Die Wellen vor der Wahl

11. Februar 2009, 19:06
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ÖOC-Kür unter besonderen Vor­zeichen - Neuer dürfte altem Vorstand ähneln

Wien - Gerhard Hauer, Gerhard Widmann und Josef Kopal haben sich ihren Job ganz anders vorgestellt. Weniger hinterfragt, weniger öffentlich. Der Präsident der Sportunion Oberösterreich, der Askö-Vizepräsident und der Asvö-Wien-Präsident bilden als Vertreter der drei großen Sportdachverbände den Wahlausschuss. Dieser schlägt der ÖOC-Hauptversammlung traditionell den neuen, 18-köpfigen Vorstand vor, woraufhin diese traditionell abnickt.

Die Hauptversammlung am Freitag in Wien steht allerdings unter besonderen Vorzeichen. ÖOC-Präsident Leo Wallner (73), der zur Wiederwahl antritt, und Generalsekretär Heinz Jungwirth sehen sich seit Wochen einerseits Vorwürfen wegen schwer nachvollziehbarer Geldflüsse im Zuge der Salzburger Olympia-2014-Bewerbung, andererseits boulevardmedialer Untergriffe ausgesetzt. Jungwirth wurde vorgehalten, dass er Autos besitzt und eine Reithalle betreibt - er hat den Besitz mit Erbschaften erklärt. Dem ÖOC wurde vorgehalten, es werde sein Büro bald in ein, sagen wir, Schloss in Ebreichsdorf verlegen. Die Kronen Zeitung brachte ein Bild des Schlosses, musste sich wenig später und klarerweise weit weniger auffällig entschuldigen, weil das Schloss in Wahrheit ein Haus ist und das Bild also ein Trugbild war. Auch dass Wallner seine Kandidatur zurückzieht, wurde berichtet, auch das hat Wallner umgehend dementiert.

Das ÖOC unterzieht sich nach einer Forderung von Sportminister Norbert Darabos einer externen Wirtschaftsprüfung, die drei ÖOC-Rechnungsprüfer Trixi Schuba, Erika Strasser und Hubert Schreiner drehten bereits intern alles zweimal um. "Uns ist keine Unregelmäßigkeit aufgefallen" , sagt Schuba.
Nicht völlig unerwähnt bleiben soll Peter Westenthaler (BZÖ), der IOC-Präsident Jacques Rogge in einem Brief fragt, "ob diese Wahl unter den gegebenen Umständen überhaupt durchgeführt werden sollte" und es nicht IOC-Verpflichtung wäre, "Möglichkeiten auszuschöpfen, um diese Wahl zu vertagen" . Nicht völlig auszuschließen ist, dass Westenthalers Brief unbeantwortet bleibt.

Man kann davon ausgehen, dass sich die drei Dachverbände nicht gegen Wallners Wiederwahl stellen. Neben ihnen sind 35 Fachverbände und die Bundessportorganisation (BSO)stimmberechtigt. Einfache Mehrheit genügt, über den Präsidenten wird extra abgestimmt. Der neue ÖOC-Vorstand sollte sich nicht stark vom alten unterscheiden. Als ÖOC-Vize ersetzt Asvö-Präsident Siegfried Robatscher den ÖSV-Präsidenten Peter Schröcksnadel, der ob des Turiner ÖSV-ÖOC-Wickels zurücktrat. (Zur Erinnerung: Die Kronen Zeitung ist ÖSV-Partner.)
Drei Neue im Vorstand?

Anstelle von Robatscher soll jedenfalls Fritz Niederndorfer, Chef des oberösterreichischen Landesskiverbands, künftig ÖOC-Schriftführer sein. Damit wäre der ÖSV doch wieder im ÖOC-Vorstand vertreten, worüber sich Schröcksnadel angeblich nicht wirklich freut. Herbert Hübel, Präsident des Salzburger Fußballverbands, soll Ex-ÖFB-Präsident Friedrich Stickler, Bettina Glatz-Kremsner (Lotterien) soll Erika Strasser ersetzen. (Fritz Neumann, DER STANDARD, Printausgabe, Donnerstag, 12. Februar 2009)

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    Wallner tritt wieder an.

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