"Mesopotamische Erzählungen" im Lentos

11. Februar 2009, 14:18
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Ost-West-Gegenüberstellungen in der Ausstellung des türkischen Künstlers Kutlug Ataman

Linz  - Das jüngste Projekt des Lentos Kunstmuseums Linz stellt eine Ost-West-Beziehung her befasst sich auch mit "europäischen Werten". Die Ausstellung "Mesopotamische Erzählungen" des international erfolgreichen türkischen Künstlers Kutlug Ataman, die im Rahmen von Linz 2009 Kulturhauptstadt Europas von 13. Februar bis 19. April gezeigt wird, wurde am Mittwoch in einer Pressekonferenz mit dem Künstler von Lentos-Direktorin Stella Rollig und Linz09-Intendant Martin Heller vorgestellt.

Ataman bricht die Fragen nach der Identität des Einzelnen, von Bevölkerungsgruppen, Nationen oder Völkern auf einzelne Menschen herunter. Dabei geht es um Traditionen und Konventionen, Glauben und Überzeugungen, die bei ihrem Aufeinandertreffen Konflikte auslösen können. Das der Schau in Linz Namen gebende "Zweistromland" Mesopotamien liegt teilweise im Irak, in Syrien und in Ostanatolien. Ataman zeigt acht neue Werke, die er unbedingt gemeinsam gesehen haben will. Sie fokussieren Umbrüche in der Türkei der vergangenen Jahrzehnte - politische, kulturelle und ökonomische Veränderungen, Kämpfe zwischen religiöser und säkulärer Weltanschauung und die Spannung zwischen Osten und Westen, die Ataman als "akute Krise" definiert. Dabei geht es auch um die Geschichte der westlichen Moderne und die Frage nach der Berechtigung ihres universellen Anspruches.

Ikonen und Flatscreens

Beim Eintritt in die fünf Räume umfassende Schau fällt der erste Blick gleich auf das Ende der Ausstellung: Ein Foto aus dem frühen 20. Jahrhundert, das einen damals mächtigen türkischen General mit seinen Untergebenen zeigt. Fotografie war damals ein neues - westliches - Medium. Der Bildausschnitt ist hingegen nach den Regeln gewählt, wie sie vor der Renaissance in Byzanz üblich waren. Der General ist deshalb im Zentrum des Bildes positioniert. Alle niedrigeren Ränge dahinter oder sogar vom Bildrand abgeschnitten.

Ataman ist ausgebildeter Filmemacher, was seine Werke prägt. Im ersten Raum scheinen im "Dome" türkische männliche Jugendliche in westlicher Kleidung, aber östlicher Körperhaltung über Flatscreens an der Decke zu schweben - ähnlich der Kuppel-Gestaltung in den Kathedralen von Rom. Tatsächlich hängen sie an den Baukränen, die als Symbol für die Modernisierung Anatoliens stehen. In einer anderen Videoinstallation lesen türkische Mittelschüler englische Nonsens-Gedichte vor, die selbst für "Native Speaker" eine Herausforderung darstellen. "The Complete Works of William Shakespeare" besteht aus 14 Komödien, elf Tragödien und zehn Geschichten, die mit der Hand direkt auf eine Filmrolle geschrieben sind. Shakespeare hat in seinen Werken Inhalte aus ganz Europa verarbeitet. Atman will mit seiner Darstellung die Haltung des östlichen Kulturkreises aufzeigen, die den Wert eines Buches nicht nur nach seinem Inhalt, sondern auch nach seiner künstlerischen Ausführung beurteilt.

Kutlug Ataman ist 1961 in Istanbul geboren worden, wo er auch lebt und arbeitet. Seine Ausbildung komplettierte er in mehreren Weltstädten. Er wurde für seine Filme mehrfach ausgezeichnet. 2004 war er in der engeren Auswahl für den englischen Turner Prize. Im selben Jahr gewann er Amerikas höchste Kunstauszeichnung, den Carnegie Prize. Seine Arbeiten wurden auf der Documenta und den Biennalen in Venedig, Sao Paolo, Berlin und Istanbul sowie der Londoner Tate Triennale gezeigt, ebenso in etlichen Einzelausstellungen auf allen Kontinenten. Seine Arbeiten sind unter anderem im MoMA in New York vertreten. (APA)

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     'Dome, 2009' von Kutlug Ataman

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