madoff-Affäre, bei der 50 Milliarden Dollar verloren gegangen sein sollen, nicht ausreichend zu kooperieren.

Cohmad war einer der großen „Feeder Funds", die Investorengelder in Madoffs Wertpapierfirma veranlagten. Laut offiziellen Unterlagen hat Cohmad in den vergangenen Jahren 526.000 Dollar (407.000 Euro) an Kohn bezahlt, über deren Fonds an die drei Milliarden Dollar in Madoff-Anlagen geströmt sind. Der überwiegende Teil dieser Kundengelder dürfte durch den als Pyramidenspiel gestalteten Betrug des US-Geldmanagers verloren gegangen sein.

Bank Medici prüft

Wofür Kohn das Geld von Cohmad erhalten hat, war zunächst unklar. Die Wiener Bankerin hat stets beteuert, nichts vom Milliardenbetrug Madoffs, mit dem sie persönlich bekannt war, geahnt zu haben. Eine Sprecherin von Bank Medici sagte dem Standard, der Sachverhalt sei der Bank unbekannt und müsse erst geprüft werden. Kohn hält 75 Prozent an Bank Medici, 25 Prozent gehören der Bank Austria.

Laut den offiziellen Dokumenten hat Cohmad seit dem Jahr 2000 67 Millionen Dollar für „professionelle Dienste", „Brokerdienste" und „Provisionen für Bilanzaufsicht" erhalten. Diese Gelder machten 84 Prozent der Gesamteinnahmen der Brokerfirma aus.
Cohmad-Chef Maurice Cohn hat die Firma 1970 gemeinsam mit Madoff und dessen Bruder Peter gegründet. Bernard Madoff hält derzeit Anteile zwischen zehn und 25 Prozent. Nach Meinung der Bostoner Behörden existiert „eine zutiefst miteinander verwobene Beziehung zwischen Cohmad und Bernard L. Madoff Investment Securities LLC." Die Finanzmarktaufsicht in Massachusetts fordert nun den Entzug der Handelslizenz für Cohmad in ihrem Bundesstaat. Der Leiter des Bostoner Cohmad-Büros, Robert Jaffe, der große Summen für Madoff aufgetrieben hat, wird nun einvernommen. Er sieht sich ebenfalls als Opfer.

Der für den Fall verantwortliche Staatssekretär von Massachusetts, William Galvin, wirft weiters Madoffs Ehefrau Ruth vor, wenige Tage vor der Verhaftung ihres Mannes am 11. Dezember 2008 15 Millionen Dollar von Konten bei Cohmad abgehoben zu haben. Madoff steht seither unter Hausarrest in New York und soll seither versucht haben, persönliche Gelder und Wertgegenstände heimlich herauszuschleusen. (Eric Frey, DER STANDARD, Printausgabe, 12.2.2009)

  • Von Bernard Madoffs Milliardenbetrug will Sonja Kohn nichts gewusst haben. 
    foto: peroutka guenther/wirtschaftsbla

    Von Bernard Madoffs Milliardenbetrug will Sonja Kohn nichts gewusst haben. 

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