Ein Gewinnanteil mit Kapitalgarantie

9. März 2003, 18:13
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Neue Börsengänge sind in nächster Zeit unwahrscheinlich - Firmen haben aber Geldbedarf - Heimische Banken bringen Alternativen auf den Markt - mit Infografik

Wien - Das Börsengeschäft ist ausgetrocknet, Kredite sind knapp und teurer. Mithilfe einer Kapitalgarantie der Mittelstandsförderungsgesellschaft AWS (früher Bürges) bringen die großen heimischen Banken jetzt Körbe auf den Markt, in denen junge, stark wachsende Unternehmen gebündelt sind, die sich via Gewinnschuldverschreibung von Privatanlegern frisches Geld holen. In den nächsten Wochen sind diese Produkte in den Filialen zu haben.

Mit dieser verbesserten - für Anleger attraktiveren - Version der Genussscheine erhoffen sich Banken und Unternehmen mehr Breitenwirkung, als dies die 13 Genussscheine (siehe Tabelle) bis jetzt erreichen konnten. Dadurch soll sich auch die Pipeline für Börsengänge in Wien mit bereits fitten Kandidaten füllen.

Am Gewinn beteiligt

Anleger erwerben dabei keinen Unternehmensanteil, sondern sind nur zu einem fixen Prozentsatz über eine Laufzeit von zehn Jahren am Gewinn beteiligt. Die Ausschüttungen sind KeSt-pflichtig, und da diese so genannten Gewinnwertpapiere an der Wiener Börse im dritten Segment notieren, sind Notverkäufe (mit Übertragung der Kapitalgarantie) innerhalb der Laufzeit möglich.

Während etwa Bank Austria Creditanstalt (BA-CA), Volksbank und Bawag mehrere Unternehmen in Körben zusammenfassen, setzt die Erste Bank auf die Emission einzelner Firmen. Martin Hinteregger, Leiter der Abteilung Capital Markets in der "Ersten", erklärt das mit aufwändigen Prüfungen und Transparenz. Man wolle "keinen Kreditersatz" verkaufen. Dafür sind Private schon ab 1000 Euro dabei, bei der BA-CA beträgt die Stückelung 5000 Euro.

  • Für wen gilt die 100-prozentige Kapitalgarantie? Für alle Privaten bis zu 20.000 Euro, Institutionelle erhalten 50 Prozent Kapitalgarantie.

  • Wie hoch ist der Gewinnanteil? Dieser wird vom Wirtschaftsprüfer berechnet und liegt vermutlich zwischen fünf und acht Prozent, eine fixe Verzinsung ist nicht vorgeschrieben, aber ein Unternehmen muss, wenn es während der Laufzeit übernommen wird, an die Börse geht oder die Gewinnschuldverschreibung kündigt, acht Prozent pro Jahr im Nachhinein zahlen. Dabei werden aber bereits ausgeschüttete Gewinnanteile eingerechnet.

  • Was passiert bei einem Konkurs? Anleger erhalten das garantierte Kapital (minus Geldentwertung) zurück.

  • Was sind die Szenarien für Anleger? Im besten Fall kommt es zu einem schnellen "Exit", also Börsengang. Dann wird die Nachzahlung von Gewinnanteilen fällig, oder der Anleger kann zu begünstigten Konditionen als Aktionär mit an die Börse gehen. Günstig ist auch eine Übernahme (siehe Gewinnanteil). Brauchbar ist auch noch, wenn während der Laufzeit außer anständigem Wachstum "nichts" passiert. Schlecht sind ein Dahindümpeln ohne Unternehmensgewinn und ein Konkurs, da bleibt nur das eingesetzte Kapital und der Jammer: "Hätte ich doch woanders angelegt."

  • Wie hoch sind die Kosten? Für die Kapitalgarantie sind rund 0,5 Prozent laufendes Entgelt zu zahlen, dazu kommen einige Prozentpunkte Zahlstellengebühr und als einmalige Kosten drei bis fünf Prozent (Bankenprovision, Sekundärmarktbetreuung, Prospektprüfung . . .). (Karin Bauer, DER STANDARD, Printausgabe 10.3.2003)

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    So lange die Börsenbaisse die Aktienhändler noch auf Geschäfte warten lässt, wollen die Banken die Pipeline für Börsengänge anfüllen und Privatanleger dabei mitnehmen.

  • Vergleich der alten Genussscheine - Grafik zum Vergrößern anklicken.
    grafik: derstandard

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