Nur noch wenig Spielraum

11. Februar 2009, 19:34
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Beim Verkauf der Austrian Airlines ist so ziemlich alles falsch gemacht worden, was falsch gemacht werden konnte - Von Michael Moravec

Bei den Bemühungen zur Umstrukturierung und zum Verkauf der Austrian Airlines ist so ziemlich alles falsch gemacht worden, was falsch gemacht werden konnte. Dieser Schluss ergibt sich zumindest aus den Einschätzungen der Wettbewerbshüter der EU-Kommission.

Und in vielen Punkten haben die Experten recht: Das Verkaufsverfahren war nicht wirklich transparent, und der Eindruck, dass hier die Lufthansa augenzwinkernd bevorzugt wurde, ist sicher nicht falsch. Es wäre nicht das erste Mal, dass in Österreich das Ergebnis einer Ausschreibung bereits vor Ausschreibungsbeginn feststeht. Dass sich so natürlich nicht der beste Preis erzielen lässt, ist klar. Die Kritik aus Brüssel ist auch deswegen gerechtfertigt, weil die AUA- Sanierungsbemühungen schon seit Jahren seltsam laufen: Der Ruf nach Staatshilfe sollte nach EU-Recht die letzte Möglichkeit zur Rettung sein. Es ist seltsam, dass davor nicht auch die Banken ihren Teil zur Sanierung - etwa durch einen außergerichtlichen Ausgleich - beisteuern. Dies mag an ihrer Doppelrolle als Kreditgeber und Großaktionäre liegen und an allen damit verbundenen Interessenkonflikten.

Ein Kritikpunkt der EU-Kommission ist aber absurd: Der Staat verhalte sich beim Verkauf nicht wie ein privater Unternehmer. Das soll er auch nicht. Ein privater Unternehmer hätte die AUA zugesperrt, statt ihr noch 500 Millionen Euro nachzuwerfen. Der Staat muss aber weiter denken. Für ihn und die Wirtschaft ist die AUA auch wertvolle Infrastruktur - und nicht nur irgendein Unternehmen. (Michael Moravec, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.02.2009)

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