Wissenschafter als "Spielball politischer Entscheidungen"

11. Februar 2009, 12:40
4 Postings

RFT warnt vor Abwanderung exzellenter Institutionen und junger Forscher

Wien - Österreichs Wissenschafter und Uni-Vertreter fühlen sich von der Politik missbraucht. Dabei geht es laut Jürgen Mittelstraß, Chef des Wissenschaftsrats, nicht allein um das kommende Budget, das von manchen als existenzgefährdend bezeichnet wird. "Am meisten beunruhigt mich der leichtfertige Umgang der Politik mit den Bedürfnissen der Wissenschaft und Forschung, die zum Spielball politischer Entscheidungen gemacht werden", so Mittelstraß am Dienstagabend bei einer Veranstaltung des Grünen Parlamentsklubs.

Mittelstraß befürchtet, dass die Unis mit dem kommenden Budget "nur überwintern können" und erwartet Auswirkungen auf die Leistungsvereinbarungen. "Da wird nichts weitergehen, und das ist bei Forschung schon ein gefährlicher Rückschritt." Günther Bonn vom Rat für Forschung und Technologieentwicklung (RFT) warnte, dass "exzellente Institutionen" bereits erwägen, nach Deutschland abzuwandern. Er fürchte außerdem, dass auch junge Forscher wieder vermehrt ins Ausland gehen werden. "Und das", so Bonn, "holen wir lange nicht mehr auf."

Abstieg ohne Reaktion

Bonn verurteilte auch den Umgang der Regierung mit der Wirtschaftskrise: Während etwa in Frankreich antizyklisch in die Forschung investiert werde, "wird das in Österreich komplett negiert. Wir sind am Abstieg und niemand reagiert", so Bonn. Gerald Bast, Rektor der Uni für Angewandte Kunst, kritisierte das "völlig desolate" System der Förderung von Wissenschaft und Kunst in Österreich. Die Politik könne sich das nur erlauben, "weil sie glaubt, dass diese Bereiche in der Gesellschaft ohnehin keinen Rückhalt haben."

"Wir müssen den Verantwortliche klar machen, dass es so nicht geht", trat Christoph Kratky, Präsident des Wissenschaftsfonds FWF, für Protestmaßnahmen ein. Darüber, wie diese aussehen könnten, waren die zwei Dutzend Diskutanten jedoch uneins. Wenig Rückhalt bekam Wolf-Dietrich Von Fircks, Rektor der Veterinärmedizinischen Uni, für seinen Vorschlag, die Mieten für die Universitätsgebäude nicht zu zahlen. "Die Unis zahlen 180 Millionen pro Jahr Miete an die BIG (Bundesimmobiliengesellschaft, Anm.). Wenn wir sie kollektiv einbehalten, merkt das der Finanzminister (Josef Pröll von der ÖVP, Anm.) sofort." (APA/red)

 

Share if you care.