Kampf der Geschlechter um Fußballtickets

11. Februar 2009, 18:37
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Mann klagt Republik wegen ermäßigtem Eintritt für Frauen bei Ländermatches - Anwalt: Kläger geht es um Gerechtigkeit

Wien - Mit ermäßigten Eintrittspreisen für Frauen bei Ländermatches - etwa auch am Mittwoch, als Österreich gegen Schweden in Graz spielte - sollen mehr weibliche Fans in die Stadionzuschauerreihen gelockt werden: eine Besserstellung, die einem (männlichen) Freund des runden Leders bitter aufstößt.

„Beim Verfassungsgerichtshof ist eine Klage gegen die Republik wegen der billigeren Frauentickets eingelangt. Ein Vorverfahren wurde eingeleitet", erläutert VfGH-Sprecher Christian Neuwirth. Für das Höchstgericht sei „die Materie völlig neu", bestätigt er.

Sollte der Kläger recht bekommen, winken ihm heiße 20 Euro: So viel machte die geschlechtsspezifische Ticketpreisdifferenz bei den Länderspielen Österreich gegen Deutschland im Februar und Österreich gegen die Niederlande im März 2008 aus (die die heimische Elf mit 0:3 und 3:4 beide verloren hat).


Doch dem Mann gehe es um mehr als das Geld, sagt sein Wiener Anwalt Georg Brandstätter - nämlich um rückwirkende Gerechtigkeit. Im Vorjahr habe der österreichische Gesetzgeber eine von der EU vorgeschriebene Richtliniennovelle nicht rechtzeitig ab Jahresbeginn, sondern erst ab Anfang August umgesetzt. Daher seien Männer und Frauen zum Zeitpunkt beider Anpfiffe beim Zugang zu Dienstleistungen und der Versorgung mit Gütern noch nicht völlig gleichgestellt gewesen. In beiden Fällen zum Nachteil der Männer, weshalb hier nicht der Österreichische Fußballbund (ÖFB), sondern die Republik zur Verantwortung gezogen werden müsse.

Außerdem, so Brandstätter: „Ist es wirklich sinnvoll, Frauen durch Ticketverbilligungen in die Stadien zu locken? Ist einer Frau der Aufenthalt in einer Fanzone mit all den Pöbeleien überhaupt zuzumuten?" Um den heimischen Fußball frauenfreundlich zu machen, müsse „das Umfeld" verändert werden.

Österreichischer Sonderweg

Beim ÖFB sieht das Sprecher Peter Klinglmüller anders: Um „neue Fußball-Zielgruppen" zu erreichen, werde nicht nur Frauen, sondern etwa auch „Familien und Studenten, Pensionisten und Behinderten" Preisnachlass gewährt: Ein österreichischer Sonderweg, der jetzt EU-bedingt zu enden drohe. Während die Gleichbehandlungsanwältin Ulrike Salinger in der Ticket-Klage einen „männlichen Zugang zum Recht" sieht: „Fühlt sich ein Mann gegenüber Frauen benachteiligt, ist er meist rascher als eine Frau zu Rechtsschritten bereit." (Irene Brickner, DER STANDARD Printausgabe 12.2.2009)

 

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