Der Spießrutenlauf

11. Februar 2009, 18:53
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Weiß und Rot, List und Mut

Das Einzige, was in der Höhle des Löwen hilft, ist Mut. Die Langenloiser Winzer beispielsweise zeigen im Tirol Berg den Franzosen, was ihr Riesling hermacht. Adi Werner, der Herr des Bergs, ist freilich ein Freund der Löwen, vor allem dann, wenn sie aus Bordeaux kommen. Sein Keller im Arlberg Hospiz in St. Christoph ist einer der besser sortierten dieser Welt. Zehn Jahre sollte der Rote alt sein, doziert Herr Werner, damit sich der Schwefel verflüchtigt habe und die Köpfe schmerzfrei bleiben. Sie werden nicht viel älter, die Weine, im Tirol Berg lässt er an einem durchschnittlichen Abend 150 Bouteillen öffnen, und wenn es etwas zu feiern gibt, muss gar ein Zwölf-Liter-Blutzer um sein Leben fürchten.
Mut besitzen auch jene sogenannten Exoten, die sich heute in La Daille, wo sie normal die Weltcup-Rennen von Val d'Isère abhalten, für die Teilnahme am Riesenslalom bewerben, der am Freitag auf der steileren Face de Bellevarde stattfindet. Fürs Medaillenrennen sind 50 gesetzt, rund 90 Kandidaten fahren um 25 Restplätze.
Absehen davon sollte jeder, der Gäste empfängt, über einen gut sortierten Kühlschrank herrschen. Und jener, der eine Palette österreichischer Bierdosen, die ein Hilfsbereiter aus der Heimat mitgebracht hat, quer durch das an sich friedliche Val d'Isère schleppt, braucht Mut und List gleichermaßen. Schließlich ist er aus auf der Hand liegenden Gründen ein beliebter Gesprächspartner. Mut ist vonnöten, um den Weg überhaupt anzutreten. List, um die Fracht ohne Substanzverlust heimzubringen. "Wenn ich das Plastik jetzt aufreiße, dann gleitet mir alles aus der Hand, und wir haben beide nichts davon. Du verstehst." (bez, DER STANDARD, Printausgabe, 12. Februar 2009)

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