"Die Spreu vom Weizen trennen"

11. Februar 2009, 15:39
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Zettel geht als Topfavoritin aber ohne Druck in die RTL-Entscheidung - Hosp tritt zur Titelverteidigung an - Großer Favoritenkreis auf der schwierigen "Face de Bellevarde"

Val d'Isere - Der wohl ein Dutzend Skirennläuferinnen umfassende Favoritenkreis für den Riesentorlauf der Damen am Donnerstag bei den alpinen Ski-Weltmeisterschaften in Val d'Isere (10.00/13.30 Uhr) inkludiert auch alle fünf ÖSV-Läuferinnen. Angeführt von Titelverteidigerin Nicole Hosp bei ihrem Comeback nach der schweren Knieverletzung Anfang Jänner wollen Kathrin Zettel, Elisabeth Görgl, Michaela Kirchgasser und Andrea Fischbacher gegen die von der Finnin Tanja Poutiainen angeführte Konkurrenz ihre Chancen nützen.

Als Topfavoritin gehandelt wird die dreifache Saisonsiegerin Zettel, die mit Gold in der Super-Kombi im Rücken befreit der Herausforderung auf dem steilen Herrenberg entgegensieht. "Mit der Medaille fährt es sich leichter, ich bin voller Tatendrang und versuche, mir keinen Druck aufzuerlegen, denn erzwingen kann man nichts ", sagte die Niederösterreicherin, die in den vergangenen Tagen trainiert und pausiert und mit den Kräften hausgehalten hat. Die "Face de Bellevarde" sei einer der schwierigsten Hänge, den die Damen je gefahren sind, "da wird sich die Spreu vom Weizen trennen".

Beim Sieben des Teilnehmerfeldes vor dem Rennen blieben recht viele Körnchen liegen. "Tanja Poutiainen ist eines der heißesten Eisen hier", meinte Zettel, aber das steile Gelände sei auch für sie und ihre Teamkolleginnen sicher kein Nachteil. In den Gesprächen mit den nominierten ÖSV-Damen fielen neben der Finnin aber auch die Namen Tina Maze (SLO), Manuela Mölgg (ITA), Denise Karbon (ITA), Lara Gut (SUI), Maria Pietilä-Holmner und Tessa Worley (FRA) sowie Nicole Gius (ITA).

In keiner anderen Disziplin treten die ÖSV-Damen so geschlossen stark auf wie im Riesentorlauf, wie fit Hosp wirklich ist, wird sie am Donnerstag zeigen. An Einstellung mangelt es der Tirolern jedenfalls sicher nicht. "Zu favorisieren sind andere. Ich bin eine, die aus dem Hintergrund vielleicht nach vorne sticht", sagte Hosp, die aber "nichts ausschließen" will, denn eine WM habe andere Gesetze. "Da muss an dem Tag alles passen, ob man Favoritin ist, oder nicht."

Beim letzten Weltcup-Riesentorlauf in Cortina d'Ampezzo haben die ÖSV-Damen durch Zettel, Kirchgasser und Görgl einen Dreifachsieg gelandet. Die gebürtige Steirerin Görgl vergab den Sieg durch einen Sturz im Finish, rettete aber noch Platz drei. "Das war eine Superleistung von mir, ich habe gesehen, dass ich voll und stark drauf bin, das will ich in den nächsten Rennen auch so machen", meinte die Kombi-Bronzemedaillengewinnerin, Vierte der Abfahrt und Sechste im Super-G, der die WM hervorragend gelingt. "Es ist ein Prozess gewesen, dass ich bin, wo ich bin. Umso schöner ist es, es jetzt auf den Punkt zu bringen."

Kirchgasser, die am Dienstag im Eishockeymatch gegen die kanadischen Damen das Siegestor schoss, weiß, dass man sich auf der Bellevarde nichts erlauben darf. Wer dort eine Medaille holt, der sei würdig, meinte die Salzburgerin. "Aber das kann man bei der WM von Haus aus sagen, wurscht ob am Damen- oder Herrenhang. Egal in welcher Disziplin." Im zweiten Durchgang im Marburg-Slalom habe es bei Kirchgasser "zack-bumm" gemacht und seitdem läuft es wieder: "Man braucht oft nur vier, fünf Schwünge oder einen Lauf, das macht im Kopf viel aus. Das ist wie eine Vitaminspritze."

Die im Cortina-RTL wegen einer Erkrankung fehlende Fischbacher hat als Dritte zum Auftakt in Sölden bewiesen, dass sie auch in dieser Disziplin gut fahren kann, dann hat die Speed-Pilotin die Form wegen fehlenden Trainings aber etwas verloren. "Ich werde voll angreifen, der Hang ist schwer, das liegt mir. Du musst hier Scheiß-der-Hund-drauf fahren und Gas geben", verriet die Salzburgerin, die im Super-G Bronze holte, wie sie es anlegen will. Auf der Herrenpiste zu fahren, findet sie "sehr interessant".

"Große Freude" (Fischbacher) herrschte über die Rückkehr von Nicole Hosp ins Team. "Sie ist die Titelverteidigerin und wir freuen uns, dass sie fit ist und uns tatkräftig unterstützt", meinte Zettel. Und Görgl sagte: "Schön, dass sie wieder dabei ist und fit ist, und dass wir zu fünft an den Start gehen können. Niki kann man immer alles zutrauen, sie ist einfach kaltschnäuzig." Auch Kirchgasser traut Hosp alles zu: "Sie hat ein sehr gutes Gefühl. Und wenn sie sagt, sie kann da vorne mitfahren, dann kann sie es auch. Und wenn sie es tut, dann vergönne ich es ihr vom Herzen. Da herunter ist es schon für ein gesundes Knie eine Mordsbelastung." (APA)

 

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