"Wir leben wie Gefangene"

11. Februar 2009, 13:59
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Clean Clothes Campaign veröffentlicht Bericht zur Lage der ArbeiterInnen in Zulieferbetrieben von Aldi, Lidl, Carrefour, Tesco und Walmart: Frauendiskriminierung und Existenzminimum

Die weltweit führenden Handelsketten Aldi, Lidl, Carrefour, Tesco und Walmart erwarten auch in der Wirtschaftskrise solide Gewinne und einen steigenden Marktanteil am Bekleidungssektor. Dabei profitieren sie von ihrer Einkaufsmacht und dem Druck auf Zulieferbetriebe, der an die Beschäftigten weitergegeben wird: Die ArbeiterInnen rutschen immer tiefer in die Armut und leiden unter katastrophalen Arbeitsbedingungen und schweren Arbeitsrechtsverletzungen.

Die Clean Clothes Campaign (CCC) , Kampagne für Saubere Bekleidung, ­ belegt diese Vorwürfe in ihrem am Dienstag veröffentlichten Bericht "Cashing In: Giant retailers, purchasing practices and working conditions in the garment industry" ("Kasse machen: Einzelhandelsgiganten, Einkaufspraktiken und Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie"). Dieser beschreibt die Situation in den Zulieferbetrieben der fünf Handelsketten in Indien, Bangladesch, Sri Lanka und Thailand.

Arbeits- und Menschenrechtsverletzungen

"Es ist hart. Wir leben wie Gefangene", sagt eine junge Näherin in Bangladesch. Gewerkschaften sind nicht zugelassen und bei der Überprüfung der Arbeitsbedingungen werden die Beschäftigten laut Bericht angehalten zu lügen.

"Das Discountermodell dieser Konzerne basiert darauf, Lieferanten auszupressen und führt zu schweren Arbeits- und Menschenrechtsverletzungen in der Lieferkette", so Gisela Burckhardt von der Kampagne für Saubere Kleidung. "Dies ermöglicht Discountern wie Lidl und Aldi große Gewinne, während die Arbeiter/ innen Hungerlöhne erhalten."

Schlüsselprobleme von Unterbezahlung bis Frauendiskriminierung

Die Beschäftigten in den Fabriken berichten von 90 Arbeitsstunden pro Woche und unbezahlten Überstunden. Die Löhne sind so niedrig, dass sie nicht ausreichen, um eine Familien zu ernähren. Alle Versuche der Arbeiter/innen, sich gewerkschaftlich zu organisieren, werden von den Zulieferbetrieben unterbunden.

Gleichzeitig enthüllen sie, wie die Einzelhandelsgiganten den Druck erhöhen, dass schneller geliefert und billiger produziert wird. Dies untergräbt alle Verlautbarungen, in denen sich die Unternehmen freiwillig verpflichtet haben, in ihren Lieferketten soziale Mindeststandards einzuhalten.

Der Bericht nennt als Schlüsselprobleme in der Lieferkette der fünf Handelsgiganten Löhne unterhalb des Existenzminimums, zunehmender Einsatz von Zeitverträgen, Unterdrückung von Gewerkschaften, exzessive Überstunden und Frauendiskriminierung.

"Wettlauf um schlechteste Arbeitsbedingungen"

"Die Einkaufspraktiken der Konzerne stellen das größte Hindernis für die Umsetzung internationaler Arbeitsstandards dar. Zu deren Einhaltung haben sich die Unternehmen laut eigener Werbung jedoch verpflichtet ", sagt Nina Ascoly vom internationalen Sekretariat der CCC in Amsterdam. "Ihre Marktmacht, und ihre Strategie, die Preise zu brechen, machen die großen Discounter und Handelsgiganten zu Spitzenreitern im weltweiten Wettlauf um die schlechtesten Arbeitsbedingungen."

Auftakt zur "Better Bargain campaign"

Die Discounter-Kampagne der deutschen CCC übt seit 2008 Druck auf Aldi, Lidl, KiK und die Politik aus. Die Kampagne wird nun auch auf internationaler Ebene weitergeführt. Der "Cashing In"-Bericht ist der Beginn der internationalen CCC "Better Bargain campaign". (red)

Links

Cashing In-Bericht - Zusammenfassung (.pdf)

Ganzer Bericht (.pdf)

Empfehlungen der Kampagne (.pdf)

Hintergrund

Die Clean Clothes Campaign ist ein internationals Netzwerk von Gewerkschaften und NGOs, das sich für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der globalen Bekleidungsindustrie einsetzt. Das CCC Netzwerk besteht in 12 europäischen Ländern und umfasst weltweit 250 Basisorganisationen, darunter auch TERRE DES FEMMES.

  • Nähen für Aldi: Chinesinnen bei der Arbeit in der Fabrik "Quanxin Knitting".
    foto: winfried fleischmann/suedwind institut

    Nähen für Aldi: Chinesinnen bei der Arbeit in der Fabrik "Quanxin Knitting".

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