"Porn Identity"- Ausstellung in der Kunsthalle Wien

11. Februar 2009, 15:08
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"Expeditionen in die Dunkelzone" sollen "schamlose Bilder in den kunstinstitutionellen Raum" transferieren

Wien - Den "Wildwuchs der Pornografie" mit Skulpturen, Laufbildern und Installationen zu konfrontieren, die das sexuelle Begehren reflektieren, ist Ziel der Ausstellung "The Porn Identity. Expeditionen in die Dunkelzone", die am Donnerstagabend in der Kunsthalle Wien (halle 2) eröffnet und bis 1. Juni läuft.

Für die Kunsthalle Wien wurde die bereits in Rotterdam gezeigte Schau "Bodypoliticx" neu zusammengestellt. Kunsthalle-Direktor Gerald Matt will "gesellschaftliche Zustände auch medial hinterfragen", wie er bei der Pressekonferenz am Mittwoch sagte. Die mit Jugendverbot belegte Schau (Eintritt ab 18 Jahren) ist Teil des Frühjahrs-Schwerpunkts "Sex & Crime", der mit "Fahrstuhl zum Schafott" ab 20. März fortgeführt wird.

Zusammenhänge durchbrechen

Der Transfer der "schamlosen Bilder in den kunstinstitutionellen Raum" soll pornotypische Zusammenhänge durchbrechen. Dennoch oder gerade deshalb erfordert die von Angela Stief und den Gastkuratoren Thomas Edlinger und Florian Waldvogel konzipierte Schau vom Besucher oft ein genaues Hinschauen, um die feinen Unterschiede zwischen kommerzieller Pornografie und Kunst zu entdecken.

"Porno, sagt man, ist das, womit wir uns nicht erwischen lassen wollen", heißt es im Pressetext zur Ausstellung. Dem "erwischt werden" kommt man in "The Porn Identity" keinesfalls aus, im Hauptraum hängen dicht gedrängt rund zwei Dutzend Bildschirme mit explizitem Material von der Decke, heimlich wird es hier wohl zu keinem Zeitpunkt zugehen. Die Installation "Infront of the Green Door" von Johannes Wohnseifer in Form einer grünen Tür, die sich nur einen Spalt öffnen lässt und den Blick auf einen Fernseher mit Pornos freigibt, findet sich im Eingangsbereich der Ausstellung.

Klassisches Skulpturales

Schräg gegenüber steht Robert Müllers Skulptur "La veuve du coureur" aus dem Jahr 1957, eine Replik auf Marcel Duchamps "Bicycle Wheel" (1913), das die Maschinisierung der Sexualität ebenso wie die Sexualisierung der Maschine thematisiert. Während hier aus dem Sattel ein durch Treten der Pedale in Gang zu setzender Penis-Nachbau hervorragt, spielt Ed und Nancy Kienholz' "The Bronze Pinball Machine with Woman Affixed Also" (1980) mit dem weiblichen Geschlechtsorgan. Bequem auf die gespreizten Beine aus Bronze gestützt kann der "Playboy"-Flipper in der Ausstellung "bedient" werden.

Rund um den "Bildermischwald", der mit allerlei kommerziellen wie künstlerisch in Szene gesetzten Pornos dient, finden sich Arbeiten wie etwa das Titelsujet der Schau - ein Replikat aus der Filmausstattung von Stanley Kubricks "A Clockwork Orange" der Bildhauerin Liz Moore - sowie Michael Elmgreens und Ingar Dragsets "Queer Bar" und Olaf Metzels "Skistockspieß-Installation" namens "Frauen putzen besser" (2002). Tom Burrs Pferdestallskulpturen, die von der "Dressur des Triebs und der Domestizierung des Animalischen" sowie vom "wohlkalkulierten Exzess im trauten Sado-Maso-Heim" erzählen, ist ein eigener Raum gewidmet.

Breit gefächertes Filmprogramm

Den Schluss der Ausstellung bildet die "Rainbow Wall": Nach farblichen Entsprechungen der Filme geordnet, ist diese Installation aus fünf mal vier Bildschirmen, auf denen jeweils vertikal dieselben Pornos gezeigt werden, die "kuratorische Ergänzung des Filmprogramms". Hier geht es auch um das immer wieder auftauchende "Spannungsverhältnis zwischen klassischer heterosexueller Pornoproduktion und alternativen, homosexuellen, lesbischen oder queeren Erzählungen".

Die gezeigten Videos, die sowohl durch ihre teilweise sehr langen Ausschnitte als auch ihre Quantität jegliches Zeitbudget eines sogar geduldigen Besuchers um ein Vielfaches überschreiten, umfassen zum Großteil Arbeiten etablierter Künstler wie Carolee Schneemann, Lawrence Weiner oder Jean Genet. Während Bruce LaBruce den homosexuellen Geschlechtsverkehr zwischen Skinheads auf Video bannt, inszeniert etwa der österreichische Filmemacher Martin Arnold mit Found Footage alter Hollywoodfilme Szenen mit Subtexten von Gewalt und Leidenschaft. Louisa Achille widmet sich in ihrem Film "The Naked Feminist" in Interviews (Post-)Porn-Ikonen.

Rahmungen, Diskussionen, Symposium


Mit aktuellen Themen wie dem "Porn-Chic im Web-2.0-Zeitalter" setzt sich lediglich der Katalog auseinander, der sowohl in Text als auch Bild die Ausstellung in der Kunsthalle um weitere Facetten der Pornografie erweitert. Rund um die Ausstellung finden zahlreiche Diskussionen und Vorträge in der Kunsthalle statt, eine Filmreihe im Metrokino beleuchtet im April unter dem Titel "Hauptsache Fleisch" Erotisches und Pornografisches im österreichischen Film.
Unabhängig von "Porn Identity" findet am Samstag, 14. Februar, im WUK das Symposium "Pornonom" statt. Die Choreographinnen Sabine Sonnenschein und Brigitte Wilfing laden zu einer Begegnung theoretischer, performativer und musikalischer Positionen zum pornografischen Film.  (APA)

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    Replica von Liz Moore einer Deko-Figur aus der "Korova Milkbar", einem Set von Stanley Kubricks Film "Clockwork Orange", eine Abwandlung der Fetisch-Plastiken des in den späten 1960ern prominenten Pop-Art-Künstlers  Allen Jones

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