Berlinale: Coming Out war gestern

11. Februar 2009, 12:21
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Rund dreißig Beiträge über homosexuelle Lebenswelten beim Filmfestival, darunter auch der neue Film von Monika treut - Vergabe des 23. "Teddy-Awards"

Berlin - Im Fahrwasser von Gus Van Sants "Milk" über San Franciscos homosexuellen Vorkämpfer Harvey Milk ist das lesbische und schwule Kino in diesem Jahr mit an die drei Dutzend Filmen in den Sektionen Panorama und Forum bei der Berlinale stark vertreten. Zum 23. Mal wird auch der "Teddy-Award" vergeben für den besten Film, der sich mit Homosexualität beschäftigt.

Schwerpunkt nicht länger auf Coming Out

Dabei fällt auf, dass kaum mehr das Coming Out (eigene Bewusstmachung) oder Outing (Mitteilung an die Umwelt) thematisiert wird, sondern es um die Probleme Homosexueller an sich geht, deren Orientierung als selbstverständlich vorausgesetzt ist.

Status-Diskussion

Zumeist geht es um soziale Fragen - wie etwa auch beim argentinischen Beitrag "El nino pez" von Lucía Puenzo. Als sich die höhere Tochter mit einem Hausmädchen einlässt, geht es nicht nur um die kriminellen Verwicklungen, in die beide geraten, sondern vor allem auch um Status-Diskussionen. Genauere Charakterzeichnungen unterlässt der Film leider, stattdessen wird die Geschichte (wohl letztlich zu) hektisch erzählt. Das Buch dazu ist soeben in deutscher Übersetzung als "Das Fischkind" herausgekommen.

Treuts neuer Film

"Ghosted" wiederum von der Deutschen Monika Treut schildert die Liebe einer deutschen Fotografin zu einer Südkoreanerin. Nach dem Tod von Letzterer taucht eine geheimnisvolle andere Koreanerin auf, die den Film zu einem mystisch überhöhten Ende führt.

Daneben gibt es Dokus über Palästinenser, die sich in israelische schwule Bars schwindeln, oder über das homosexuelle Tel Aviv - gedreht von schwulen Regisseuren über das lesbische Milieu und umgekehrt.

Selbst im österreichischen Krimi "Der Knochenmann" spielt am Rand eine transsexuelle Komponente eine Rolle, wenngleich hier der Schwerpunkt nicht auf der sexuellen Komponente liegt.

Lediglich der spanische Film "Ander" widmet sich der sexuellen Selbstfindung: der baskische Bauer Ander lebt noch mit Mitte 40 mit seiner Schwester auf dem Hof der strengen Mutter. Als er sich sein Bein verletzt, wird ein junger Peruaner als Arbeitskraft eingestellt. Der Film erzählt den inneren Prozess, der zu einer Entscheidung Anders für Jose führt und dem öffentlichen Bekenntnis dazu. Ein knorriger Film, mitunter witzig, aber wortkarg, wie er in vielen konservativen Bergregionen mit Landwirtschaft spielen könnte. (APA)

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    Die letztjährige "Teddy Award"-Preisträgerin Tanaz Eshaghian.

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