Zündeln ohne Feuerlöscher

11. Februar 2009, 19:31
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Erstmals in der heimischen Kirchengeschichte ist die zweithöchste hierarchische Ebene eines Bistums fast geschlossen aufgestanden

Schlimmer kann es für einen Diözesanbischof wohl kaum kommen. Zuerst schickt der Papst den „Dreiervorschlag" mit der Bitte nachzubessern zurück nach Linz. Was folgt, ist ein erzkonservativer Weihbischof, der österreichweit das Kirchenvolk erzürnt. Und als Draufgabe auch noch ungehorsame Dechanten. Erstmals in der heimischen Kirchengeschichte ist die zweithöchste hierarchische Ebene eines Bistums fast geschlossen aufgestanden und hat ihrem Bischof die Rute ins Fenster gestellt. Doch die sanfte Revolution zeigte Wirkung: Mit dem Rücken zur Wand, hat sich der Linzer Diözesanbischof Ludwig Schwarz plötzlich seiner eigentlichen Aufgaben als Ortsbischof besonnen und längst überfällige Gespräche angeboten.

Doch es ist symptomatisch für die Kirche: Während in Linz spät, aber doch versucht wird, den Flächenbrand zu löschen, wird andernorts fleißig gezündelt. Wenn für den Vorarlberger Diözesanbischof Elmar Fischer Homosexualität eine „psychische Erkrankung wie Alkoholismus oder Angstneurosen" ist, kann der Linzer Bischofskollege noch so intensiv die „selige Maria anrufen, dass Ablehnung und Spaltung aufhören". Man hat eines in der Kirche noch immer nicht erkannt: Die Zeiten der uneingeschränkten Autorität sind vorbei. Heute ist das Publikum kritischer - eine schlechte Performance wird nicht mehr einfach geduldet.

Neu ist, dass nun erstmals sich nicht nur die „üblichen Verdächtigen" zu Wort melden, sondern auch der Klerus aufsteht. Und damit ist der Funke auf die Bischofsebene übergesprungen. Nur fehlt dort die Krisenfeuerwehr. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD, Printausgabe, 12.2.2009)

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