Bundestheater: Jammern auf hohem Niveau

11. Februar 2009, 14:01
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Jahresbilanz und düstere Prognosen von Holding-Chef Springer

Wien - Georg Springer, Chef der Bundestheater-Holding, hat sich das Jammern verbeten. Denn der Konzern (Staats- und Volksoper, Burg- mit Akademietheater) konnte das Geschäftsjahr 2007/08 nach zwei Minusjahren mit einem Plus von 2,1 Millionen Euro abschließen. Dieses Ergebnis war aber nur deshalb zu erzielen, weil die Basisabgeltung erstmals seit einer Dekade angehoben wurde - um fünf Millionen Euro auf deren 138,6.

"Ohne diese Erhöhung hätten wir ein inferiores negatives Ergebnis", sagte Springer bei seiner Jahrespressekonferenz am Mittwoch. Denn der Gesamterfolg ist vor allem einem Umstand zu verdanken: Die Volksoper vermochte unter Robert Meyer die Besucherzahlen um 12,3 Prozent zu steigern. Mit einer Auslastung von 85,77 Prozent wurde sogar das Burgtheater überholt, das auf 84,38 Prozent kam. Die Volksoper konnte daher einen nicht erwarteten Jahresgewinn von 1,27 Millionen Euro verbuchen.

Doch die budgetäre Zukunft ist alles andere denn rosig: Die Gewerkschaft fordere eine Bezugserhöhung um mindestens 3,55 Prozent, was Mehrausgaben von 5,3 Millionen Euro zur Folge hätte. Der unterschriftsreife Kollektivvertrag für die "unzumutbar" schlecht bezahlten Musiker der Volksoper verursache zusätzliche Kosten von 1,9 Millionen Euro. Zudem spürt die vom Tourismus abhängige Staatsoper bereits die Auswirkungen der Wirtschaftskrise. Die Auslastung fiel in der laufenden Saison (bis 9. Februar) gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres von 98,97 auf 96,10 Prozent. "Die Einnahmen brechen erkennbar ein", so Springer, der nicht jammern wollte: "Wenn täglich auch nur 26 Karten der besten Kategorie weniger verkauft werden, bedeutet das einen Verlust von einer Million Euro."

Ioan Holender werde 2010 zwar mit einem ausgeglichenen Budget in Pension gehen, danach aber drohe der Staatsoper der finanzielle Kollaps: Springer rechnet in seinem Prognosebericht für 2010/11 mit einem Jahresverlust von 11,7 Millionen Euro. Den anderen Gesellschaften werde es ähnlich ergehen: Die Jahresverluste der Volksoper und des Burgtheaters dürften bei 13,3 bzw. 12,4 Millionen Euro liegen. Samt dem zu erwartenden Defizit für die Holding (12,5 Mio.) ergibt sich ein prognostizierter Fehlbetrag von knapp 50 Millionen Euro.

Doch Springer jammert nicht: Er betet, dass Kulturministerin Claudia Schmied erfolgreiche Budgetverhandlungen führt. Sollte es zu keiner Erhöhung kommen, müsse man die Verluste z. B. durch eine Erhöhung der Kartenpreise (um 13,3 Prozent) ausgleichen.

Springers Hoffnung: Die Regierung sucht Projekte für ihr Paket mit konjunkturbelebenden Maßnahmen. Man reichte daher Vorhaben in der Höhe von 25 Millionen Euro ein - u. a. für die Probebühne, die sich Holender-Nachfolger Dominique Meyer wünscht. (trenk / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.2.2009)

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