Analysten fürchten um AUA-Deal mit Lufthansa

11. Februar 2009, 14:50
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Lufthansa wird laut Experten wohl nicht mehr Geld für AUA hinblättern wollen

Wien  - Während die Staatsholding ÖIAG ebenso die Austrian Airlines (AUA) selbst in der Einleitung eines EU-Beihilfeverfahrens kein Indiz sehen, dass der ganze Deal mit der Lufthansa kippt, sind Analysten deutlich skeptischer. Von der Erste Group setzte es deshalb am Mittwoch eine Rückstufung der AUA-Aktie von "Hold" auf "Sell".

Die EU leite ihre Prüfungen (Beihilfeverfahren) mit einer negativen "first opinion" ein, so Martina Valenta in einer Kurzanalyse nach den heutigen Nachrichten aus Brüssel.

Nach Meinung der Erste-Expertin sind damit die Gefahren signifikant gestiegen, dass die AUA-Übernahme nicht so durchgezogen werden könnte wie bisher geplant.

Die deutsche Lufthansa dürfte nach der Analystenschätzung wohl nicht mehr Geld hinblättern für den AUA-Anteil. Die finanzielle Lage der AUA sei sehr angespannt. Valenta geht davon aus, dass dem jüngst angekündigten Kosteneinsparprogramm bei der AUA schärfere Sanierungsschritte folgen könnten.

Aktie gibt nach

Die AUA-Aktie notierte am Mittwoch nach 14.15 Uhr bei 3,53 Euro, ein Minus von 2,75 Prozent. Am Vormittag war die Aktie schon einmal zu 3,95 Euro gehandelt worden. Kurz nach 12 Uhr, als Brüssel die Einleitung des Beihilfeverfahrens und Bedenken gegen den Verkauf bekannt gab, drehte die Aktie allerdings ab.

Die Erste-Analysten gehen nach den jetzigen Entwicklungen von weiteren Kursrückgängen bei der AUA aus. Ein neues Kursziel wird erst erarbeitet.

Erstaunt zeigten sich die Börsianer freilich darüber, dass die EU ausgerechnet in einem so schwierigen wirtschaftlichen Umfeld derart scharf gegen konkrete staatliche Hilfen argumentiert.

Entscheidung vor dem Sommer

Mit der Ankündigung aus Brüssel steht im wesentlichen ein erster Fristenlauf für das Beihilfeverfahren. Sobald die so genannte Eröffnungsentscheidung der Republik Österreich zugestellt ist, was für Mitte Februar erwartet wird, hat die Republik einen Monat Zeit für eine Stellungnahme. Da wird schon versucht werden, die Bedenken der EU-Kommission zu entkräften. Danach wiederum haben die Konkurrenten von AUA und Lufthansa einen Monat Gelegenheit für ihre Stellungnahmen an Brüssel. Danach ist wieder Wien an der Reihe mit einer Erwiderung auf die Beschwerden. Aus heutiger Sicht wird in Wien die Brüsseler Entscheidung vor dem Sommer erwartet.

Am Donnerstag ist die vom Bund zum AUA-Verkauf zugesagte 500-Millionen-Euro-Spritze Thema im parlamentarischen Finanzausschuss. (APA)

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