Krankenkassen skeptisch

11. Februar 2009, 16:15
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Wiener Obmann Bittner: "Es reicht nicht, um die Kassen völlig schuldenfrei zu machen"

Sillian - Die Bundesregierung hat sich bei ihrer Klausur auf einen Fonds zur Krankenkassensanierung geeinigt. Rot und Schwarz haben sich auf einen Fonds geeinigt, der den Krankenkassen nötige Finanzspritzen verabreichen soll. Der mit 100 Millionen Euro dotierte Fördertopf soll bis 30. Juni 2009 stehen, Geld daraus soll aber erst ab 2010 fließen - und nur, wenn die Kassen im Gegenzug "kostendämpfende" Maßnahmen vorweisen können.

Kassen verhalten positiv

Die Krankenkassen selber sehen die Einigung einerseits positiv, haben aber andererseits auch Vorbehalte. Das Ö1-Mittagsjournal befragte etwa Franz Bittner, Wiener Kassenobmann: "Es reicht nicht, um die Kassen völlig schuldenfrei zu machen. Aber es geht in die richtige Richtung. Es bedeutet, dass zumindest in den nächsten Jahren unter Umständen ausgeglichen bilanziert werden kann, ohne den Schuldenstand wesentlich zu verringern."

Der niederösterreichische Kassenobmann Gerhard Hutter ist skeptisch: "Mit den 100 Millionen Euro wird die soziale Krankenversicherung sicherlich nicht finanziert werden können. Denn wenn man davon ausgeht, dass sich die Medizin weiter entwickeln wird, dann wird auch zusätzliches Geld für die Weiterentwicklung im Gesundheitssystem nötig sein."

Mit Skepsis betrachtete Bittner das Volumen der vorgestellten Pläne. Von einer Tilgung der 1,2 Mrd. Euro Schulden der Gebietskrankenkassen sei man noch weit entfernt. "Es ist auch daran zu erinnern, dass die Gewährung von Bundesmittel für vorher von der Politik bestellte versicherungsfremde Leistungen kein Gnadengeschenk ist, sondern der Versichertengemeinschaft aus Gründen der Kostenwahrheit eigentlich zusteht", unterstrich der WGKK-Obmann.

NÖGKK sieht grundsätzlich "richtigen Weg" 

Die Sanierungspläne der Bundesregierung hat die NÖ Gebietskrankenkasse (NÖGKK) vorsichtig positiv beurteilt. Es sei grundsätzlich ein "richtiger Weg", die Entschuldung der Kassen anzudenken. In der Praxis sei man davon aber noch meilenweit entfernt, so NÖGKK-Obmann Gerhard Hutter am Mittwoch. (APA/red, derStandard.at, 11. 2. 2009)

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